Corona-Krise - Schlossparks und Gärten wie das Fürstenlager melden sinkende Besucherzahlen / Betreiber des Auerbacher Schlosses mussten reagieren Das Tor zur Burgruine ist verschlossen

Von 
Thomas Tritsch
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Das Auerbacher Schloss kann während der Corona-Pandemie nicht besichtigt werden. Die Betreiberfamilie Pietralla hat die Burgtore geschlossen. © Neu

Bensheim. Zur Eindämmung der Verbreitung des Coronavirus hat die Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten in Hessen ihre Museen und anderen Gebäude bis vorerst 19. April geschlossen. Die Gärten und Parks sind von der Maßnahme nicht betroffen. Allerdings melden die Betreiber vor Ort trotz des milden und sonnigen Wetters deutlich sinkende Besucherzahlen.

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Der saisonal typische Ansturm auf die Anlagen der hessischen Schlösserverwaltung sei bislang ausgeblieben, heißt es aus Bad Homburg. Die Besucherzahlen lägen bisweilen weit unter dem Durchschnitt, teilen die Leiter der Außenstellen und Gartenmeister mit. Offenbar befolgen viele Menschen die Bitte der Behörden, möglichst zu Hause zu bleiben.

Alle auf Abstand

Wer am vergangenen Wochenende die Gärten und Parks aufsuchte, hätte sich weitestgehend an die angeordneten Vorsichtsmaßnahmen zur Eindämmung der Verbreitung von SARS-CoV-2 gehalten. Stefan Jagenteufl ist neben dem Auerbacher Fürstenlager auch für den Prinz-Georg-Garten in Darmstadt zuständig. Der Gartenmeister berichtet, dass die Zahl der Gäste im Staatspark schon am Sonntag stark rückläufig gewesen sei: „Wir haben hier bei gutem Wetter in der Regel 5000 bis 8000 Besucher. Gestern waren es nur ein paar Hundert.“

Im Fürstenlager zeige sich deutlich das veränderte gesellschaftlich-soziale Verhalten der Menschen: Viele spazierten in Kleingruppen zu zweit oder in der Familie, hielten deutlichen Abstand zu anderen Gästen und mieden Kontakte auf Parkbänken oder anderen Ruhezonen. „Das war genauso, wie ich es mir wünsche“, so Jagenteufl zum BA.

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Das weitläufige Areal sei ideal, um die Besucher räumlich zu verteilen. In Darmstadt gestalte sich das etwas schwieriger, so der Verwalter: „Dort ist es enger. Wir haben deshalb die Bänke noch nicht rausgestellt.“

Auf geführte Rundgänge oder die Besichtigung von Gebäuden im Fürstenlager müssen Gäste vorerst verzichten. Stefan Jagenteufl hat sämtliche Veranstaltungen und Termine bis zunächst 30. April abgesagt. Ab April finden in Auerbach regelmäßig thematische Parkführungen statt, die das Augenmerk unter anderem auf Wein, Botanik oder Kräuter sowie historische oder kulturelle Schwerpunkte richten. „Wir werden abwarten, wie es weitergeht“, so Jagenteufl über die weiteren Termine des Jahres.

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Auch in den weiteren Anlagen der Schlösserverwaltung in Bad Homburg, Hanau-Wilhelmsbad oder Weilburg hatten sich die Besucherfrequenzen spürbar reduziert. Eine Ausnahme bildete nur der Osteinsche Niederwald in Rüdesheim, der nach Angaben des Revierleiters Steffen Domschke sehr gut besucht gewesen sei. Doch auch dort ging der Andrang zum Wochenbeginn deutlich zurück.

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Die Mitarbeiter der VSG bestätigen durchweg, dass die Menschen auf ein vorsichtiges und distanziertes Miteinander achten. Uwe Krienke, Chef der Ehemaligen Benediktinerabtei in Seligenstadt, sprach von einem „sehr disziplinierten“ Verhalten. Gartenmeisterin Katharina Brunsing aus Weilburg bestätigt das. Im Großen und Ganzen hielten sich die Spaziergänger an die geltenden Vorgaben zur Obergrenze der Personenanzahl und zu den Mindestabständen zueinander, so auch sagte Martin Weckler, der Leiter des Staatsparks Hanau-Wilhelmsbad.

Deutlich wurde aber auch, wie sehr die Gäste trotz Kontaktverbot die Möglichkeit schätzen, weiterhin die Anlagen der Schlösserverwaltung besuchen zu können, sagt Schlösserdirektorin Kirsten Worms. Die Situation sei überwiegend entspannt und die Anordnungen würden greifen. „Die Menschen sollen frische Luft schnappen und sich an unseren Anlagen erfreuen dürfen.“ Das sieht Stefan Jagenteufl genauso: „Die Gärten sind ideal, um frische Luft zu schnappen und den Frühling zu genießen. Gerade in diesen Wochen.“

Von ihrem ursprünglichen Vorhaben, die Burgschänke und Ruine wenigstens zeitweise offenzulassen, haben sich die Betreiber des Auerbacher Schlosses schon vor Wochen verabschiedet. Nach der Schließung des Restaurants am 9. März zeigte sich dann am vorletzten Wochenende (14./15.), dass sich die Bevölkerung trotz Corona nicht von ihrem Sonntagsausflug abhalten ließ. „Wir hatten teilweise bis zu 70 Menschen im Burghof“, berichtet Julia Pietralla. „Das ist in diesen Zeiten absolut kontraproduktiv.“

Um dem vorzubeugen, wurde auch die Burgruine am 16. März – noch vor Greifen des verbindlichen Maßnahmenpakets – abgeschlossen. Momentan sind sämtliche Veranstaltungen bis einschließlich 29. April abgesagt. Auf dem Auerbacher Schloss herrscht seitdem Ruhe, die Mitarbeiter wurden in Kurzarbeit geschickt.

Ob die Walpurgisnacht am 30. April stattfinden wird, ist derzeit mehr als fraglich. Julia Pietralla: „Wir müssen abwarten, wie sich die Lage in den nächsten Wochen entwickeln wird.“

Freier Autor