Kerb - Bunter Lindwurm schlängelte sich durchs Dorf In Zell sorgt die Jugend für mächtig Wirbel

Von 
Jeanette Spielmann
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Kerweparrer Tim Hiesinger und Mund-schenk Toni Hiesinger (r.). © Funck

Zell. Es ist die Jugend, die das Kerwegeschehen in den Bensheimer Stadtteilen am Leben hält. Besonders viele junge Menschen engagieren sich in Zell, was sich vor allem beim Kerwezug am Sonntag bemerkbar machte. 25 Zugnummern hatte Organisator Klaus Tröger auf seiner Liste, allerdings waren nicht alle erschienen. Die Hochstädter Kerweborsch beispielsweise hatten offenbar ihre eigene Kerb vom vergangenen Wochenende noch nicht ganz verkraftet.

Premiere für das Duo „Tim und Toni“ bei der Kerweredd

In der anschließenden Kerweredd brachten sommerliche Außentemperaturen, ein erwartungsvolles Kerwepublikum im dicht gefüllten Zelt und vermutlich auch ein wenig Lampenfieber zur Premiere Kerweparre Tim Hiesinger ordentlich ins Schwitzen. Allerdings war er beim Verlesen des Kerwespruchs auch ziemlich schnell unterwegs, aber mit der Erfahrung kommt sicher mehr Ruhe, denn nächstes Jahr geht es mit „Tim und Toni“ weiter, wie auf dem Kerwewagen zu lesen war.

Erinnert wurde an die Jubiläumsfeier 50 Jahre Zell-Manlay in Frankreich, bei der auch der Kerweparre mit seinem Bruder dabei war. Die Nachtruhe teilten sie aber überraschenderweise mit einem Dritten und das war zu viel für das französische Gästebett.

Von reiselustigen Zellern im Wohnmobil und einem falsch angeschlossenen Wassertank war zu hören und von zwei Zellern, die im Kühlwagen eingesperrt waren und erst durch das Kappen der Bierleitung auf sich aufmerksam machten.

Auch der Transport gekühlter Getränke für den Hemsberg lief nicht einwandfrei, denn schon „nach der ersten Steigung war die Fahrt vorbei“. Die Tür des Kühlwagens hatte sich geöffnet und das flüssige Gut rutschte nach draußen.

Unbeliebt machten sich Anwohner, die sich durch das Zeltlager der Jugendwehr gestört fühlten und die Polizei gerufen hatten. „Lasst unsere Jugend in Ruh’“ rief er unter dem Beifall der Kerwegäste. Auch wenn das Meerbachwasser als „Wunderwasser“ gilt, das bei vielen Wehwehchen hilft, eignet es sich nicht, um einen Elektromäher in Gang zu bringen. Diese „Spezialmischung“ hatte ein Zeller versehentlich in den Tank geschüttet.

Für die Anekdote mit dem geklauten Maibaum tauschten Kerweparre und Mundschenk ihre Zylinder mit dem bayrischen Filzhut. Anstelle des großen Weinglases kamen zwei Weizenbiergläser auf die Kanzel. Denn erst gegen eine entsprechende Getränkespende bekamen die Gronauer ihren Maibaum zurück, der dann „nur mit Zeller Manneskraft“ wieder aufgestellt wurde. js

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Aber die Kerwejugend aus Balkhausen, Gronau, Sonderbach, Langwaden und Hambach sorgten mit ihren Discowagen, lauter Musik und grünem Nebel für mächtig Stimmung auf der Gass.

Was sich hinter dem Riesenschiff „MS Assozial“ verbarg, musste erst erfragt werden, denn selbst der sonst bestens informierte Ortsvorsteher Hans-Peter Ott wusste es nicht. Es waren die fünf Zeller Burschen René Eckert, Andreas Schäfer, Philipp Rödel, André Schneider und Marcel Pietruschka, die einfach nur etwas Buntes zum Kerwezug beitragen wollten und das Mallorca-Lied „Bierkapitän“ wirkungsvoll auf die Straße brachten.

Der Start des bunten Lindwurms wurde am Sonntag wegen eines ärztlichen Notfalls in Gronau kurz verzögert, denn der Rückweg des Notarztwagens musste noch frei bleiben, bevor der Zug jeglichen Autoverkehr für gut eine Stunde blockierte. „Der gehört net zu uns“, so der Hinweis von Zugmarschall Klaus Tröger.

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Immer dabei sind die Musiker der Lindenfelser Trachtenkapelle, die im Anschluss für die musikalische Begleitung der Kerweredd und im Festzelt zuständig sind.

Auch das ein oder andere Ereignis aus dem Kerwespruch wurde mit Motivwagen dargestellt. Da waren die Maibaum-Diebe mit langem Maibaum unterwegs: „De Gruneme Maibaum in voller Pracht, den hänn mer Zeller fodd geschafft“ und die Jugendfeuerwehr erinnerte an ihr Zeltlager in Zell: „Fröhliche Kinder und Spielerei, mittags um drei schickt man uns die Polizei“.

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Die „Minis“ der Zeller Feuerwehr präsentierten sich als „Einsatzabteilung 2030“. Diesem Motto schloss sich der Förderverein des Zeller Kindergartens mit der „Zeller Kerwejugend 2030“ an.

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Besonders schön der Wagen des Hemsbergturmvereins, auf dem das Zeller Wahrzeichen im Modellformat durch die Straßen chauffiert wurde. Mit dabei auf einer Bank vor dem Mini-Wald Bürgermeister Rolf Richter und Ortsvorsteher Hans-Peter Ott. Mit diesem repräsentativen Wagen wollen die Zeller ebenso beim Winzerfestumzug mitmachen und dort auf das Oktoberfest am Hemsbergturm am 22. September hinweisen. Bis dahin muss noch eine Unterstellmöglichkeit für das Turmmodell gefunden werden.

Mit einem kleinen Leiterwagen und einem unterm Sonnenschirm geschützten Federvieh hatte sich der Nachwuchs des Rassegeflügelzuchtvereins spontan zur Teilnahme entschlossen, während die Kinder von Frank Schmidt („Franks Kloane“) mit Hund im Leiterwagen auf dem Weg vom Startpunkt bis zum Dorfgemeinschaftshaus irgendwo verlorengegangen waren. Die Zuschauer dürften auch die Kerweborsch vermisst haben, die wieder den Weg durch die gesperrte Dorfstraße nahmen und nach einer gefühlten Ewigkeit lautstark am Dorfgemeinschaftshaus wieder auf den Kerwezug stießen.

Die Einsatzabteilung der Feuerwehr präsentierte sich mit dem Hinweis auf die „Baustelle Grune 2019 – 2050“ als „Löscheinheit 1 – Oberdorf“ und die Zeller Fastnacht grüßte die SG Gronau mit einem den Vereinsfarben angepassten grün-weißem Outfit. Neben den Tanzdarbietungen der Pappets war auch ein Trio der Zeller Männergymnastik von anno dazumal ausgesprochen sportlich unterwegs.

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