Innenstadt - Verein will mit städtischer Unterstützung Räume im ehemaligen Bürohaus Werner anmieten / Haupt- und Finanzausschuss muss zustimmen Familienzentrum belebt einen Leerstand

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Dirk Rosenberger
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Das Familienzentrum will für die nächsten vier Jahre in die Räume des ehemaligen Bürohauses Werner in der Fußgängerzone ziehen. © Neu

Bensheim. Neue Perspektive für das Familienzentrum: Der Verein wird aller Voraussicht nach mit einem Teil seines breitgefächerten Angebots in das ehemalige Bürohaus Werner in der Hauptstraße ziehen – nur wenige Meter vom aktuellen Standort entfernt. Dort wird man zwar im Fachwerkhaus der Stiftung Heilig-Geist-Hospital weiterhin Platz benötigen. Aber die seit Jahren andauerende Raumnot hätte dann verteilt auf zwei Gebäude absehbar ein Ende.

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„Es ist eine Übergangslösung für die nächsten vier Jahre“, erklärten Bürgermeister Rolf Richter und Vorsitzende Birgit Siefert am Montag im Gespräch mit dieser Zeitung. Danach hofft man, Optionen für eine dauerhafte Lösung ziehen zu können. Man habe seit Anfang des Jahres verstärkt nach langfristigen Möglichkeiten gesucht. Aber die benötigten Zeit, brachte Richter unter anderem einen angedachten Neubau der Sparkasse in der Bahnhofstraße ins Spiel.

Eigentlich ins Haus am Markt

Eigentlich sollte das Familienzentrum ins neugebaute Haus am Markt ziehen. Wäre alles nach den ursprünglichen Planungen gelaufen, hätte man wohl Ende des Jahres Einweihung feiern können. Daraus wird aus den bekannten Gründen erstmal nichts. Und ob am oberen Marktplatz jemals Platz für eine Gastronomie und weitere Ansiedlungen ist, steht in den Sternen. Ein Wegzug des Vereins aus der Innenstadt oder aus Bensheim (siehe Spielerei Bergstraße) wäre aber sowohl für das Rathaus als auch die Kommunalpolitik ein harter Schlag gewesen.

Deshalb begab man sich auf die Suche nach einem Übergangsquartier – und wurde schließlich fündig. „Wir haben uns viele Immobilien angeschaut, aber die meisten wären für unsere Nutzung nicht passend gewesen“, meinte Birgit Siefert. Das ehemalige Traditionsgeschäft, seit Anfang 2019 einer der prominenteren Leerstände der Stadt, war der Favorit des Vereins, weil das Gesamtpaket am besten passt.

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Auf einer Fläche von 250 Quadratmetern soll die Qualifikation und Fortbildung der Tageseltern abgewickelt werden, Platz für ein großes Doppelbüro für die Mitarbeiterinnen der Qualifikation und der Zentrale der Familienbildung. Herzstück dürfte aber der großzügige Café-Bereich werden, den unter anderem die Krabbel- und Spielgruppen besuchen können oder der als offener Treff für Eltern und Tageseltern dient. Deutschkurse mit Kinderbetreuung könnten dort ebenfalls abgehalten werden.

120 Quadratmeter für das Café

„Uns würden dafür 120 Quadratmeter zur Verfügung stehen. Zum Vergleich: Jetzt haben wir 30 Quadratmeter dafür“, erläuterte die Vorsitzende. Von diesem Wachstum erhoffe man sich, noch mehr zum Mittelpunkt für Familien in der Innenstadt zu werden. Das alles hat seinen (Miet)-Preis. Aus eigenen Mitteln könne man das nicht finanzieren, so Siefert. Deshalb ist man auf einen Zuschuss der Stadt angewiesen, über den der Haupt- und Finanzausschuss am Montag beraten hat. Das Abstimmungsergebnis soll bis Donnerstag vorliegen. „Erst wenn wir die Zustimmung haben, können wir den Mietvertrag unterschreiben“, verdeutlichte Birgit Siefert.

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Die Jahresmiete beläuft sich laut Bürgermeister Rolf Richter auf 35 400 Euro. Das Familienzentrum zahlt rund 10 000 Euro, der Rest müsste von der Stadt kommen. Ab 2021 wären das bis zu 25 400 Euro. In diesem Jahr fiele die Unterstützung entsprechend niedriger aus, je nachdem, wann das Familienzentrum einziehen kann.

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Das wiederum ist davon abhängig, wie schnell die Umbauarbeiten abgeschlossen werden können. Das übernimmt der Vermieter, der die Räumlichkeiten den Erfordernissen des Familienzentrums anpasst. „Es wird ein neuer Boden verlegt, Abtrennungen und ein weiteres Fenster eingebaut werden“, fasste die Vereinsvorsitzende zusammen.

Sie geht davon aus, dass im Lauf des Sommers alles abgeschlossen ist. Grundsätzlich sei man froh, dass mit Hilfe der Stadt so zügig eine Lösung gefunden werden konnte – vor allem während der Corona-Krise. „Aber es muss auch mal gute Nachrichten in dieser Zeit geben“, bemerkte Siefert. Glücklich sei man auch darüber, dass man nun für die nächsten vier Jahre Ruhe habe und das Thema Raumnot nicht mehr allgegenwärtig ist.

Der Keller ist wieder trocken

Es bleibt aber dabei, dass das Familienzentrum 550 bis 600 Quadratmeter benötigt, um sinnvoll arbeiten zu können. Bis es eine langfristige Lösung gibt, verteilt man sich – wie in der jüngeren Vergangenheit auch – auf zwei Standorte. Am „Stammsitz“, dem Fachwerkhaus am Hospitalbrunnen, wird man weiterhin vertreten sein.

Wie die neue Aufteilung sein wird, muss sich zeigen. Man befinde sich in Gesprächen mit der Stiftung Heilig-Geist-Hospital. Der Wasserschaden im Keller, der im vergangenen Jahr die Situation zusätzlich verschärft hatte, sei mittlerweile behoben. Weitere notwendige Sanierungsarbeiten könne man nun ohne großen Zeitdruck angehen, wenn man ein paar Meter weiter ins ehemalige Bürohaus zieht. Das Ausweichquartier im Ärztehaus an der Rodensteinstraße wird dann nicht mehr gebraucht.

Bürgermeister Rolf Richter äußerte sich im Gespräch mit dieser Zeitung zufrieden. „Das Familienzentrum ist ein zentraler Baustein des sozialen Lebens in der Stadt, das auch nach der Corona-Pandemie von vielen Familien genutzt werden soll. Der Verein braucht für sein Angebot passende Räume.“ Es sei ein positives Zeichen für die Innenstadt. Der Umzug werde mit dazu beitragen, dass nach der Krise wieder mehr Leben ins Zentrum kommt.

Kommunalpolitisch ist nicht davon auszugehen, dass den Planungen ein Strich durch die Rechnung gemacht wird. Die CDU hatte bereits ihre Zustimmung angekündigt, die GLB schon in der Stadtverordnetenversammlung im Februar einen Antrag gestellt, dass der Magistrat sich um geeignete Räumlichkeiten kümmern solle.

Damals beschloss man, sich im Sozialausschuss mit dem Thema final zu befassen. Die Sitzung fand aber wegen der Corona-Pandemie nicht statt.

Redaktion