Kommunalwahl - Forderung nach Maßnahmen im Umfeld der Wormser Straße / Ortstermin am früheren EKZ-Gelände FWG befürchtet einen Verkehrskollaps

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Thomas Tritsch
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Die Freie Wähler Gemeinschaft (FWG) Bensheim hatte zu einem Ortstermin an der Wormser Straße eingeladen. Unter anderem durch die Entwicklung des früheren EKZ-Areals, auf dem rund 125 Wohneinheiten entstehen sollen, wird eine weitere Verschärfung der problematischen Verkehrssituation befürchtet. © Funck

Bensheim. Mehr Zurückhaltung bei der Stadtentwicklung: Eine Position, die bei der Freien Wähler Gemeinschaft (FWG) Bensheim schon seit der Gründung Anfang der 90er Jahre mitschwingt. Im Zuge der Schaffung weiterer Wohn- und Gewerbegebiete im Westen der Stadt befürchtet die FWG jetzt einen Verkehrskollaps, sofern vor Ort keine intelligenten Entlastungsmaßnahmen umgesetzt würden.

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Insbesondere der Bereich an der Wormser Straße sei von einem Infarkt bedroht, betont Alois Hillenbrand. Diese „Schlagader Richtung Stadtmitte“ ist bereits heute stark frequentiert, wie bei einem Ortstermin am späten Freitagnachmittag deutlich wurde. An der Einmündung Moselstraße kam es immer wieder zu Rückstaus, der Verkehr floss nur zäh in Richtung Osten.

Durch die Entwicklung des früheren EKZ-Areals, wo aktuell auf knapp 14 000 Quadratmetern rund 125 Wohneinheiten entstehen, werde die Situation weiter verschärft, so die FWG. Hinzu kämen laufende Projekte auf dem Areal der alten Brotfabrik, an der Zeppelinstraße und an der Riedwiese sowie die Erweiterung des Finanzamts und des Gewerbegebiets Stubenwald II mit der projektierten Sanner-Ansiedlung.

Eine neue Kita (Hollerbusch) und zwei provisorische Betreuungseinrichtungen an der Rhein- (Sankt Winfried) und an der Werner-von-Siemens-Straße würden den Verkehr in der Weststadt zusätzlich erhöhen, so Hillenbrand weiter. Allein das Bringen und Abholen der Kinder bedeute täglich zirka 500 Fahrten in dieses Quartier.

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Auch in direkter Nachbarschaft des Edeka-Einkaufscenters in der Fabrikstraße ist auf einem Grundstück von rund 20 800 Quadratmeter ein neuer Gewerbepark geplant. Einigen Kleingärtner sei ihr Pachtvertrag bereits aufgekündigt worden. Die grundsätzliche Entwicklung des Gebiets werde von der FWG ausdrücklich begrüßt, sagte Hillenbrand, der für die Wählergemeinschaft seit vielen Jahren im Ortsbeirat West sitzt. „Das ist besser als ein weiterer Flächenverbrauch im Außenbereich der Stadt.“ Zudem sei der Bereich fußläufig gut erreichbar. Allerdings müsse man auf die strikte Einhaltung der gültigen Stellplatzsatzung achten. Einen zusätzlichen Parkdruck gelte es zu vermeiden.

Keine alternative Route

Problematisch sei beim Blick auf das große Ganze, dass es für das komplette Stadtgebiet südlich der Wormser Straße keine alternative Streckenführung Richtung Stadtkern gäbe, so Alois Hillenbrand, der im Ortsbeirat seine vierte Legislaturperiode anpeilt. Einzige Ausweichmöglichkeit sei der Kurs über den Berliner Ring und die Schwanheimer Straße oder – noch abgelegener – über die Europa-Allee.

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Bensheim habe seine Wachstumsgrenze erreicht. „Allerdings wurde bei all den Entwicklungen verpasst, die Infrastruktur entsprechend anzupassen“, kritisiert die FWG, die vehement auf einen neuen, angepassten Verkehrsentwicklungsplan pocht. Um dem völligen Verkehrskollaps zu entgehen, brauche es zukunftsweisende Konzepte. Eine konkrete Handlungsempfehlung müsse daher Lösungen aufzeigen, die Bensheim nachhaltig voranbringen können.

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Die Freien Wähler sehen dabei Fußgänger, Radler und Autofahrer als gleichberechtigte Partner an. Auch ein Radschnellweg auf der West-Ost-Achse und die Maßnahmen zur Schulwegsicherung müssten dabei integriert werden, so Hillenbrand, der auf weitere Planungen verweist, die der lokalen Dynamik noch mehr Feuer geben: In Auerbach steht in den kommenden Jahren – nach der Unternehmensverlagerung – die Entwicklung des Sanner-Areals an der Schillerstraße ins Haus, und auch in Fehlheim entsteht ein weiteres Wohngebiet. Nicht zu vergessen der Wohnpark auf dem ehemaligen Euler-Gelände und das irgendwann vollendete Meerbach-Areal.

Als künftigen Brennpunkt dieses Prozesses sieht die FWG die Einmündung Mosel- und Wormser Straße. Die dortige Unterführung aus dem Jahr 1970 dürfe daher nicht wie vorgesehen zurückgebaut, sondern müsse ertüchtigt werden, um zusätzlich zur Ampelanlage zumindest für Fußgänger eine sichere Querung zu ermöglichen und so den Verkehrsfluss zu entlasten.

„Zuschütten ist keine Lösung“, betont Alois Hillenbrand. Weil der Einbau von Rampen im Bestand kaum realisierbar sei, schlägt die Wählergemeinschaft den Einbau eines Aufzugs vor, der von Berechtigten (etwa Gehbehinderten) mit einer Chipkarte genutzt werden könne. Die sei technisch machbar und erfordere keinen hohen Wartungsaufwand, so Stadtverordneter Rolf Tiemann.

Verkehrszählung gefordert

Zudem könne eine Verkehrszählung in diesem Bereich wichtige Daten für die weitere Vorgehensweise liefern. Vom Bensheimer Verkehrsdezernenten erwarten die Freien Wähler „mehr Kreativität“ und eine wohlwollende Prüfung potenzieller Spielräume. „Es wird immer nur gesagt, was alles nicht gehe.“ Auch im Ortsbeirat West kämen Anfragen gar nicht oder nur verspätet, so Hillenbrand.

Kritisch sieht die FWG auch die geplanten vier Kurzzeitparkplätze vor den künftigen Läden an der Wormser Straße: Eine Gefahrenquelle für Radfahrer durch querende Fahrzeuge. Ein Vorstoß, der bereits vor zwei Jahren in der Stadtverordnetenversammlung artikuliert wurde. Ob eine solche Änderung im Zuge der fortgeschrittenen Bebauungsplanung noch machbar erscheint, ist eher unwahrscheinlich. „Wir hoffen dennoch, dass eine andere Lösung gefunden wird“, so Tiemann, der auf dem künftigen Wohnkomplex genügend Platz für Fahrzeuge erkennt.

Von der Autobahn direkt auf den Berliner Ring: Die Freien Wähler sehen in einer offiziellen Abfahrt in Höhe des Rasthofs Bergstraße Ost weiterhin nur Vorteile. Bereits im Wahlkampf 2011 wurde eine solche Option als Entlastung des Rings im Stadtparlament diskutiert. Jetzt ergebe sich im Zuge der Planung zusätzlicher Lkw-Stellplätze eine neue Chance, dies umzusetzen.

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