Kommunalwahl - Der Spitzenkandidat der AfD will die Ausgaben reduzieren und setzt sich für Wohnbebauung im Innenbereich ein Finanzen spielen für Kahnt zentrale Rolle

Von 
Jeanette Spielmann
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Rolf Kahnt geht als Spitzenkandidat für die AfD Bensheim in die Kommunalwahl am 14. März und fordert unter anderem einen Abbau des städtischen Schuldenbergs sowie die weitere Ansiedlung von Wirtschaftsunternehmen. © Funck

Bensheim. Er ist ein „Reingeschmeckter“ mit sächsischen Wurzeln, aber in den fast 30 Jahren, die er in Auerbach wohnt, weiß er Bensheim und die Region, die er als „traumhaft schön“ bezeichnet, zu schätzen. Auch politisch ist Rolf Kahnt ein Spätberufener, der allerdings mit seiner Partei, die er vor sieben Jahren als AfD-Kreisverband Bergstraße mitbegründet hat, nicht mehr ganz so im Reinen ist.

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Als Student sei er eher ein Linker gewesen, doch das habe sich geändert und in der Folge habe er „bunt“ gewählt. Auf die AfD sei er im Zuge der Euro-Krise aufmerksam geworden. Als „leidenschaftlicher Europäer“ störte er sich an der EU-Bürokratie und auch der Euro sei für viele Länder eine zu starke Währung gewesen.

Den Schritt in die aktive Politik habe er dann im März 2013 als Gründungsmitglied der AfD Bergstraße gewagt, deren Kreisvorsitzender er auch bis 2019 war. Schnell machte er in der Partei Karriere, wurde AfD-Landesvorsitzender (2015 bis 2017), Mitglied des Bundeskonvents der AfD und seine Erfahrung als Pädagoge war im Bundesfachausschuss Bildung sowie im Landesfachausschuss für Bildung und Wissenschaft gefragt.

Seit 2018 im Hessischen Landtag

Sein politisches Engagement begann mit der Kommunalwahl 2016, als die AfD sowohl in den Kreistag als auch in die Stadtverordnetenversammlung Bensheim einzog. Dazu kam dann das Mandat im Hessischen Landtag, dem Kahnt seit der Landtagswahl 2018 angehört. Im Januar 2019 eröffnete er als Alterspräsident die konstituierende Sitzung des Landtags.

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Inzwischen liegt er mit seiner Landtagsfraktion über Kreuz und wurde Ende Oktober 2020 aus der AfD-Fraktion ausgeschlossen. Für ihn eine „willkürliche und nicht substanzielle“ Entscheidung. Nach Auffassung von Kahnt müsse es eine Partei aushalten, gegensätzliche Meinungen im innerparteilichen Diskurs zu äußern. Vor allem im bildungspolitischen Bereich sei für ihn die Position der Landtagsfraktion „nicht vernünftig“ gewesen.

„Das Ohr am Bürger haben“

Andererseits gebe es verschiedene Äußerungen innerhalb der AfD, die für ihn nicht vereinbar und teilweise „zum Fremdschämen“ seien. Im Zuge der parteiinternen Diskussion, wohin der Weg der AfD gehe, sei er bisher eher der Meinung gewesen, dass der rechte Flügel aus der Partei verschwinden sollte. Doch diese Haltung hat Risse bekommen. „Wenn die AfD vom Verfassungsschutz beobachtet wird, werde ich mir sehr überlegen, ob ich noch in der Partei bleibe.“

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Auf kommunaler Ebene geht es Kahnt darum, für das Gemeinwesen etwas zu tun, das Ohr am Bürger zu haben und Entscheidungen fernab jeglicher Parteiideologie zu treffen. In Bensheim gehe es vor allem um die Finanzen, denn hier sei in den vergangenen Jahren ein Schuldenberg von insgesamt 150 Millionen Euro inklusive der Beteiligungen angehäuft worden. Hier denkt Kahnt vor allem an bestimmte Prestigebauten, deren Kosten aus dem Ruder gelaufen seien und begrüßt, dass die Stadtgesellschaft das beim Haus am Markt erkannt und mehr Bürgerbeteiligung und Transparenz eingefordert habe.

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„Wir brauchen Arbeitsplätze“, hält Kahnt auch die Ansiedlung von Wirtschaftsunternehmen für wichtig. Positiv bewertet er die „vorbildliche“ Neubaumaßnahme der Firma Sanner im Gewerbegebiet Stubenwald, die zudem am alten Standort in Auerbach Platz für zusätzlichen Wohnraum schaffe. Denn auch der werde in Bensheim benötigt, befürwortet der Fraktionsvorsitzende vor der Realisierung einer Südstadt die Umsetzung einer Innenverdichtung. Bevor man in die Fläche gehe, gebe es hier durchaus Potenzial, wie beispielsweise der stillgelegte Bereich beim Heilig-Geist-Hospital. Für Rolf Kahnt habe Bensheim noch kein Einnahme-, sondern ein Ausgabeproblem.

Neues Team

Als Spitzenkandidat der AfD tritt Kahnt in Bensheim mit einem komplett neuen Team an, da seine beiden verbliebenen Mitstreiter in der Stadtverordnetenversammlung von einer erneuten Kandidatur abgesehen haben. Insgesamt zehn Bewerber umfasst der Wahlvorschlag, wobei einige keine Parteimitglieder sind.

Der fraktionslose Landespolitiker, der vor kurzem seinen 71. Geburtstag feierte, studierte Betriebswirtschaft und Pädagogik und war über mehrere Jahrzehnte an einer Gesamtschule, einem Gymnasium sowie in der Lehrerfortbildung in Hessen tätig. Er ist verheiratet, hat eine Tochter und wohnt seit 1992 in Auerbach.

Freie Autorin