Corona-Pandemie - 85 Prozent der Bewohner haben das Vakzin erhalten / Bei den Mitarbeitern ist die Quote allerdings deutlich niedriger Hohe Impfbereitschaft im Caritasheim

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Dirk Rosenberger
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Im Caritasheim Sankt Elisabeth in Bensheim wurden 85 Prozent der Bewohner gegen das Coronavirus geimpft. © Neu

Bensheim. Die erste Phase der Corona-Pandemie bewältigte Bensheim verhältnismäßig gut. Gemessen an den mehr als 41 000 Einwohnern waren die Fallzahlen niedrig, Todesfälle gab es nicht zu beklagen. Im Sommer waren Stadt und Kreis nahezu coronafrei – dann kam der Herbst und mit ihm die zweite Welle.

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Die Entwicklung seitdem ist bekannt: Mehr als 200 Todesfälle an der Bergstraße, im Ried und im Odenwald (vorher von März bis Oktober lediglich drei), allein in Bensheim sind 32 Menschen mit oder an Covid-19 gestorben, viele waren Bewohner von Pflegeheimen.

Die größte Stadt im Kreis hat mittlerweile den Spitzenplatz an offenen Corona-Fällen inne – und das mit großem Abstand. Zuletzt waren wieder einige Pflegeheim betroffen, wenngleich dort auch flächendeckend mit den Impfungen begonnen werden konnte (wir haben berichtet). Im Caritasheim Sankt Elisabeth mit seinen 109 Bewohnern und 140 Mitarbeitern sind nach Auskunft des Caritasverbands Darmstadt 85 Prozent der Bewohner im selbstbestimmten Wohnen sowie 84 Prozent der Senioren im Pflegebereich geimpft.

Auch alle Gäste der Notbetreuung in der Tagespflege seien geimpft worden. Zehn Bewohner hätten aus gesundheitlichen Gründen nicht geimpft werden können.

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Bei den Mitarbeitern ist die Quote nicht ganz so hoch: 56 Prozent von ihnen haben sich für einen Piks in den Oberarm entschieden. „Wir setzen weiter auf umfassende Information und Beantwortung von Fragen, wir versuchen den gezielten Falschinformationen von Querdenkern und Corona-Verharmlosern entgegenzuwirken. Gute Erfahrungen haben wir damit gemacht, dass Mitarbeitende, deren Sorgen und Bedenken auch die Diskussionen im Team nicht aus dem Weg räumen konnte, mit dem Impfarzt ein Gespräch geführt haben“, erklärte Claudia Betzholz von der Caritas-Pressestelle in Darmstadt auf Nachfrage, wie man die Bereitschaft bei den Angestellten erhöhen könne.

Viel Aufklärungsarbeit

Die Informationsgespräche durch die Ärzte seien sehr wesentlich, um die Impfbereitschaft zu erhöhen. Nebenwirkungen, Zulassung und Wirkdauer des Impfstoffes wollten beispielsweise vor einer Entscheidung noch besprochen werden. Dafür brauche es Zeit, es sei sehr wichtig, dass diese Zeit zur Verfügung gestellt wird. „Viele unserer Mitarbeitenden entschieden sich nach dem Gespräch für die Impfung“, so Betzholz.

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Von der Regierung und der Politik erhofft sich die Caritas mehr Unterstützung zum Schutz von Pflege- und Seniorenheimen. Die Corona-Schnelltests seien eine hilfreiche Unterstützung, regelmäßige Testungen in den Einrichtungen der Altenhilfe sehr wichtig. Diese dürften jedoch nicht auf das Pflegepersonal übertragen werden, wenn nicht gleichzeitig personelle Ressourcen geschaffen werden. „Da braucht es Unterstützung, zum Beispiel durch die Bundeswehr und Hilfsorganisationen, denn im Heim fehlt es an Personal. Es existiert ein Fachkräftemangel. Es reicht nicht, eine Verordnung von Seiten der Politik zu schreiben und die Umsetzung nicht zu klären“, teilte der Verband auf Anfrage mit.

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Wenn man bedenke, wie schnell die Tests an Flughäfen im Sommer 2020 organisiert worden seien, so sei doch schwer zu verstehen, dass Monate später in Einrichtungen der Altenhilfe klare Regelungen zur Unterstützung vor Ort für Tests fehlen.

„Nach diesen langen Monaten der Sorge und der Angst vor dem Virus, insbesondere der Ausbreitung in unseren Alten- und Pflegeheimen, bin ich persönlich sehr froh, dass unsere vier Heime vom Mobilen Impfteam besucht wurden. Im Vorfeld haben unsere Heimleitungen mit den Pflegeteams, Bewohnern und den Angehörigen sehr viele Gespräche geführt, denn es gab eine Reihe von Fragen, über die sich gemeinsam ausgetauscht wurde“, betonte Caritasdirektorin Stefanie Rhein.

Der Verband betreibt Alten- und Pflegeheime in Bensheim, Bürstadt, Einhausen und Lampertheim. „Ich verspreche mir sehr viel von der Impfung, da dadurch für Bewohnerinnen und Bewohner, Mitarbeitende und Angehörige wieder ein sorgenfreieres Miteinander möglich sein wird. Daher bin ich natürlich froh, wenn viele das frühzeitige Angebot der Impfung annehmen. Davon profitieren unsere Einrichtungen. Es ist endlich ein großer Schritt in Richtung Sicherheit“, bemerkte Rhein abschließend.

Im Caritasheim sind zurzeit sechs Bewohner sowie fünf Mitarbeiter mit dem Coronavirus infiziert.

Redaktion