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 Bilanz - Harry Hegenbarth begründet das Aus für das Festival Vogel der Nacht / Kluft zwischen Sponsoring und Kosten zu groß „Das ist fast schon ein Glücksspiel“

Von 
Dirk Rosenberger
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Bensheim. Es hat sich ausgeflattert: Die 15. Ausgabe des beliebten Stadtparkfestivals Vogel der Nacht in Bensheim wird die letzte gewesen sein – oder gibt es noch einen kleinen Hoffnungsschimmer? „Bisher nicht“, sagt Initiator Harry Hegenbarth im Gespräch am Montagmorgen und bekräftig, was er am Abend zuvor in einer emotionalen Rede bereits verkündet hatte.

Harry Hegenbarth bedauert das Aus des beliebten Stadtpark-Festival Vogel der Nacht – sieht aber aufgrund der finanziellen Risiken keine Alternative. © Malte Kirsch
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„Die Kluft zwischen städtischer Unterstützung und den Sponsorengeldern auf der einen sowie den steigenden Ausgaben auf der anderen Seite ist zu groß. Das Risiko ist immens hoch, das ist fast schon ein Glücksspiel.“ Es brauche nur einen Tag Regen und schon gehe es nach hinten los. Das Unwetter mit Räumung des Stadtparks am Dienstag verhagelte schon zum Auftakt die Bilanz und machte dem 40-Jährigen einen gewaltigen Strich durch die Rechnung.

Ursprünglicher Plan vereitelt

Der ursprüngliche Plan sah vor, die 100 000-Euro-Spendenmarke für das Hospiz am Mittwoch oder Donnerstag zu knacken – und danach für den Erhalt des Festivals zu sammeln. Mit dem Hospiz sei alles abgesprochen gewesen, so Hegenbarth. Doch dann kam der Regen. In den sechsstelligen Bereich ging es deshalb erst am Sonntag.

An den widrigen Bedingungen nur in diesem Jahr scheiterte der Nachtvogel jedoch nicht. „Ich hätte es schon vor Jahren beenden müssen. Aber dann hatten wir zwischendurch Glück mit dem Wetter und mein Herz hängt auch sehr daran. Aber ich muss mit Blick auf meine Familie und Firma vernünftig sein“, betont Harry Hegenbarth.

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Allein in den vergangenen beiden Jahren seien 14 000 Euro an Sponsorengeldern weggebrochen, viele kleine Geldgeber sind abgesprungen. Im Gegenzug hätten sich die Kosten – wie berichtet – immer weiter erhöht. Nachdem 2017 das Federvieh im Dauerregen beinahe ertrunken wäre und die Veranstaltung verlängert wurde, kamen viele Solidaritätsbekundungen beim Showmaker-Team an. Bürgermeister und Landrat posierten gemeinsam mit Hegenbarth auf der Festivalbühne für Fotos. Geändert hat sich aber nicht viel. Das fünfstellige Minus von damals belastet die Firma heute noch.

Der Bensheimer Kreativkopf will aber auf keinen Fall mit dem Finger auf andere zeigen. „Wir haben es nicht geschafft, die Leute davon zu überzeugen, bei uns einzusteigen. Daran trägt niemand außer uns schuld.“ Dass es auch anders geht, zeigt Pfungstadt. Dort richtete das Showmaker-Team im Sommer zum dritten Mal auf dem ehemaligen Freibad-Gelände das „Phungo“-Festival aus. Dort sei man empfangen worden wie Superstars, lobte Hegenbarth sowohl die städtische Hilfe als auch das Engagement der Sponsoren. Wenn es überall so laufen würde, hätte man keine Probleme.

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Weil dem aber nicht so ist, müssen nun Konsequenzen gezogen werden. Stadtparkustik in Zwingenberg wurde schon zu den Akten gelegt, jetzt folgt mit dem „Vogel“ die Mutter der Hegenbarthschen Umsonst-Festivals. Ein Abschied, der Macher wie Fans gleichermaßen schmerzt und an Hegenbarth knabbert. „Wir machen ja nicht nur Spaß und gute Laune, sondern auch Integration und Inklusion. Hier feiern alle friedlich – das ist in Zeiten von Hass, Lügen, Hetzen und Verdrehungen das richtige Signal.“

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An Motivation und Ideen mangelt es dem Familienvater nach wie vor nicht, nur „das Risiko kann ich bei weitem nicht alleine tragen“. Vielleicht gebe es ja Fördertöpfe des Landes, die man anzapfen kann, aber auch dafür bräuchte es lokale (politische) Unterstützung.

Unterm Strich ist es Hegenbarth nach eigenem Bekunden aber auch „peinlich und unangenehm, solche Botschaften immer wieder nach außen tragen zu müssen“. Und ein Stück weit falle nach der Entscheidung auch eine Last von ihm ab, weil „wir in solchen Phasen wie gerade jetzt große Päckchen zu tragen haben“.

Es braucht Planungssicherheit

Wenn das Interesse anderswo größer ist, „dann ist das eben so“. In Bensheim gebe es genug andere Feste. Erste Anfragen von weiteren Kommunen liegen ihm vor, da müsste man schauen, was möglich ist. Vogel der Nacht, das wurde im Gespräch mit Hegenbarth deutlich, wäre nur noch zu retten, wenn sich langfristig Partner finden, die Planungssicherheit geben – und das nicht nur für ein Jahr. Doch danach sieht es nicht aus.

Zusätzliche Einnahmen über Eintritt oder höhere Preise beim Essen und Trinken zu generieren, hält der Eventgestalter nach wie vor nicht für den Königsweg. „Da verliert das Festival seinen Charakter. Und bei schlechtem Wetter bringt es genauso wenig wie ein Aufschlag bei der Gastronomie.“

Der Vogel muss also im Käfig bleiben. Für die nächste Freiluftsaison ist – Stand jetzt – nur Pfungstadt gesichert, bei Lorsch und Heppenheim müsse man schauen. „Wir trennen uns von allem, was ein zu großes Risiko birgt“, lautet die vernünftige Marschrichtung.

Redaktion