Kinderbetreuung - Schwanheimer Kirchengemeinde macht einen Rückzieher / Jetzt soll es für Fehlheim und Schwanheim doch jeweils einen Neubau geben Keine Groß-Kita für die Weststadtteile

Von 
Dirk Rosenberger
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Fehlheim/Schwanheim. Es sollte eine Kita mit Symbolcharakter werden. Ein großer Neubau für Fehlheim und Schwanheim, auf den sich alle Beteiligten verständigt hatten. Verschiedene Standorte wurden geprüft, das ausgewählte Grundstück am Ortseingang von Fehlheim galt aus Sicht der Verwaltung als alternativlos – wenngleich es im alten Neckarbett liegt, was naturgemäß nicht kritiklos zur Kenntnis genommen wurde.

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Die Stadtverordnetenversammlung hatte in ihrer Februarsitzung mit großer Mehrheit einen Grundsatzbeschluss gefasst. Vorausgegangen war eine Debatte, die deutlich machte, dass einigen die Zustimmung schwerfiel. Trotzdem sollte das Vorhaben angegangen werden, schließlich sind die beiden Kita-Gebäude in den Stadtteilen alles andere als zukunftsfähig und über dem Verfallsdatum. Zumal die Kinderbetreuung trotz hoher Ausgaben kommunalpolitisch und im Rathaus zu Recht eine hohe Priorität genießt.

Im Sommer 2024 hätte die neue Kita bei reibungslosem Verlauf eingeweiht werden sollen. Das ist kurz nach dem meteorologischen Sommeranfang allerdings Schnee von gestern – was einerseits überraschend kommt, andererseits dann doch wenig überrascht, wenn man die jüngere Bensheimer (Bau)-Geschichte verfolgt. Der Magistrat hat jedenfalls in seiner Sitzung am Mittwoch einer Aufhebung des Stadtverordnetenbeschlusses zugestimmt.

Eigentlich ein Vorzeige-Projekt

Die Groß-Kita mit sieben Gruppen als Vorzeigeobjekt für beide Stadtteile ist somit Geschichte, ein entsprechendes Votum des Stadtparlaments am 2. Juli vorausgesetzt. Das Gremium muss schließlich ebenfalls noch rückgängig machen, was es vor vier Monaten beschlossen hat. Am Montagabend haben sich zudem die Ortsbeiräte aus Fehlheim und Schwanheim mit dem Thema befasst (wir werden noch berichten).

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Die Gründe für die Kehrtwende? „Es haben sich vor allem in der evangelischen Kirchengemeinde Schwanheim Stimmen gemehrt, die das nicht mehr wollten“, erklärte Bürgermeister Rolf Richter auf Nachfrage dieser Zeitung. Letztlich habe sich der Kirchenvorstand vom Projekt losgesagt und sich für eine Klein-Kita im Stadtteil ausgesprochen.

Eine Vorgehensweise, die der Rathauschef durchaus „verwunderlich“ findet, schließlich habe man im Herbst des vergangenen und zu Beginn dieses Jahres Gesprächsrunden mit allen Beteiligten gehabt und sich einvernehmlich auf die ursprüngliche Lösung verständigt.

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Begründet wurde der Sinneswandel laut Richter unter anderem damit, dass man sich nicht in der Lage sehe, für eine so große Kita die Trägerschaft zu übernehmen. Weil auf Fehlheimer und somit katholischer Seite die Bedenken in eine ähnliche Richtung gingen, hätte die Stadt den Betrieb übernehmen müssen. Allerdings wollte die Schwanheimer Kirchengemeinde nicht auf die „wichtige Arbeit mit Kindern verzichten“, weil man dies als eine wesentliche Aufgabe der Kirche ansehe.

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Im Rathaus nahm man dies zur Kenntnis und machte sich an die Prüfung von Alternativen. Ergebnis: Im Fehlheimer Neubaugebiet soll auf der Gemeinfläche, für die es bisher keine Nutzung gab, sowie einem angrenzenden Grundstück, das eigentlich für Wohnbebauung vorgesehen war, eine fünfzügige Kita für Fehlheim wie bisher unter der Trägerschaft der Katholischen Kirche entstehen. Im Verbund stünden dadurch etwas mehr als 3000 Quadratmeter zur Verfügung, was für Neubau und Außengelände ausreichend sei. Als im vergangenen Jahr die Alternativen zur Bebauung im alten Neckarbett untersucht wurden, hatte die Verwaltung auch besagte Gemeinfläche im Blick. Für sich allein genommen wäre sie aber zu klein gewesen – sowohl für sieben als auch für fünf Gruppen.

Nach dem Schwanheimer Abschied von einer gemeinsamen Zukunft passt es aber. Der Stadt entgehen zwar Einnahmen in einer Größenordnung von 200 000 Euro, weil das Grundstück nicht mit einer Wohnbebauung versehen wird. Außerdem fallen neun Wohnungen weg. Und der Betrieb von zwei Einrichtungen geht mehr ins Geld, zudem steigen bei zwei Neubauten die Investitionskosten. Aus diesen Gründen hatte man sich ja ursprünglich unter anderem für eine Zusammenlegung entschieden.

Kein Eingriff in den Grünzug

Dafür kann man aber eine Lösung präsentieren, mit der sich alle Seiten anfreunden sollten. Träger sollen wie bisher die Kirchen bleiben. Zumal nun kein Eingriff in den regionalen Grünzug im alten Neckarbett notwendig wird und eine Änderung des Flächennutzungsplans und daraus resultierend Auflagen des Regierungspräsidiums kein Thema mehr sind.

Mit einer Fertigstellung in Fehlheim rechnet Richter für Anfang 2024. Nach dem Umzug sollen die Schwanheimer Kinder temporär in der alten Kita der Nachbargemeinde betreut werden. Ihr 70er-Jahre-Bau wird dann abgerissen, an Ort und Stelle gibt es dann den Neubau für zwei Gruppen. „In Fehlheim ist Platz genug“, so der Bürgermeister. Darüber hinaus spart man sich die Miete für Container als Übergangsunterbringung, die geschätzt die Ausgaben um mehr als eine halbe Million Euro in die Höhe getrieben hätten.

Apropos Kosten: Wie teuer das gesamte Vorhaben wird, lässt sich momentan noch nicht kalkulieren. Das wird wie üblich der weitere Verlauf des Projekts zeigen, über den die Stadtverordneten zu gegebener Zeit abstimmen werden. Planungskosten für die siebenzügige Kita sind nach Auskunft von Rolf Richter bisher nicht aufgelaufen. Trotz allem Hin und Her und der Abkehr von einer Anfang des Jahres noch als symbolträchtig gefeierten Lösung zeigte sich der Bürgermeister im Gespräch zufrieden. „Wir bekommen den ökologischen Aspekt besser eingefangen und die Kinderbetreuung bleibt sichergestellt“, bilanzierte er.

Was noch fehlt, ist die Zustimmung der Stadtverordnetenversammlung. Auch wenn es nicht ohne Diskussionen ausgehen wird, kann man sich momentan nur schwer vorstellen, dass die Fraktionen den Kita-Plänen eine Absage erteilen. Dafür ist der Bedarf zu groß und der Zustand der beiden Gebäude zu schlecht, um das Vorhaben auf die ganz lange Bank zu schieben.

Redaktion