Zum 100. Jubiläum - Über 2000 Gäste beim 5. Bickenbach Tattoo in Bensheim / Parade der internationalen Marching-Bands Bläser bringen Wind in die schwüle Halle

Von 
Thomas Tritsch
Lesedauer: 
In der Bensheimer Weststadthalle feierte das Musikcorps Bickenbach sein 100-jähriges Bestehen mit einer großen Show vor insgesamt 2000 Zuschauern. © Funck

Bensheim/Bergstraße. Es war eine große Show auf fremdem Terrain: Das fünfte Bickenbach Tattoo fand am Samstag in der Bensheimer Weststadthalle statt. Anlässlich des 100. Jubiläums des Bickenbacher Musikcorps hatten sich die Gastgeber einen wetterfesten Rahmen ausgesucht, um die Veranstaltung gegen äußere Einflüsse abzusichern. Das wäre angesichts der Hitze zwar nicht nötig gewesen, doch wer weiß das vorher?

Musikcorps Bickenbach

Das Musikcorps Bickenbach wurde 1919 als klassischer Spielmannszug eines Turnvereins gegründet.

Eine bewegte Zeit, denn bereits 1933 wurde der erfolgreich gestartete Zug von den Nazis eingenommen.

Erst 1951 sollte der ursprüngliche Geist wieder Einzug halten.

Nach einer Phase als Abteilung der Freiwilligen Feuerwehr machte sich das Ensemble 1989 selbstständig und fortan als eigenständiger Verein auf den Weg zu einem hervorragenden Show-Orchester.

2006 ist das Musikcorps unter der Leitung von Manfred Hofmann ein Aushängeschild des Ortes. tr

AdUnit urban-intext1

Die Musiker, darunter viele Blasinstrumente, hatten wenigstens etwas Wind in die Halle gebracht. Am Abend erlebten rund 1200 Zuschauer die lange Parade der internationalen Marching-Bands. Am Nachmittag waren es rund 900 Menschen. Ein Riesenerfolg für die Bickenbacher, die selbst bereits mehrfach internationale Luft geschnuppert haben. Unter anderem bei der Steubenparade in New York.

Internationaler Frauentreff Der Internationale Frauentreff der ...

Internationaler Frauentreff

Der Internationale Frauentreff der Stadt Bensheim trifft sich wieder am Mittwoch, 28. August, um 10 Uhr in den Räumen des Frauenbüros, Hauptstraße 53 (2. OG), Seiteneingang rechts. red

Und weil das Wetter am Samstag so schön war, wurde wenigstens ein Teil des Tattoos (engl. Zapfenstreich) ins Freie verlegt: Die Blaskapelle Hemslingen, gegründet 1971, bot vor der Halle als Intro traditionelle Märsche, schmissige Polkas und bekannte Walzermelodien. Seit 40 Jahren besteht eine Freundschaft mit dem Musikcorps Bickenbach.

Pipes und Drums sind ein Muss

Gleich der erste Aufzug der Bensheimer Show war ein monumentales Ereignis für Augen und Ohren: Denn zu einem richtigen Tattoo sind Pipes und Drums ein Muss. Dudelsackmusik und schottische Trommeln boten in Bensheim ein imposantes Erscheinungsbild mit anspruchsvoller Choreografie.

AdUnit urban-intext2

Allein beim feierlichen „Amazing Grace“ schien die ganze Halle in Ehrfurcht zu erstarren. Durch die räumliche Dynamik der Bands changierte auch der akustische Eindruck der Musik – egal, auch welchem Platz in der Halle man sich gerade befand.

Überdeutlich wurde dies bei einer Band, die schon nach wenigen Minuten zum Publikumsliebling avancierte: Die La Vaillante Show und Marching Band ist eine der gefragtesten Show- und Marchingbands in Frankreich und hat in ganz Europa nicht umsonst einen ausgezeichneten Ruf. Seit 1995 hat sich die Band zu einem einzigartigen Parade-Orchester entwickelt. Für die Ausbildung ihrer jungen Musiker hat der Verein eine eigene Musikschule gegründet. Mit ihrer musikalisch und choreografisch flotten und humorvollen Show hatten die Franzosen in Bensheim alle Sympathien erobert. Im Gegensatz zu anderen Formationen setzen sie auf Swing, Pop und tänzerische Elemente. Für ihre Inszenierung von „Somewhere Over The Rainbow“ und einem Medley aus „Mary Poppins“ wurde diese zackige Trikolore üppig beklatscht.

AdUnit urban-intext3

Die Show- und Marchingband Iserlohner Stadtmusikanten wurde 1979 als Musikzug gegründet und ist seit dem Jahr 2000 als Show- und Marchingband unterwegs. Mit „Queen – The Show“ begeistern die Westfalen seit 2017 das Publikum.

AdUnit urban-intext4

Mit dem Romford Drum und Trumpet Corps (RDTC) aus Großbritannien war in Bensheim eine der ältesten unabhängigen Jugendmarschbands des Landes dabei. Das Repertoire der Band umfasst ein breites Spektrum von Militärmärschen, Filmthemen, Populärmusik und Bläserklassikern – häufig mit Soli von Blechbläsern, Holzbläsern und Percussionisten. In diesem Jahr feiert die weit gereiste Band ihr 60-jähriges Bestehen. Eine der Musikerin ist Anna Maria Hofmann (Tochter des Chefs) vom Musikcorps Bickenbach, die derzeit ein Musikstudium an der Royal Holloway University of London absolviert. Ihr leises Solo zu einer irischen Volksweise sorgte für feierliche Stille in der zunehmend schwülen Weststadthalle.

Bereits seit über 20 Jahren marschieren die Odenwald Pipes & Drums durch die Szene, in der sie längst als eine der größten und erfolgreichsten Dudelsack-Bands gelten. Mit der schottischen Ballade „Auld Lang Syne“ übergaben die Piper den Staffelstab an das Geburtstagskind, das von Moderator Helmut Jäger feierlich angekündigt wurde.

Mit dem Thema aus „Rocky“ hatten sich die Bickenbacher ein standesgemäßes Intro ausgesucht. Der Colonel Bogey March von 1914 war eine zackige Reminiszenz an einen der bekanntesten Militärmärsche der Geschichte. Das weitere Programm bestand aus unterschiedlich gemixten Formationen. Nach rund drei Stunden ging das Tattoo ins Finale. Und das zwei Mal an diesem heißen Samstag. Für die Musiker war das eine sportliche Ausdauerleistung. Für das Publikum eine Parade, die man in dieser Dichte und Qualität nicht alle Tage erlebt.

Der Bickenbacher Sound bleibt in der Region ein musikalisches Alleinstellungsmerkmal.

Info: Weitere Bilder vom Konzert der Marching-Bands im Internet: www.bergstraesser-anzeiger.de

Freie Autorenschaft