Programmvorschau - Vom 31. August bis 8. September wird in der Innenstadt gefeiert / Verkehrsverein sieht sich gut gerüstet Das Winzerfest als willkommene Auszeit

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Dirk Rosenberger
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Seit vergangener Woche läuft der Aufbau des Winzerdorfs auf dem Marktplatz. Am Samstag wird auf der Bühne die Eröffnung gefeiert. © Funck

Bensheim. Selten war die Stimmung in Bensheim derart aufgeladen. Die Debatten der vergangenen Monaten haben ihre Spuren hinterlassen – nicht nur beim Bürgermeister, sondern quer durch die Stadtgesellschaft. Wie gut, dass demnächst eine neuntägige Auszeit ansteht, in der es mal nicht primär um die Lücke am Marktplatz, die Zukunft der Straßenbeiträge oder das Bürgerhaus-Fiasko geht.

Eröffnung am 31. August – früher geht es nicht

Das Bergsträßer Winzerfest wird jedes Jahr von mehr als 100 000 Menschen besucht. Gegründet 1929, ist es das bedeutendste und traditionsreichste Wein- und Volksfest in Südhessen.

Auf der Festmeile zwischen Marktplatz und Storchennest stehen vom 30. August bis 8. September 40 Wein- und Imbissstände. Auf dem Rummelplatz zwischen Rinnentor und Beauner Platz werden 35 Fahrgeschäfte und Verkaufsstände aufgebaut.

Die Kosten für den ausrichtenden Verkehrsverein belaufen sich auf 189 000 Euro. Allein für Aufbau und Betrieb des Winzerdorfes werden 75 000 Euro veranschlagt. Für den Festzug rechnet man mit Ausgaben in Höhe von 11 500 Euro. Weitere Betriebskosten summieren sich auf 40 500 Euro.

Der Verkehrsverein bedankte sich beim Pressegespräch am Donnerstag bei allen, die zum Gelingen des Winzerfestes beitragen, denn ohne ein hohes ehrenamtliches Engagement wäre das Winzerfest nicht zu stemmen.

Für das musikalische Programm zeichnet wie immer Vorstandsmitglied Ralf Würsching, selbst Musiker, verantwortlich. Auf den Bühnen im Winzerdorf, am Bürgerwehr- und Hospitalbrunnen sowie am Storchennest spielen alte Bekannte ebenso wie neue Gesichter. Zum erstem Mal dabei sind The Candies.

In diesem Jahr wird das kalendarisch frühstmögliche Winzerfest gefeiert. Maßgeblich ist immer der erste Sonntag im September. Im nächsten müssen sich Fans und Weinfreunde etwas länger gedulden. Eröffnung ist dann erst am Samstag, 5. September.

Der Dank der Organisatoren ging wie jedes Jahr an die Anlieger, die während der neun Tage einiges an Belastungen zu ertragen haben. Gleichzeitig ergeht der Appell an die Gäste, sich respektvoll und rücksichtsvoll zu benehmen – Stichwort Lautstärke zu später Stunde und Wildpinkelei. dr

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Ob das Winzerfest in seiner 82. Auflage das Potenzial zum Friedensstifter hat, bleibt abzuwarten. Unstrittig ist aber, dass von Samstag (31.) bis Sonntag, 8. September, der Wein in all seinen Facetten und das Feiern mit Freunden im Mittelpunkt stehen. Die Großbaustellen in der Innenstadt bremsen das Fest der Feste dabei nicht aus, sie erfordern jedoch – vor allem am Marktplatz –einen höheren logistischen Aufwand.

Container gekauft

Der ausrichtende Verkehrsverein um Organisator Thomas Herborn, der zum zweiten Mal hintereinander kommissarisch in die Bresche springt, sieht sich und Bensheim jedenfalls bestens gerüstet für den jährlichen Ausnahmezustand. „Es ist eine Besonderheit, die möglicherweise etwas länger anhält“, sagte Bürgermeister Rolf Richter bei einem Pressegespräch im Rathaus mit Blick auf die Container, die als Ersatz für die bisher genutzten Räume im abgerissenen Haus am Markt dienten. Dafür biete sich den Besuchern nun eine von den meisten kaum gekannte Perspektive auf die Stadtkirche, „die dem Winzerdorf ein neues Flair“ verleihe.

Thomas Herborn sprach pragmatisch von einem „größeren logistischen Akt“, durch die WC-Container sei man an dieser Stelle aber besser aufgestellt als früher, weil sich die Anzahl an Toiletten erhöht hat. Während die stillen Örtchen angemietet sind, hat der Verkehrsverein die beiden kleineren Container, in denen die Festleitung und die Brandwache untergebracht werden, gekauft. Sie stehen außerhalb des Winzerfestes auch den Hilfsorganisationen zur Verfügung. Wert legte die stellvertretende Vorsitzende des Verkehrsvereins auch darauf, dass die Baustelle ordnungsgemäß abgesichert wird, um Unfälle zu vermeiden.

Drei Ex-Königinnen im Brunnen

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Ansonsten baut man beim Programm auf das bewährte Konzept, an dem wie immer bei Bedarf entsprechend im Detail gefeilt werden kann. Eine Neuerung betrifft den Weinstand im Hospitalbrunnen. Weil der 1. BSF in diesem Jahr nicht mehr mitmischt, wurde der Standplatz an drei Heppenheimer Weingüter vergeben: Koob, Amthor und Freiberger. „Drei Königinnen in einem Brunnen, das hatten wir bisher so auch nicht“, spielte Herborn auf die hoheitliche Vergangenheit von Charlotte Freiberger, Christina Koob und Barbara Amthor an.

Startschuss: Eröffnung wird mangels Bürgerhaus wieder komplett im Winzerdorf gefeiert. Am Samstag (31.) um 18 Uhr geht es los, die geladenen Gäste bekommen von der Biedermeiergruppe von Oald Bensem Wein serviert. „Im vergangenen Jahr sind wir ein bisschen überrannt worden, dieses Mal werden wir es besser hinbekommen“, versprach Herborn. Die musikalische Umrahmung der Ouvertüre übernimmt ab 17.45 Uhr der KKMV Fehlheim, von der Obergasse kommend ziehen dann die Protagonisten ein – einschließlich der scheidenden Weinkönigin Carolin Hillenbrand und ihrer Nachfolgerin Jana Petermann, die nach der Eröffnung gekrönt wird. Optische und akustische Ausrufezeichen setzt traditionell die Heimatvereinigung Oald Bensem mit Biedermeiergruppe, Spielmannszug und Bürgerwehr.

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Festzug: Am Sonntag (1.) ziehen Fußgruppen, Motivwagen, Reitergruppen, Hoheiten und Musikkapellen durch die Straßen der Stadt. Los geht es um 14 Uhr, an der Streckenführung (Start Darmstädter Straße, Ende Rodensteinstraße hinter der Neckarstraße) hat sich nichts geändert. Aktuell sind 104 Zugnummern gemeldet, Organisator Matthias Wehmeyer rechnet noch mit Nachzüglern. Das Motto in diesem Jahr lautet „Ob rot, ob weiß oder rosé, beim Winzerfest wird’s wieder schee“. Wie immer werden die drei schönsten Festwagen und Fußgruppen von einer Jury unter der Leitung von Matthias Schaider prämiert.

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Die Wochen-Klassiker: Der Tag der Betriebe (2.) ist ein süffiger Selbstläufer. Mittwochs (4.) unterhält die BKG von 14.30 bis 17 Uhr beim Tag der Generationen im Winzerdorf und auch das Kinderprogramm am Donnerstag (5.) von 14 bis 17 Uhr füllt den Marktplatz. Nicht zu vergessen der Ägidimarkt am Dienstag, 3. September von 8.30 bis 18.30 Uhr in der Fußgängerzone.

Tag der Jugend: Vor der Stadtmühle werden am Freitag, 6. September, drei junge Bands von 20 Uhr bis Mitternacht spielen, organisiert vom Stadtmühlen-Team unter der Leitung von Thorsten Zanger. Erstmals wird die Bühne danach nicht abgebaut, sondern auch am Samstag genutzt. Für Stimmung sorgt dann von 20 bis 23 Uhr die Bergsträßer All Star Rumble Band.

Feuerwerk: Nach einer dürrebedingten Pause im vergangenen Jahr wird am Samstag, 7. September, wieder vom Kirchberg aus die Nacht erhellt. „Das Wetter passt“, bestätigte Herborn. Nach wie vor wird das Erbe von Ernst Soldan verpulvert (wir werden zum Feuerwerk noch einmal separat berichten).

Verkaufsoffener Sonntag: Zum Finale haben am 8. September von 13 bis 18 Uhr die Geschäfte geöffnet. „Da ist immer die Bude voll“, so der Cheforganisator. Um 22 Uhr wird dann im Winzerdorf die Fahne eingeholt, die Fraa vun Bensem Doris Walter zieht in Reimform Bilanz.

Sicherheit: Die maßgeblichen Kräfte arbeiten Jahr für Jahr Hand in Hand, um an der einen oder anderen Stellschraube zu drehen. Erneut aufgebaut werden die Lkw-Sperren an den Zugängen, auch die Einlasskontrollen an besonders belebten Tagen gehören mittlerweile zum Standard. Personell will man ebenfalls nichts zum Zufall überlassen. An den „besonders heißen Tagen“ (Herborn) sind neben Polizei und Ordnungsamt 30 private Securitykräfte auf der Festmeile im Einsatz.

„Wir freuen uns auf ein friedliches Fest, um mit Freude und Genuss den Wein zu feiern“, gab Rolf Richter die Marschrichtung aus. Eine Aussage, die quer durch die Stadtgesellschaft konsensfähig sein sollte.

Redaktion