Kinderbetreuung - Infektionsrisiko in den Kitas könnte so deutlich gesenkt werden Elternbeiräte fordern frühere Impfung von Kita-Personal

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red
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Erzieherinnen können in der Kita nur schwer Abstand halten. Sie sollten deshalb früher geimpft werden, finden Vertreter von Bensheimer Elternbeiräten. © dpa

Bensheim. Eltern sind aus den unterschiedlichsten Gründen auf eine funktionierende und verlässliche Kinderbetreuung angewiesen. Eine funktionierende Kita-Betreuung kann nur mit gesundem Personal gelingen. Eine baldige Impfung könnte so das Risiko in den Einrichtungen drastisch senken, meinen die Elternbeiräte von Bensheimer Kindertagesstätten.

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Claudia Fröhlich, Vorsitzende des Elternbeirats der Kita St. Winfried, formuliert das Unverständnis so: „Für uns ist nicht nachvollziehbar, warum Erzieherinnen laut Corona-Impfverordnung nach §4 Schutzimpfung mit erhöhter Priorität und damit nachrangig geimpft werden.“

Denn nach §3 Schutzimpfung mit hoher Priorität finden sich bisher in dieser Gruppe 2 Polizei- und Ordnungskräfte, die im Dienst, etwa bei Demonstrationen, einem hohen Infektionsrisiko ausgesetzt sind, aber auch Personen im öffentlichen Gesundheitsdienst und in relevanten Positionen der Krankenhausinfrastruktur. All diese Personen trügen im Dienst/bei Ausübung ihrer Tätigkeit eine Maske und versuchten, soweit es möglich ist, Abstand zu halten.

„Erzieherinnen und Erzieher sind die einzige, uns bekannte Berufsgruppe, die täglich ohne Maske und ohne Einhaltung von Mindestabstandregelungen arbeitet. Sie tun dies, um unsere Kinder bestmöglich und pädagogisch sinnvoll zu betreuen. Erzieherinnen sind systemrelevant und ihre Tätigkeit ist Grundlage für unsere funktionierende Gesellschaft und Wirtschaft“, hält Charlotte von Hauff, Vorsitzende des Elternbeirats der Kita Fuldastraße fest.

An Regierung gewandt

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Familienministerin Giffey sagt, dass eine Öffnung der Kitas und damit auch Perspektiven für Kinder und Familien für sie höchste Priorität hätten. Die Ministerin habe eine Ampel-Lösung vorgestellt, bei der eine Öffnung der Kita abhängig ist von der Zahl der infizierten Personen, der Zahl der Kinder in Quarantäne und der Zahl der Erzieherinnen in Quarantäne.

„Ist niemand infiziert und weniger als zehn Prozent der Kinder und des Personals in Quarantäne, steht die Ampel auf Grün“, wird sie zitiert, dann könne eine Kita den Regelbetrieb wieder aufnehmen.

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Wenn Familienministerin Giffey Kinder und insbesondere Personal in Kitas schützen und eine baldige Öffnung avisieren will, „gehen wir davon aus, dass die Bundesregierung sich aktiv und ernsthaft dafür einsetzt, dass Erzieherinnen laut Corona-Impfverordnung nach §3 Schutzimpfung mit hoher Priorität schnellstmöglich geimpft werden. Und nicht wie bisher nach §4 Schutzimpfung mit erhöhter Priorität“, heißt es in der Pressemitteilung der Elternbeiräte.

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Aus diesem Grund ist am Wochenende eine Initiative der Elternbeiräte der Kita Fuldastraße, der Kita Pavillon, der Kita St. Winfried, der Kita Kappesgärten, des Kinderhaus Effax, der Kita Stubenwald, Kita Gartenstraße und des Hemsbergkindergartens gestartet. Die Elternbeiräte haben sich an die Bundesregierung und Landesregierung gewandt mit der Forderung, das Kita-Personal der Impfgruppe 2 zuzuordnen. Ebenso wurden Bundestags- und Landtagsabgeordnete des Kreises angeschrieben und aufgefordert, sich für die Forderung der Eltern stark zu machen.

Sebastian Grimm, Vorsitzender des Elternbeirats der Kita Stubenwald, fasst zusammen: „Wir sind unglaublich dankbar für die Arbeit der Erzieherinnen mit unseren Kindern und bewundern, dass sie sich tagtäglich dem Risiko stellen.“

Ohne Abstand und ohne Maske

Man sei sich bewusst, dass mit der Forderung der Vorwurf verknüpft werden könne, dass es damit zu einem Ausspielen verschiedener Bevölkerungs- oder Berufsgruppen komme sowie dass viele Gruppen Gründe für eine Priorisierung anführen könnten.

„Das sehen wir nicht so und widersprechen“, heißt es dazu. Julia Ströhle, Vorsitzende des Elternbeirates der Kita Kappesgärten: „Erzieherinnen und Erzieher arbeiten ohne Abstand und ohne Maske mit den Kindern. Sie können nur sehr schwer Abstand halten, da die Arbeit in einer Kita immer mit Nähe verbunden ist. Ein Schutz ist (abgesehen von häufigeren Tests) nicht möglich, anders gestaltet sich dies bei allen anderen Berufs- oder auch Patientengruppen.“

Erzieher seien Grundbausteine einer verlässlichen Betreuung, ohne die für die meisten Arbeitnehmer, Selbstständigen und auch Familien kein Weg zurück in eine neue Normalität möglich sei. Und als letzter Punkt sei auf die psychische Gesundheit der Kinder verwiesen, die dringend eine Öffnung von Kitas bräuchten – aber eben mit gesundem Personal, heißt es abschließend in der Pressemitteilung. red