Musiktheater Rex - Carl Carlton & the Songdogs auf Reunion-Tour / Tief im Rock, Blues und R’n’B verwurzelt Ein Ostfriese in den Südstaaten

Von 
Thomas Wilken
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Carl Carlton & the Songdogs waren am Donnerstagabend zu Gast im Musiktheater Rex. © Funck

Bensheim. Carl Carlton & the Songdogs. Klingt irgendwie nach gediegenem Südstaatenrock mit Slide-Gitarre und gefälligen Rhythmen. Ist es auch, nur dass dahinter der Ostfriese Karl Buskohl mit seiner klasse Band aus „Liederhunden“ steht, die er nach zehn Jahren Pause wieder reformiert hat. Der bei vielen namhaften Musikern begehrte Gitarrist Carlton zeigt beim Gastspiel im leider nicht voll besetzten „Rex“, dass er auch mit eigener Truppe einen mehr als zweistündigen Rockabend allererster Sahne bestreiten kann.

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Der 64-Jährige mit dem Mike-Krüger-Aussehen ist ein Mann der zweiten Reihe, der schon für eine ganze Latte an bekannten Kollegen arbeitete. Joe Cocker, Jimmy Barnes, Eric Burdon, Mother’s Finest, Manfred Mann, aber auch Peter Maffay und Udo Lindenberg unterstützte er oftmals an der Gitarre oder als Produzent.

Mit Wyzard am Bass, Pascal Kravetz (Keyboards, Vocals), Moses Mo (Gitarre, Vocals) und Bertram Engel (Drums, Vocals) hat er jetzt für die Reunion-Tour die bewährte Begleitband zusammengetrommelt, mit der er vor 20 Jahren seine Solo-Karriere startete.

„Revolution Avenue“ zimmerten Carlton und seine Mannen damals in den Sümpfen Louisianas zusammen – und genauso hat der Ostfriese in den Swamps der Südstaaten auch seine Revival-Auftritte benannt. Seine Songs sind tief im Rock, Blues und R’n’B verwurzelt – außer wenn Karl Buskohl seine Ansagen macht, da kommt dann ein wenig Otto-Feeling auf. Doch die Band ist musikalisch sehr viel breiter aufgestellt, bringt auch Reggae- und Funk-Einflüsse mit rein.

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Die Fans danken es den Fünfen mit frenetischem Applaus. Die meisten scheinen sowieso der Band in diesen zwei Jahrzehnten die Treue gehalten zu haben und sind seit Anfang an dabei, kennen die damals produzierten vier Alben in- und auswendig. Carlton und seine Mitmusiker präsentieren sich in bester Spiellaune. Die zehn Jahre Pause merkt man höchstens in kleinen Details, wenn hier und dort mal ein Mini-Aussetzer im Zusammenspiel hörbar ist.

Fetter Rock, getragene Balladen, Jamaica-Feeling und viel Groove überlagern auch, dass der 64-Jährige manchmal die höchsten Höhen nicht mehr ganz so schafft wie in Jugendjahren. Das zählt sowieso nicht beim Schwelgen in Erinnerungen an die besten Zeiten. Tom Pettys „Refugee“ wird von Bertram Engel geschmettert, der dem Rocker den richtigen Schmiss verleiht.

Typischer Rocksound

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Carl Carlton hat sich seit eh und je sozialkritisch mit der Welt auseinandergesetzt. „Toast to Freedom“ erschient etwa zum 50. Geburtstag von Amnesty International. „He gave the Name“ beschäftigt sich mit Nelson Mandelas ANC und kommt trotz der ernsten Thematik als flottes Stück rüber. Wie auch der Gute-Laune-Song „Flowers on the Wall“, bei dem der Bandleader wie so oft mit Bottleneck und Slideguitar arbeitet.

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Carlton ist in der heutigen Zeit auch noch einer der wenigen, die ein Wah-Wah-Pedal nutzen und so den typischen Rocksound früherer Jahre erzeugen. Das ist einfach nur richtig schön retro – wie seine Musik auch. Das ist alles handgemacht, ohne künstliche Computer-Zusätze. Da stehen fünf Leute auf der Bühne, die enorm Spaß an der Sache haben, rumalbern und gut harmonieren. Beweisen müssen sie sich sowieso nichts mehr.

Mit der Power-Ballade „Moonlight in New York“ wird’s für Carlton ganz persönlich, „Love, Understanding and Respect“ glänzt mit seinem Reggae-Rhythmus und „Keep on Swinging“ ist ein Up-Tempo-Stampfer, der kräftig in die Beine geht. Man merkt dem Bandleader die vielen Einflüsse in seiner Karriere an. Bob Dylan, Bruce Springsteen oder Tom Petty: Carlton erscheint manchmal wie eine Melange der großen Singer-Songwriter.

„Coming Home“ ist für den musikalischen Weltenbummler nicht nur ein Schlagwort, sondern auch eine Liebeserklärung an die Fans zuhause. Urwüchsiger, rauer, originärer Rock, gepaart mit schwebenden Gitarrentönen, versetzt die Fans in Entzücken. Die Band steigert sich bis zum großen Finale förmlich rein. Der beste Zeitpunkt fürs Ende eines beeindruckenden Konzerts – doch die Zuschauer wollen mehr. Bekommen sie natürlich auch.

Freie Autorenschaft Freier Journalist für Tageszeitung im südlichen Kreis Bergstraße und Odenwaldkreis