Kommunalpolitik - Keine Mehrheit für Antrag von BfB und GLB / Vor der Sommerpause soll der Verein Fabian Salars Erbe in den Sozialausschuss eingeladen werden Gespräche über Zivilcourage-Denkmal

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Dirk Rosenberger
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Am Beauner Platz könnte ein Denkmal für Zivilcourage errichtet werden. © Neu

Bensheim. In Bensheim soll ein Denkmal für Zivilcourage errichtet werden – zumindest, wenn es nach den Fraktionen von BfB und Grünen geht. Standort könnte der Beauner Platz sein, der Verein Fabian Salars Erbe soll in die Planungen einbezogen werden. Denkbar wäre es, einen Baum mit einer Schrifttafel zu pflanzen.

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Der Verein fordert schon seit Jahren ein Denkmal am Beauner Platz – auch um an seinen Namensgeber und dessen Einsatz zu erinnern. Fabian Salar Saremi kam im Herbst 2008 ums Leben, nachdem er in einer Diskothek einer jungen Frau und deren Freund half, die von einer Gruppe Männer bedrängt wurden. Vor der Tür eskalierte der Konflikt, der damals 29-Jährige wurde niedergeschlagen und am Boden liegend von einem Taxi überrollt. Seine Familie gründete danach bekanntlich den Verein für Toleranz und Zivilcourage, der seitdem bundesweit Ausrufezeichen gesetzt hat und für seine Arbeit mehrfach ausgezeichnet wurde.

Im Haupt- und Finanzausschuss wurde der Vorstoß der beiden Fraktionen, der auf eine Initiative der BfB zurückgeht, diskutiert. Die SPD hatte dazu einen Änderungsantrag in die Sitzung und für das Stadtparlament eingebracht. Die Sozialdemokraten wollen zunächst vor der Sommerpause Vertreter des Vereins in eine Sitzung des Sozialausschusses einladen, damit diese ihre Arbeit und die Ziele vorstellen können. In diesem Zusammenhang soll dann auch die Möglichkeit eines Denkmals erörtert werden.

„Entscheidungen zu Denkmälern generell sollten sorgfältig getroffen werden. Dazu gehören persönliche Gespräche, es sollten alle Akteure eingebunden werden. Das darf jetzt nicht überstürzt stattfinden“, betonte Eva Middleton (SPD). Dem wollte sich Franz Apfel für die BfB nicht verschließen. Man könne das gerne so angehen, wichtig sei nur, dass es letztlich in Richtung Denkmal für Zivilcourage gehe.

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Maximilan Gärtner (CDU) äußerte grundsätzliche Bedenken, was das Aufstellen von Denkmälern betrifft. „Warum macht man es nur mit Fabian Salars Erbe? Zivilcourage gibt es nicht nur in diesem Verein, das haben wir in der ganzen Stadtbevölkerung.“ Es sollte nicht der einzige Ansprechpartner sein. Gegen eine Vorstellung im Sozialausschuss spreche nichts.

Doris Sterzelmaier (GLB) entgegnete, dass es nicht darum gehe, ein Denkmal für Fabian Salar oder den Verein aufzustellen. „Ein Denkmal für Zivilcourage im Gesamten ist wichtig, das brauchen wir in unserer Gesellschaft.“ Die Möglichkeiten prüfen und den Verein einzubinden, halten die Grünen für richtig. Man könne durchaus weitere Akteure einladen, niemand solle sich ausgeschlossen fühlen. An der grundsätzlichen Aussage, dass ein solches Denkmal errichtet wird und wo es hinkommt, wolle man jedoch festhalten.

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Als Kommunalpolitiker solle man sich klarmachen, was Zivilcourage insgesamt bedeutet, meinte Markus Woißyk. Fabian Salars Erbe sei sicherlich ein Teil des Ganzen, aber nicht das einzige. „Wenn man ernsthaft was machen möchte, sollte man es gründlich tun und nicht als Schnellschuss vor dem Wahlkampf.“ Zivilcourage sei ein hohes Gut und viel zu selten vertreten, deshalb sollte sich das neue Stadtparlament detailliert Gedanken machen. Man sollte sich die Zeit nehmen. „Es ist ähnlich wie ein Stolperstein. Wenn es mal implementiert ist, steht es ewig in der Stadt und das Für und Wider wird diskutiert werden“, bemerkte der CDU-Fraktionschef.

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Bürgermeisterin Christine Klein wies ebenfalls darauf hin, dass Zivilcourage ein sehr hohes Gut sei, das in vielen Bereichen nötig und notwendig ist. Mit einem Denkmal alleine sei es nicht getan, um eine Gesellschaft zu sensibilisieren. „Wenn man sich diesem Thema nähert, das sehr wichtig ist, dann sollte man im Sozialausschuss und darüber hinaus sprechen, was es für Bensheim bedeutet.“ Es brauche ein Gesamtkonzept, wie man die Menschen zu Zivilcourage bekomme – ohne sich selbst zu gefährden.

Franz Apfel begrüßte die Diskussion. Der Änderungsantrag der SPD öffne den Weg, mehr Informationen für alle zu bekommen. Das gehe in die richtige Richtung. Mit der Antragstellung habe man was bewegt. In der neuen Wahlperiode könne man vielleicht etwas Gutes leisten.

Am Ende einigte man sich bei zwei Enthaltungen (Grüne, FDP) darauf, den SPD-Vorschlag anzunehmen. Fortsetzung folgt demnach im Frühsommer im Sozialausschuss.

Redaktion