Amtsgericht - Verfahren wegen Messerstecherei am Bahnhof wurde vorerst eingestellt Ersttäter muss Geldbuße zahlen

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gs
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Bensheim. Ein Überwachungsvideo aus der Bahnhofsunterführung in Bensheim gab nur wenig Aufschluss über den Tathergang einer Messerstecherei, die sich am 12. Dezember 2018, kurz vor 18 Uhr, im vorderen Parkhausbereich zugetragen hat. Die Aufnahmen wurden am Amtsgericht als Beweismittel im Prozess gegen einen 32 Jahre alten Mann aus Einhausen eingeführt.

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Das Strafverfahren gegen den bislang nicht vorbestraften und geständigen Angeklagten, der sich wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten musste, wurde im Einverständnis aller Prozessbeteiligten gegen Auflagen vorläufig eingestellt. Das Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Gerhard Schäfer verhängte gegen den Ersttäter eine Geldbuße in Höhe von 1000 Euro, die dieser innerhalb von sechs Monaten zu begleichen hat.

Ersatzweise kann der Angeklagte, der einer Vollzeitbeschäftigung nachgeht, die Hälfte der Gesamtsumme in gemeinnützigen Arbeitsstunden ableisten. Außerdem muss er regelmäßige Drogentests vorlegen.

Bei Erfüllung sämtlicher Auflagen wird es keinen Eintrag ins Führungszeugnis geben. „Ich tue mir schwer“, bekannte Staatsanwältin Lea Bötsch zur Einstellung des Verfahrens, während Verteidiger Achim Flauaus seinen Mandanten „auf einem sehr guten Weg sieht.“ Tatsächlich ist der einstige Drogenkonsument nach einer stationären Langzeittherapie „vollständig clean. Ohne meine Familie wäre ich da nie raus gekommen“. Dem alten Freundeskreis hat er mittlerweile abgeschworen. Zur Tatzeit wurde bei dem Angeklagten ein Drogenmix aus Heroin, Cannabis, Amphetaminen plus Methadon und Alkohol festgestellt.

Opfer vielfach vorbestraft

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Gleich zu Prozessbeginn wies Richter Schäfer darauf hin, dass das Opfer, ein 38 Jahre alter, gerichtsbekannter und vielfach wegen Diebstahls vorbestrafter und unter laufender Bewährung stehender Rollstuhlfahrer aus dem Drogenumfeld am Bensheimer Bahnhof, mittlerweile verstorben ist. Die ihm zugefügten Messerstiche vor gut zwei Jahren spielten bei seinem Ableben keine Rolle. Ebenfalls verstorben ist ein weiterer Zeuge. Eine heute 28 Jahre alte Frau, die Auslöser der Messerstecherei aus Eifersucht gewesen sein soll, blieb der Hauptverhandlung unentschuldigt fern.

Nach dem gemeinsamen Besuch des Bensheimer Weihnachtsmarktes kam es in der Bahnhof-Tiefgarage zwischen den beiden Männern zunächst zu einer verbalen Auseinandersetzung mit anschließendem Gerangel und Einsatz von zwei Messern. Der Rollstuhlfahrer soll seinen Bekannten beschuldigt haben, ein intimes Verhältnis mit seiner Freundin zu haben. Als dieser die Affäre zugab, zog der Mann im Rollstuhl ein Messer mit einer Klinge von 7,5 Zentimetern und wollte „mir den Bauch aufzuschlitzen“, so der Angeklagte: „Er war sauer auf mich.“ Den plötzlichen Angriff habe er mit der Hand abwehren können und sich dabei verletzt.

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Um weiteren Attacken zuvorzukommen habe er dann sein Jagdmesser aus der Hosentasche gezogen und „jedes Mal, wenn er versucht hat mich festzuhalten“ auf Schulter und Flanken des Angreifers eingestochen: „Ich war wütend und habe nur noch Blut gesehen.“

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Der Angeklagte wurde nach dem Vorfall im Krankenhaus an der Hand operiert und aufgrund seines Alkohol- und Drogenkonsums vorläufig in Polizeigewahrsam genommen. Das Opfer wurde im Kreiskrankenhaus in Heppenheim stationär aufgenommen. In dem rechtsmedizinische Gutachten ist die Rede von vier Messerstichen in Rücken und Schulter sowie Hautverletzungen. Es habe keine akute Lebensgefahr bestanden, so der Rechtsmediziner. gs