Parktheater - Alex Parker und Gabriela Benesch erzählten Anekdoten und gaben Kostenproben aus dem reichhaltigen musikalischen Fundus des Entertainers In Erinnerung an Udo Jürgens

Von 
Eva Bambach
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Die Udo Jürgens Story: Alex Parker und Gabriela Benesch begeisterten am Samstagabend im Parktheater. © Neu

Bensheim. Standing Ovations im voll besetzten Parktheater: Über den Jubel am Samstagabend freuten sich die beiden Vortragenden Alex Parker und Gabriela Benesch wie der anwesende Regisseur des Abends Erich Furrer. Die Begeisterung galt aber in mindesten ebenso hohem Maß dem vor gut fünf Jahren plötzlich gestorbenen deutschsprachigen Sänger und Komponisten selbst, dessen Lebenswerk in der „Udo Jürgens Story“ musikalisch und erzählerisch vorgestellt wurde.

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Alex Parker wie Gabriela Benesch waren der 1934 in Klagenfurt geborenen Schlagerlegende zu Lebzeiten mehrfach persönlich begegnet. Während Parker Udo Jürgens über die musikalische Zusammenarbeit kennenlernte, ist die Schauspielerin Gabriela Benesch seit vielen Jahren mit Jürgens Tochter Jenny befreundet.

Hohe Dosis Emphase

Mit Auszügen aus autobiografischen Veröffentlichungen des Künstlers und in der Familie erzählten Anekdoten gab Benesch einen mit einer hohen Dosis Emphase vorgetragenen Überblick über den künstlerischen Werdegang eines der erfolgreichsten Musiker und Entertainer. Die Story sparte Privates dabei weitgehend aus – bis auf eine nachdenkliche Passage über die Beziehung zu den eigenen Kindern.

Alex Parker erwies sich als hervorragender Pianist, der dem vielseitigen musikalischen Talent des Komponisten voll gerecht wird und auch stimmlich nah am Original angesiedelt ist. Mit als Konserve eingespielten Orchesterklängen und einer überwiegend statischen Bühnenatmosphäre entsprach das Programm dem erklärten Charakter eines Erinnerungsabends. Mit „Mein Ziel“ aus dem Todesjahr des Künstlers begann der Abend („…ich reiß’ sicher auch keine Bäume mehr aus, doch ich will und werde noch welche pflanzen“).

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Der Blick richtete sich dann von der Initialzündung, einem Opernbesuch anlässlich des zwölften Geburtstags des Udo Jürgen Bockelmann, nach dem er beschloss, Komponist zu werden, auf Erinnerungen an die ersten Erfolge des jungen Künstlers. Ausführlich beschrieb Udo Jürgens im Nachhinein wie das Selbstvertrauen in ihm wuchs.

Man spürt, wie der Stolz des Vaters ihn zunächst verblüffte, aber auch, wie sehr der Stolz auf das Erreichte und zugleich auch die Verwunderung darüber, es geschafft zu haben, ihn offenbar das ganze Leben hindurch begleitet haben. Das kommt immer wieder in rückblickenden Anekdoten zum Ausdruck, etwa über eine Würdigung durch Sammy Davis Jr. 1971 in einer Show in Las Vegas oder eine öffentliche Hommage durch Paul Hörbiger. In den 1950er-Jahren war die Begeisterung für Frank Sinatra prägend für Udo Jürgens’ musikalische Entwicklung geworden, ebenso die frühe Faszination durch „komplizierte Musik“, wie sie etwa von dem amerikanischen Jazzpianisten Lennie Tristano vorgetragen wurde (späterer Kommentar: „Der Free Jazz verwirrt bewusst die menschliche Psyche“).

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Beim Studium in den USA spielt der spätere Schlagerstar in verschiedenen Clubs, trifft Größen der Jazz-Szene und springt für den ausgefallenen Pianisten von Chet Baker ein – Erfahrungen, die unter anderem in den Song „Boogie Woogie Baby“ eingeflossen sind, der das Bensheimer Publikum ebenso zum Mitklatschen und Einstimmen animierte wie die folgenden Songs „Vielen Dank für die Blumen“ und „Ein ehrenwerte Haus“.

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Dass die eingängigen Texte und Melodien, mit denen sich der Star ein Millionenpublikum sicherte, nicht bloß oberflächlich waren, belegen nicht zuletzt Skandale wie der um den Text von „Gehet hin und vermehret euch“ – ein kritischer Blick auf das Verbot der Empfängnisverhütung in der katholischen Kirche aus dem Jahr 1988, der unter anderem vom Bayerischen Rundfunk als Beleidigung des Papstes aufgefasst wurde und dort nicht gespielt werden durfte.

Weitere Kostproben von politisch oder gesellschaftlich engagierten Liedern gab Alex Parker untger anderem mit „Lieb Vaterland“ (1971), „Griechischer Wein“, mit dem Jürgens 1974 das Heimweh der Gastarbeiter thematisierte, oder „5 Minuten vor 12“, 1982 zur Umweltproblematik geschrieben.

„Nur das bewegt das Publikum, was dich selbst bewegt“, zitierte Gabriela Benesch den Komponisten, der seine Texte mitunter auch selbst schrieb und mit seinen Textern, wie etwas Michael Kunze, eng zusammenarbeitete. Bensheim war die im weiten Umkreis einzige Station der „Udo Jürgens Story“, mit der Parker und Benesch seit Anfang des Jahres auf einer bis 2021 geplanten Tournee sind.

Das Publikum, darunter auch Menschen unter 40 Jahren, erwies sich als ebenso begeisterungsfähig wie textsicher und wurde unter anderem bei den Zugaben mit einem Medley aus einigen der größten Hits belohnt.