Soroptimisten - Digitaler Clubabend zum Thema Lohngerechtigkeit Karriereknick und weniger Lohn für Frauen

Von
Jeanette Spielmann
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Bensheim. Zwar in kleinen, aber in kontinuierlichen Schritten rückt der Equal Pay Day nach vorn und ist damit Ausdruck einer Verbesserung der Lohngerechtigkeit zwischen Männern und Frauen. Seit 2008 markiert das Datum des Equal Pay Day in Deutschland symbolisch jedes Jahr den geschlechtsspezifischen Verdienstunterschied, der laut Statistischem Bundesamt in Deutschland aktuell 19 Prozent beträgt. Damit ist der Equal Pay Day in diesem Jahr auf den 10. März gerückt.

Vanessa Barth vom Vorstand der IG Metall © IG Metall

Deutschland hat Nachholbedarf

Zur Person

Diplom-Soziologin Vanessa Barth leitet seit Januar 2014 den Funktionsbereich Zielgruppenarbeit und Gleichstellung beim Vorstand der IG Metall.

Sie wurde 1969 in Groß-Umstadt geboren und wuchs in Regensburg auf.

Vanessa Barth studierte Soziologie an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt mit den Schwerpunkten Geschlechterforschung und soziale Bewegungen.

Seit 2002 arbeitet Barth bei der IG Metall. In ihren Verantwortungsbereich fallen unter anderem die Themen Frauen- und Gleichstellungspolitik, Jugend sowie Migration und Teilhabe. js

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Vor fünf Jahren war dieser Tag am 19. März und die Lohnlücke betrug 22 Prozent. Aber dennoch hat Deutschland im europäischen Vergleich Nachholbedarf, denn auch mit 19 Prozent liegt Deutschland über dem EU-Durchschnitt von 15 Prozent. Im Ranking der EU-Mitgliedsstaaten nimmt Estland mit einem Wert von 22 Prozent den unrühmlichen ersten Platz ein. Den besten Platz am Ende der Liste hat Luxemburg mit einem Gender Pay Gap von einem Prozent inne.

Die Lohngerechtigkeit in der deutschen Arbeitswelt war beim digitalen Clubabend der Soroptimistinnen von Bensheim und Heppenheim Thema. Dazu hatte Clubpräsidentin Irene Schmidt Diplom-Soziologin Vanessa Barth vom Vorstand der IG Metall eingeladen, um gemeinsam im virtuellen Raum über Ursachen und Auswirkungen der Entgeltdifferenz zu diskutieren.

Zwar wertete Vanessa Barth es positiv, dass der Gender Pay Gap erstmals unter 20 Prozent liegt, aber gleichwohl seien die Lohnunterschiede noch zu groß. Die Ursachen für diese Ungleichheit, die sich am Ende eines Arbeitslebens in der Rentenhöhe bemerkbar macht, sind vielschichtig. So steht dem Arbeitsmarkt die Arbeitskraft von Frauen familienbedingt in geringerem Ausmaß zur Verfügung als die von Männern. Der Wiedereinstieg nach der Erwerbsunterbrechung erfolgt oft in Teilzeit und Minijobs. Das hat zur Folge, dass in Spitzen- und Führungspositionen nur wenige Frauen zu finden sind.

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Aus den Reihen der Bergsträßer Soroptimistinnen war in diesem Zusammenhang zu hören, dass auch Männer von solchen Karriereknicks betroffen sein können, wenn sie sich dazu entschließen, Kinderbetreuungsaufgaben zu übernehmen. Ab einer bestimmten Gehaltsklasse werde es für Frauen wie Männer gleichermaßen schwierig, wenn man in der Verfügbarkeit limitiert sei.

Da aber auch bei Frauen ohne Kinder oder Pflegeverantwortung die Situation nicht anders sei, gibt es weitere Gründe für die Ungleichheit. Einer davon seien beispielsweise Berufe mit einem hohen Frauenanteil, in denen die Entgelte oft geringer ausfallen als in traditionellen Männerberufen.

„Fan der Frauenquote“

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Einkommensungleichheiten seien auch darauf zurückzuführen, dass Frauen die schlechte Bezahlung zulassen. Nicht nur, dass sie bei Gehaltsverhandlungen zu zurückhaltend agieren, oft hätten sie einfach keine Lust, „wegen 100 Euro zu diskutieren“. Neben diesen geschlechtsspezifischen Verhaltensweisen weist Vanessa Barth auf einen weiteren Aspekt hin. So gebe es zu wenig Frauen in den Schlüsselfunktionen, Beurteilende von Arbeit und Entgelt seien meistens Männer.

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Die Referentin bezeichnete sich als „Fan der Frauenquote“, da sie dieses Verhältnis verändere. Erfreulich sei die erkennbare Verbesserung auf der zweiten Führungsebene. Habe der Frauenteil 2004 noch bei 33 Prozent gelegen, sei er 2018 auf 40 Prozent angestiegen.

Weitere Meilensteine, die zur Verbesserung beigetragen hätten, seien das Mindestlohngesetz (2014), das Entgelttransparenzgesetz (2017), die Einführung der Brückenteilzeit (2019) und das Führungspositionen-Gesetz (2015 und 2020).

Nach zwei Stunden Videokonferenz dankte Soroptimist-Präsidentin Irene Schmidt für die umfassenden und interessanten Ausführungen. Schmidt schloss nicht aus, dass die Soroptimistinnen aus Bensheim und Heppenheim sich an der diesjährigen Equal Pay Day-Kampagne beteiligen, die unter dem Motto „Game Changer – Mach dich stark für equal pay!“ steht.

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