Modernisierung - Die Arbeiten liegen trotz Corona-Pandemie im Zeitplan / Kostenrahmen von 13,2 bis 13,8 Millionen Euro soll eingehalten werden Bürgerhaus soll am 30. Juni fertig sein

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Dirk Rosenberger
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Es geht voran: Im und am Bensheimer Bürgerhaus sollen die Modernisierungsarbeiten bis zum 30. Juni abgeschlossen sein. Unser Bild zeigt den großen Saal. © Zelinger

Bensheim. Büttenredner brauchen in Bensheim keine Angst haben, dass ihnen der Stoff für ihre Vorträge ausgeht. Das ist mittlerweile ungeschriebenes Gesetz. An Nachschub mangelt es seit vielen Jahren nicht, in der mitteljungen Vergangenheit hätte man allein mit dem Bürgerhaus eine komplette Rede füllen können.

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So gesehen müssen Kommunalpolitiker und Verantwortliche im Rathaus fast schon dankbar dafür sein, dass in diesem Jahr die närrischen Ausflüge pandemiebedingt nur in homöopathischen Dosen erfolgen konnten. Wobei die Zeiten, in denen das Bürgerhaus im Zentrum von Hohn und Spott stand, langsam vorbei sein könnten. Natürlich könnte es die eine oder andere Anmerkung zum Erscheinungsbild des verkappten Neubaus auf alten Grundmauern geben. Aber Schönheit liegt bekanntlich im Auge des Betrachters.

Was man aber zeitnah humoristisch zu den Akten legen kann, sind Einlassungen über Bauzeit und Finanzen. Sollten sich keine bahnbrechenden Kehrtwenden ereignen, könnte das modernisierte Gebäude tatsächlich zum Ende des zweiten Halbjahrs fertiggestellt sein. „Die Termine für die Eröffnung des Bürgerhauses und die Einweihungsfeierlichkeiten sind in Abstimmung mit der Stadt Bensheim sowie dem Pächter Benjamin Huckele unter Berücksichtigung der aktuellen Entwicklung der Pandemie noch festzulegen. Die Bauarbeiten werden aus heutiger Sicht aber bis zum 30. Juni 2021 beendet sein“, teilte MEGB-Geschäftsführer Helmut Richter auf Nachfrage dieser Zeitung mit.

Der städtischen Marketing- und Entwicklungsgesellschaft gehört die Immobilie, sie tritt folglich als Bauherr auf. Bei den Kosten, die sich während der Planungs- und Bauphase fast verdoppelt haben, gibt es nichts Neues – was so gesehen eine gute Nachricht ist. Aus heutiger Sicht sei eine Überschreitung des Kostenrahmens nicht zu erwarten, so Richter. Das heißt, für die Modernisierung werden zwischen 13,2 und 13,8 Millionen Euro fällig, ein Teil davon kann durch Steuermittel aus übergeordneten Töpfen abgefangen werden (wir haben mehrfach berichtet).

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Bemerkenswert ist durchaus, dass die Corona-Pandemie bisher kaum Auswirkungen auf den Zeitplan hatte. „Dank des Architekten Matthias Losacker, des Versorgungsingenieurs Joachim Becker, des Bauleiters Michael Heng, der Projektsteuerin Annette Kronschwitz sowie den beteiligten Firmen und deren Mitarbeiter konnten bislang größere Verzögerungen in Zusammenhang mit der Corona-Pandemie durch vorausschauendes Handeln und kurzfristiges Reagieren verhindert werden“, lobt der MEGB-Chef.

Keine Corona-Auszeiten

Völlig unbemerkt zog das Virus aber nicht an der Baustelle vorbei. Bei Materiallieferungen sowie bei den alltäglichen Arbeiten auf der Baustelle sei Corona präsent gewesen. Aktuell bleibe das Risiko ohnehin weiter bestehen.

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Größere Auszeiten mussten aber nicht genommen werden. Zurzeit laufen unter anderem Schlosserarbeiten, die Böden (Parkett wie Linoleum) werden verlegt, Trocken-, Maler- und Fassadenarbeiten stehen an. Die Probedurchgänge und die Abnahme der technischen Anlagen sollen im zweiten Quartal angegangen werden. Die Rohbau-, Zimmerer- und Stahlarbeiten sind abgeschlossen. Alle Fenster und Außentüren sind eingebaut. Die Fliesen im Sanitärbereich und in der Küche sind verlegt, um nur einige Beispiele zu nennen.

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Mit den Außenanlagen befassen sich in diesen Tagen auch die kommunalpolitischen Gremien. Damit Besucher vom Beauner Platz das Haus überhaupt betreten können, muss der Bereich aufgrund unterschiedlicher Höhenverläufe neu gestaltet werden – ein Thema, an dem die Fastnachter ebenfalls viel Spaß gehabt hätten.

Die Planungen liegen nun auf dem Tisch und werden wohl in der Sitzung der Stadtverordneten am 18. Februar final abgesegnet. Die Kosten belaufen sich auf etwas mehr als 600 000 Euro, finanziert wird das Vorhaben über den städtischen Haushalt – streng genommen könnte man den Betrag noch auf die Schlussrechnung für das Bürgerhaus dazurechnen.

Letztlich spielt es aber nur bedingt eine Rolle, aus welchen Quellen das Geld fließen muss. Dass der Zugang zum Bürgerhaus ordentlich und barrierefrei gestaltet werden muss, versteht sich ohnehin von selbst. Ob man es auf ein Foto-Finish bis kurz vor der Eröffnung ankommen lassen musste, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Was das Innenleben des 45 Jahre alten Gemäuers betrifft, gibt es keine Überraschungen mehr. Der große Saal soll Platz bieten für 660 Personen bei kompletter Bestuhlung, mit Tischen passen 520 Besucher rein. Der größere der beiden Clubräume im Untergeschoss kann für Gruppen mit bis zu 45 Gästen reserviert werden, inklusive kleiner Küche, Toilette und überdachtem Vorplatz.

Einen farblichen Akzent soll der gläserne Aufzug vom Foyer in den Vorraum des großen Saals bilden. Umgesetzt werden kann außerdem ein Gestaltungselement, das Helmut Richter im vergangenen Jahr bereits andeutete: In den Boden werden zwischen Haupteingang und Saal die Wappen der Partnerstädte, der Stadtteile und der Stadt selbst eingelassen.

Läuft alles reibungslos, können diese Details sowie das runderneuerte Bürgerhaus in seiner Gesamtheit bei und nach der Eröffnung bewundert werden. Die Einweihung wäre zudem der Startschuss für das Kongress- und Kulturzentrum Bensheim (so der offizielle Titel), das sich aus Parktheater, Dalberger Hof und Bürgerhaus unter der Regie von Benjamin Huckele zusammensetzen soll.

Redaktion