Kirchen - Ab Freitag erlaubt die Landesregierung Messen und Andachten mit Publikum / Auflagen müssen beachtet und umgesetzt werden Gottesdienst nur mit Sicherheitsabstand

Von 
Dirk Rosenberger
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Bensheim. Die Zeit des stillen Gebets in leeren Kirchen geht für Gläubige und Geistliche zu Ende. Ab Freitag sind in Hessen wieder Gottesdienste erlaubt. Wochenlang waren die Zusammenkünfte wegen der Corona-Pandemie verboten. Kirchengemeinden und Glaubensgemeinschaften dürfen nun wieder dazu einladen – allerdings mit Auflagen beim Sicherheitsabstand und bei der Hygiene. Das Tragen von Schutzmasken ist nach momentanem Stand keine Pflicht.

In der Bensheimer Michaelsgemeinde ist der Neustart für Samstag, 2. Mai, vorgesehen. Ab 18 Uhr soll ein Vespergottesdienst gefeiert werden. © Neu
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Wie zügig die Vorgaben umgesetzt werden können, wird von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich sein. Ob bereits am Wochenende überall wieder Messen gefeiert werden können, steht aktuell nicht fest.

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Sankt Georg: „Im Pfarreienverbund und im Pfarrgemeinderat Sankt Georg werden wir uns abstimmen, wie wir es mit den notwendigen Hygienevorschriften und des Kommunionempfangs praktizieren und ob wir auch alternative Gottesdienstformen anbieten werden“, erklärte Pfarrer Thomas Catta. Am Donnerstag soll es im Pfarreienverbund eine Videokonferenz geben, bei der man das weitere Vorgehen abstimmen will.

Grundsätzlich freut sich Catta, dass man unter Auflagen Gottesdienste feiern könne. „Auch wenn es schwierig sein wird, wie wir es mit einer begrenzten Zahl der Mitfeiernden handhaben können. Bisher konnten wir uns besonders am Sonntag im Hauptgottesdienst in Sankt Georg über eine große Gemeinde freuen.“

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Sankt Laurentius/Heilig Kreuz: Für Pfarrer Harald Poggel (Pfarrgruppe Sankt Laurentius/Heilig Kreuz) ist es besonders wichtig, dass trotz der nur begrenzten Anzahl an Menschen, die zeitgleich in der Kirche sein können, eine Zurückweisung von Gläubigen vermieden werden soll. Es werde neben einem möglichen Anmeldesystem für einen jeweiligen Gottesdienst nach Möglichkeiten gesucht, „wie wir solidarisch und nicht ausgrenzend feiern können. Auch neue Formen des Gottesdienstes werden überlegt“.

Natürlich freue er sich sehr, wenn bald gemeinsame Gottesdienste möglich sein werden. Es gehöre zum Wesensbestand des Glaubens, in Gemeinschaft das Gotteslob anzustimmen und Freude und Leid vor Gott zum Ausdruck zu bringen. „Die besondere Situation erfordert aber besondere Vorsichtsmaßnahmen, die wir beachten wollen.“

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Das Bistum Mainz habe dafür einen Maßnahmenkatalog sehr sorgfältig erstellt, den man vor Ort umsetzen müsse. „Wir wollen für den größtmöglichen Schutz der Gottesdienstteilnehmenden vor Infektion sorgen. Abstandsregeln und Hygienemaßnahmen werden umgesetzt. Dies gilt besonders für den Kommunionempfang, der nach Händedesinfektion und ohne persönliche Spendeformel erfolgen soll. Leider wird auch der übliche Gesang nicht möglich sein, was gerade in der Osterzeit mit ihren frohen Liedern sehr schade ist“, bedauerte der Geistliche im Gespräch mit dieser Zeitung.

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Michaelsgemeinde: Hocherfreut äußerte sich Pfarrer Christoph Bergner von der evangelischen Michaelsgemeinde. „Die Gottesdienste sind das Zentrum unseres Glaubens. Es war hart, dass die Ostergottesdienste ausgefallen sind. Videogottesdienste und Onlineandachten können die lebendige Gemeinschaft, das gemeinsame Hören, Beten und Singen im Gottesdienst nicht ersetzen.“

Die Auflagen werde man natürlich beachten. Jedoch reduziere das die Besucherzahl erheblich. Pfarrer Bergner rechnet damit, dass man nicht mehr als 50 Besucher in seine Kirche lassen kann. Deshalb werden alle großen Gottesdienste – demnächst stünden eigentlich ein Kantatengottesdienst und die Konfirmation an – nicht zelebriert. Bei Bedarf könne man aber zusätzliche Gottesdienste anbieten. Den Neustart hat die Michaelsgemeinde für Samstag (2.) vorgesehen. Um 18 Uhr wird ein Vespergottesdienst gefeiert.

Stephanusgemeinde: In der evangelischen Stephanusgemeinde wird es noch ein wenig länger dauern. Dass nun öffentliche Gottesdienste möglich sein werden, „freut uns als Pfarrerinnen natürlich, denn gemeinsam in einer Kirche Gottesdienst zu feiern, haben wir alle in den letzten Wochen vermisst“, bestätigte Almut Gallmeier. Allerdings stünden immer noch die Sicherheit und Gesundheit der Menschen im Vordergrund. Daher werde der Kirchenvorstand genau überlegen, wie ausreichende Schutzmaßnahmen in der Stephanuskirche umgesetzt werden können, bevor man sich wieder im Gottesdienst treffe.

Um genügend Zeit zur Vorbereitung und zur Beratung zu haben, will man am Sonntag (3.) die Kirche noch nicht für Gottesdienste öffnen. Über die Zeitung und die Internetseite soll letztlich informiert werden, wann man in der Stephanuskirche wieder beginnen kann.

Neue Formate gesucht

Wegen der Pandemie-Beschränkungen musste die Gemeinde bis dato unbekannte Wege beschreiten. So gab es für jeden Sonntag und Feiertag eine Andacht für zu Hause, die man alleine oder mit der Familie feiern konnte. „Man wusste sich im Gebet verbunden mit vielen anderen Gemeindegliedern und konnte auch Videoandachten mitverfolgen“, blickte Almut Gallmeier zurück.

Gronau/Zell und Schönberg/Wilmshausen: Neue Formate und Möglichkeiten der Kontaktaufnahme in einer Zeit von Kontaktsperren und staatlich verordneten Abstandsregeln mussten auch andere Geistliche suchen.

„Wir haben jetzt sechs Wochen lang auf Gottesdienste in der Kirche verzichtet. Gerade über Ostern war das traurig, denn Osterjubel geht in Gemeinschaft besser“, sagte Pfarrerin Uta Voll. Sie ist als Seelsorgerin für die evangelischen Gemeinden Gronau/Zell und Schönberg/Wilmshausen zuständig.

Die Zeit habe auch eine große Kreativität hervorgebracht. Die Kirchengemeinde hat Ostergärten aufgebaut, die Gemeindemitglieder angeschrieben und Videoandachten ins Netz gestellt, die viele Menschen zu Hause anschauen können.

Letzte Videoandacht am Sonntag

„Die positive Rückmeldung darauf zeigt den Bedarf in dieser Situation nach geistlichem Zuspruch. Für uns war es eine neue gute Erfahrung mit diesem Medium“, so Voll.

Am kommenden Sonntag (3.) soll es die voraussichtlich letzte Videoandacht zum Jubelsonntag geben, danach sollen bald wieder öffentliche Gottesdienste stattfinden, erläuterte die Pfarrerin am Mittwoch. „Darüber sind wir sehr froh, denn entscheidend am Gottesdienst ist für mich die Begegnung mit den Menschen, das gemeinsamen Feiern, Beten und Singen, die Gespräche danach und davor.“

Der Kirchenvorstand werde beschließen, ab wann dies sein wird, und ein Schutzkonzept erarbeiten. Man werde sicher auf manches verzichten, „das uns lieb ist. Aber in den Dörfern Gronau, Zell und Schönberg gibt es drei Gottesdienstorte, da verteilt sich der Besuch und wir können gemeinsam in der Kirche auf Abstand gehen“.

Die großen Feste wie beispielsweise Konfirmation und Konfirmationsjubiläum sind verschoben, auch der Festgottesdienst zum Partnerschaftsjubiläum falle aus.

„Gerade für Menschen ohne Internet, aber auch für alle, die gern zum Gottesdienst in die Kirchen kommen, freue ich mich über die Öffnung und versichere, dass wir nach Möglichkeit jede Ansteckungsgefahr vermeiden“, betonte Pfarrerin Uta Voll.

Info: Die Videoandachten können auf der Homepage gronau-zell.ekhn.de mit verfolgt werden.

Redaktion