Pfarrgruppe Fehlheim/Zwingenberg - Die Gemeinden haben aus der Corona-Not eine Tugend gemacht / Viele Gemeindemitglieder packen mit an Freiluft-Gottesdienste als Bereicherung

Von 
red
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Im Pfarrgarten in Fehlheim wurden in den Sommermonaten Freiluft-Gottesdienste mit viel Abstand gefeiert. © Gemeinde

Fehlheim. Kneipen und Restaurants geschlossen, ebenso die Läden von Einzelhändlern und die Salons von Friseuren. Ein unsichtbares Virus zwingt die zivilisierte Welt in die Knie. Lockdown aller Orten. Wirklich überall? Die Katholische Pfarrgruppe Fehlheim/Zwingenberg will nach eigenem Bekunden nicht klein beigeben.

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Statt über die Einschränkungen zu lamentieren und sich dem Schicksal hinzugeben, kreierten die Gemeinden probate Lösungen. „Die Hände tatenlos in den Schoß zu legen und zu kapitulieren, ist nicht unser Ding“, betonen Pfarrer Opitek und die Pfarrgemeinderäte unisono.

Schon als der erste Lockdown kam und Gottesdienste nicht mehr im gewohnten Rahmen stattfinden konnten, dachte man über passende Alternativen nach. In Fehlheim richtete sich der Fokus schnell auf den idyllischen Garten mit der nachempfundenen Lourdesgrotte direkt neben der Kirche, während die Zwingenberger den Kirchenvorplatz wählten.

Mehr Platz für die Gläubigen

Im Freien, so die Überlegungen der Pfarrgemeinderäte und des Pfarrers, könnte weitgehend unbedenklich die Messe gefeiert werden. Obendrein böte die Grünfläche mehr Platz für die Gläubigen.

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Natürlich waren die Open-Air-Messen mit einem deutlichen Mehraufwand in der Vor- und Nachbereitung verbunden. Stühle mussten gestellt, der Altar aufgebaut und die tragbare Orgel platziert werden. „Wir wollten ein deutliches Zeichen setzen und demonstrieren, dass man – wenn man den nötigen Willen hat – auch in schwierigen Zeiten Gottesdienst feiern kann. Man darf sich nur nicht vor der Arbeit scheuen“, fasst die PGR-Vorsitzende Cäcilia Ervens zusammen.

Die Kirchengremien haben das Glück, dass sich viele Mitglieder der Gemeinde immer wieder gerne bereitfinden, beim Auf- und Abbau mit anzupacken. Die Pandemie macht deutlich: Der Zusammenhalt ist groß unter den Christen der Pfarrgruppe. Schnell sprach sich herum, dass die Fehlheimer in besonderem Ambiente unter freiem Himmel schöne Gottesdienste feierten. Christen aus der Umgebung ließen es sich nicht nehmen, in den Bensheimer Stadtteil zu fahren. „Das Angebot stieß auf große Resonanz, zumal das Infektionsrisiko in Gottes freier Natur stark minimiert wurde“, bemerkten die Verantwortlichen.

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Belohnt wurden die Christen im Anschluss obendrein mit inspirierenden Evergreens, die Organist Andreas Willwohl nach dem Gottesdienst – quasi als Stimmungsaufheller – zum Besten gab. Gerade der Küster und Organist gehört zu den treibenden Kräften bezüglich der Gottesdienste im Freien. Dabei achten er und der Pfarrgemeinderat stets peinlich genau auf die Hygienevorschriften.

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Als die Tage kürzer wurden, sich der Einbruch der Dunkelheit früher ankündigte und die Wetterbedingungen unwirtlicher wurden, schien die Zeit der Freiluftgottesdienste vorbei. Von wegen! Im Nu hatte die Kirchengemeinde ein Zelt organisiert und mit der nötigen Beleuchtung ausgestattet. Die Besucher erhielten Sitzkissen und am Ende gar warme Decken. „Gerade in der Advents- und Vorweihnachtszeit waren die Gottesdienste im beleuchteten und geschmückten Zelt besonders anheimelnd“, lobten einige Teilnehmer.

Als in jüngster Zeit auch in unseren Gefilden Schnee vom Himmel fiel, mussten die Fehlheimer die Zelte dann doch abbauen, um einen Schaden durch Schneelast zu verhindern. Vorübergehend finden die Gottesdienste mit einer sehr überschaubaren Zahl an Christen in der Kirche statt. „Wir wollen möglichst bald wieder im Freien die Messe halten“, betont Pfarrer Opitek, der in dieser Form einen großen Vorteil sieht: „Wir tragen damit unseren Glauben in die Öffentlichkeit. So mancher Passant blieb stehen und verfolgte den Gottesdienst.“

Apropos Resonanz: Den ZDF-Fernsehgottesdienst nach den Weihnachtsfeiertagen aus der Fehlheimer Pfarrkirche (wir haben berichtet) verfolgten nahezu eine Million Zuschauer. Im Anschluss standen Helfer der Kirchengemeinde als Ansprechpartner an Telefonen bereit. Rund 4500 Personen wählten die vom ZDF genannte Nummer, 460 davon konnten ihre Meinung oder Wünsche, beispielsweise um Zusendung der Predigt oder einer Festschrift zum Kirchenjubiläum, äußern.

Zu denen, die zum Telefonhörer griffen, gehörte auch der Mainzer Bischof Kohlgraf. Marianne Grenda, Mitglied im Pfarrgemeinderat, hatte die Ehre, mit dem Bischof zu sprechen und seinen Dank und seine Anerkennung entgegennehmen zu dürfen.

Zahlreiche Anrufer lobten die schlichte Schönheit des Kirchenraumes und das offene, sympathische und zugewandte Auftreten von Pfarrer Opitek. „Dass eine kleine Kirchengemeinde wie wir ein solches Event stemmen konnten, war nur den vielen Helfern zu verdanken“, konstatieren die Mitglieder des Verwaltungs- und Pfarrgemeinderates. Die Live-Übertragung des ZDF war für die Kirchengemeinde St. Bartholomäus sozusagen ein nachträgliches Sahnehäubchen auf das 175. Kirchenjubiläum im Jahre 2019. red