Vogel der Nacht - Neu gegründeter Förderverein wirbt ab sofort um Mitglieder / Bensheimer können sich einbringen Gönner legt den finanziellen Grundstein

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Dirk Rosenberger
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Ein Förderverein soll die finanzielle Zukunft des Festivals Vogel der Nacht sichern. Am Mittwoch stellte sich der Vorstand um Vorsitzenden Dirk Bartels (vorne, 2.v.l.) im Rathaus vor. © Zelinger

Bensheim. Der Vogel der Nacht hat wieder Starterlaubnis. Nachdem Harry Hegenbarth im Spätsommer schweren Herzens aus Kostengründen das Aus für sein beliebtes Stadtpark-Festival verkünden musste, liefen hinter den Kulissen die Wiederbelebungsversuche – mit Erfolg.

Seit 2005 eine echte Marke

Der Anfang war schwer und entstand aus einer Laune heraus: Ein chilliger Abend mit viel Tee und noch mehr Teelichtern im Stadtpark. Dazu ein paar sanfte Gitarrentöne – fertig war die Geburtsstunde von Vogel der Nacht.

Man schrieb das Jahr 2005, auf der schrägen Wiese stand weder eine Bühne noch ein Zeltdorf. Fixpunkt war ein VW Bus, die Intention von Hegenbarth romantischer Natur: Er wollte seiner damaligen Freundin imponieren.

Letztlich landete der heute 40-Jährige mit seiner Aktion einen Volltreffer: Das Federvieh wurde schnell zum Kult – und die Freundin von 2005 hat nicht die Flucht ergriffen, sondern in diesem Sommer in die Verlobung eingewilligt, von den drei gemeinsamen Kindern ganz zu schweigen.

Der Vogel wurde schnell flügge, das Programm ausgebaut. Wichtige Bestandteile waren von Beginn an das abwechslungsreiche Kinderprogramm und die offene Bühne.

Eintritt wurde nie erhoben, stattdessen ein „freiwilliger Eintritt“ als Spende für das Hospiz gesammelt. Seit einigen Jahren wird mit dem Kulturbecher versucht, Geld zur Finanzierung des Festivals zu erlösen.

Probleme bereitet vor allem in den vergangenen Jahren das Wetter: Dauerregen, Hitze und Unwetter hatten zu weniger Besuchern, sinkenden Einnahmen und teils hohen Verlusten geführt. Dem wird nun mit dem Förderverein als Sicherungsseil entgegengewirkt. dr

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Am Mittwoch präsentierte sich im Rathaus der Förderverein Vogel der Nacht, der dem Federvieh und seinem Schöpfer perspektivisch eine solide finanzielle Absicherung bescheren soll. Auslöser für die Vereinsgründung war die Bereitschaft eines privaten Spenders, der laut Bürgermeister Rolf Richter in den nächsten Jahren jährlich bis zu 20 000 Euro zahlen will – „und somit jeden Euro vervierfacht, der über den Förderverein eingenommen wird“, erklärte der Rathauschef.

Zwei Bedingungen

Diese Großzügigkeit ist an zwei Bedingungen geknüpft. Der Mann will anonym bleiben und die Stadtgesellschaft muss sich ebenfalls engagieren. Diese Einsatzbereitschaft der Bensheimer soll im Förderverein zum Ausdruck gebracht werden. Was wiederum voraussetzt, dass die bekanntermaßen vielen Vogel-Fans dort Mitglied werden und das Festival unterstützen.

Der Mindestbeitrag im Jahr liegt bei 20 Euro. Die Summe wurde bewusst niedrig angesetzt, um vielen die Teilnahme zu ermöglichen. „Wer möchte, kann natürlich gerne mehr geben“, betonten Hegenbarth und Richter. Für 20 Euro könne man dann immerhin von sich behaupten, dass man ein „Vogelschützer“ sei. Um die „Bedingung“ des Sponsors zu erfüllen, braucht der Förderverein mindestens 250 Mitglieder. Durch deren Beiträge käme man auf 5000 Euro, die der Gönner auf besagte 20 000 Euro vervierfachen würde.

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„Wir wissen, dass wir ab sofort ganz schön trommeln müssen“, erklärte der vor zwei Wochen gewählte Vorstand am Mittwoch. Dieser setzt sich aus dem Vorsitzenden Dirk Bartels, den Stellvertretern Claudia Mayer und Hennig Ameis, Schriftführerin Doris Kellermann und Schatzmeisterin Katrin Morena zusammen.

Info-Stand in der Innenstadt

An den nächsten drei Samstagen wird man mit einem Info-Stand in der Fußgängerzone präsent sein – am 30. November und 7. Dezember am Bürgerwehrbrunnen, am 14. Dezember auf dem Marktplatz im Zuge der Geschenkeversteigerung. Eintrittsformulare sind dort ebenso erhältlich wie in den nächsten Tagen über die Homepage des Festivals: www.vodena.de.

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Der Bürgermeister blickte bei der Rettungsverkündigung im Rathaus auf die Ausgangslage zurück und verdeutlichte die Besonderheit der sechstägigen Veranstaltung mit ihrem einzigartigen Charme und Charakter – bei freiem Eintritt. Allerdings habe das Festival wie die meisten Open Airs mit dem Wetter zu kämpfen, und das hat Hegenbarth schon mehr als einmal die Bilanz verhagelt. „Das Risiko war für Harry zu groß“, bemerkte Richter.

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Das Aus für den Vogel war für den 40-jährigen Familienvater deshalb zum damaligen Zeitpunkt ohne Alternative. In Gesprächen mit dem Bürgermeister, der Kommunalpolitik und Verwaltung wurden die jeweiligen Standpunkte erörtert. Hegenbarth fehlen nach eigenen Angaben 25 000 Euro, um das Festival ausrichten zu können – wenn die bisherigen Sponsoren an Bord bleiben.

Richter erläuterte, dass es für die Stadt allein schwierig sei, den Fehlbetrag zu decken. Es gebe in Bensheim viele Kulturbetriebe mit unterschiedlicher Programmgestaltung. Da könne man sich schlecht einen herauspicken und als förderungsfähig benennen. Also habe man nach einer Lösung über bürgerschaftliches Engagement gesucht.

Der Bürgermeister brachte die Idee eines Fördervereins ins Spiel und fing an, Mitstreiter zu gewinnen. Er habe eine hohe Begeisterung verzeichnet. Dem Vorstand und den Mitgliedern der ersten Stunde sei er sehr dankbar.

„Schon heute Weihnachten“

Dankbarkeit prägte ohnehin den gesamten Termin. „Für mich ist heute schon Weihnachten. Damit habe ich nicht gerechnet. Das ist ein großer Moment für uns“, kommentierte Harry Hegenbarth die Ereignisse der vergangenen Wochen. Er sei unheimlich dankbar, besonders auch dem Sponsor. Seine Bereitschaft sei der Grundstein für alles gewesen. „Jetzt muss der Verein nur groß genug werden.“ Für ihn sei es ein tolles Gefühl, „wenn man weiß, dass man nicht alleine ist“.

Sein Extra-Dank ging an Rolf Richter, bei dem die Fäden zusammenliefen und der sich als Schirmherr sehr für die Zukunft des Festivals eingesetzt habe.

Diese Zukunft beginnt im nächsten Jahr wie gehabt in der letzten Woche der Sommerferien. Vom 11. bis 16. August (Dienstag bis Sonntag) wird auf der schrägen Wiese gefeiert – mit einem bunten Programm für alle Altersklassen. Eine gute Nachricht nicht nur für Hegenbarth und die Vogel-Fans, sondern auch für Bensheim. Der eigentlich schon feststehende Verlust des Festivals wäre ein schwerer Schlag für die Kulturszene gewesen.

Redaktion