Der älteste Landschaftspark

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Wer den Rundwanderweg Nr. 7 vom Parkplatz am Schönberger Sportplatz aus nimmt, der umschreitet unterwegs nördlich des Schönberger Schlosses einen der großen, historischen Parks, die Bensheim zu bieten hat.

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Der Schönberger Schlosspark ist der erste in der Reihe prägender Landschaftsparks in Bensheim. Er ist deutlich älter als das Auerbacher Fürstenlager oder der erst im 19. Jahrhundert angelegte, inzwischen fast vergessene Baßmannpark. Schon zu Anfang des 17. Jahrhunderts wird in Zusammenhang mit dem Schloss von einem Lustgarten mit „Häuslein, Schwibbogen und Gängen im Geviert“ gesprochen.

Im Staatsarchiv Darmstadt sind Pläne für die Anlage eines Rasenparterres erhalten, die auf das Jahr 1700 datiert sind. Eine solche barocke Anlage direkt hinter dem Haupteingang war im Prinzip noch Anfang unseres Jahrhunderts vorhanden.

Im 18. Jahrhundert war dem Park ein Englischer Landschaftsgarten angeschlossen worden, eine Entwicklung die auch in Zusammenhang mit dem nahe gelegenen, seit den 1770er Jahren ausgebauten Fürstenlager in Auerbach gesehen werden muss. Es gab wie dort auch eine Eremitage, zwar kleiner als die noch heute im Fürstenlager erhaltene, aber in sehr ähnlichem Stil – davon künden aber nur noch alte Bilder, denn seit dem Zweiten Weltkrieg ist das Gebäude verschwunden. Ebenfalls an das Fürstenlager lässt ein Denkmal in Form einer kannelierten Säule mit Urnenaufsatz denken, das am Rande eines kleinen Teiches stand, mit der Inschrift „Den besten Eltern 1794“. Die bislang letzten umfassenden Gestaltungsmaßnahmen nahm Graf Ludewig in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts vor.

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Er war es auch, der – ein Projekt seines verstorbenen Bruders fortführend – die erste evangelische Kirche auf dem Berg gegenüber dem Schloss erbauen ließ. Noch heute vorhanden sind im Park einige exotische Bäume und die Victoria-Linde, die für die englische Königin gepflanzt und von ihr selbst angegossen wurde. Königin Victoria war die Schwiegermutter eines Bruders der Fürstin Marie von Erbach-Schönberg (die geborene Prinzessin von Battenberg hatte 1871 den Grafen Gustav Ernst zu Erbach-Schönberg geheiratet) und zugleich Großmutter des späteren Hessischen Großherzogs Ernst-Ludwig. Deshalb war sie öfter in Darmstadt und hielt sich – wie die ebenfalls zur Verwandtschaft zählenden Mitglieder der Zarenfamilie – auch mehrfach auf Schloss Schönberg auf.

Die Beziehungen nach England hinterließen noch weitere Spuren. So findet sich auf dem im Nordteil des Parks gelegenen Hundefriedhof neben vielen weiteren ein Grabstein aus dem Jahr 1901 mit der Aufschrift „Dear Meikel“. Und nach einer in Schönberg kolportierten Geschichte zerschlug einst ein englischer Prinz versehentlich eine Glaskugel im Park bei einer Demonstration des Hockey-Spiels.

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Viele Passanten wissen nichts von der historischen Bedeutung des Parks. Andere können sich noch der Zeiten erinnern, als der Schlosspark für jedermann zugänglich war. Erst seit die Immobilie 2011 – lange vergeblich – zum Verkauf angeboten wurde, konnte der Park nicht mehr betreten werden. Inzwischen ist das Schloss in privatem Besitz, derzeit sind Baumaßnahmen rund ums Schloss und im Park im Gange. Bis in die 1990er Jahre hatte es hin und wieder Kulturveranstaltungen auf der großen Wiese zwischen den Lindenalleen im nördlichen Bereich des Parks gegeben.

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Auch, als das Schloss noch in Besitz der Fürsten von Erbach-Schönberg war, stand das Anwesen der Öffentlichkeit zur Verfügung. In dem von Manfred Schaarschmidt und Lupold von Lehsten 2003 verfassten Buch „700 Jahre Schönberg – Residenz und Dorf im Odenwald“ heißt es, dass der Park das gesamte 20. Jahrhundert über öffentlich zugänglich gewesen sei. Nur wenn die fürstliche Familie sich im Teehaus an der Westseite des Parks aufhielt, sei der Weg dorthin für die Bevölkerung gesperrt gewesen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg betrieb die Fürstenfamilie eine Pension mit Gesellschaftsräumen, Terrassen-Café im Schloss samt einer Liegewiese im Schlosspark. 1956 verkaufte die Familie Erbach-Schönberg das Schloss an die Ruhrknappschaft, die es zu einem Vorsorgeheim umbaute, das im Oktober 1957 unter Anwesenheit von Bundespräsident Theodor Heuss eröffnet wurde.