Kommunalwahl - Ortstermin am geschlossenen Kundenberatungszentrum / Fusion für die Wählergemeinschaft nach wie vor ein Thema BfB lehnt einen Sparkassen-Neubau ab

Von 
Jeanette Spielmann
Lesedauer: 
Die BfB traf sich am Freitag zu einem Ortstermin am Kundenberatungszentrum der Sparkasse in der Bahnhofstraße. © Funck

Bensheim. Bei einem Ortstermin am Sparkassengebäude an der Bahnhofstraße ließ BfB-Stadtverordneter Franz Apfel keinen Zweifel daran, dass erst an einer zukunftsfähigen Struktur des Geldinstituts gearbeitet werden müsse, bevor in einen Neubau investiert wird.

AdUnit urban-intext1

Genauer gesagt: Für die BfB ist es von entscheidender Bedeutung, „vor erneuten Fehlplanungen von 35 Millionen Euro plus x“ erst unabhängig zu prüfen, ob eine Fusion sinnvoll ist. Das sei kein Widerspruch zu dem Wunsch, eine dauerhaft starke Sparkasse mit bedeutendem Hauptsitz – „am besten im bestehenden Gebäude am Bahnhof“ – in Bensheim zu haben.

Förderer von Kultur und Sport

1931 von Zwingenberg getrennt

Der Ursprung der Sparkasse Bensheim geht auf das Jahr 1830 zurück. Die am 28. April 1830 von den Bürgermeistern des Landratsbezirks Bensheim gegründete „Ersparungskasse“ hatte ihren Sitz in Zwingenberg. Fünf Jahre später wurde die Spar- und Leihkasse Lorsch gegründet.

Bereits 1873 wird in Zwingenberg ein neues Sparkassengebäude errichtet, 1888 in Reichenbach eine Filialkasse eröffnet und 1900 in Lorsch ein neues Sparkassengebäude eingeweiht. Die Sparkassen Zwingenberg und Lorsch hatten zu Beginn des neuen Jahrhunderts ein Geschäftsvolumen von rund elf Millionen Mark. Aufgrund des starken wirtschaftlichen Wachstums löst sich die Bensheimer Filiale 1931 vom Zwingenberger Stammhaus und wird damit zur selbstständigen Bezirkssparkasse Bensheim, zu der auch die Filialkasse Reichenbach gehört. Es folgen Agentureröffnungen in Schlierbach, Winterkasten und Auerbach.

Durch Erlass der Landesregierung wird die Sparkasse Lorsch am 1. Juli 1941 und die Sparkasse Zwingenberg am 1. Januar 1942 mit der Bezirkssparkasse Bensheim vereinigt (Quelle: „Bilder unserer Heimat“ zum 150-jährigen Bestehen der Sparkasse). js

Die Sparkasse als Geldinstitut mit Zweigstellen vor Ort und der Förderung von Kunst, Kultur, Sport und Vereinen sei wichtig. Aber man müsse sich fragen, ob in Zeiten massiver Veränderungen in der Bankenlandschaft an alten Strukturen festgehalten werden muss und im Abstand von fünf Kilometern zwei eigenständige Sparkassen erforderlich sind.

Dazu äußerte sich auch der parteilose Peter Röhrs in seinen Ausführungen zur Entwicklung und Situation der Sparkasse. Er erinnerte an die Gründung der Sparkasse, die ihren Ursprung 1830 mit der Gründung der Sparkasse Zwingenberg hatte. Fusionen seien nicht ungewöhnlich verweist Röhrs auf die bereits erfolgten Zusammenschlüsse in den vergangenen Jahrzehnten. Habe der Sparkassen- und Giroverband vor 20 Jahren noch 562 Institute gezählt, seien es heute 376.

AdUnit urban-intext2

Er stellte die Frage, ob es im Abstand von fünf Kilometern zwingend zwei Personalabteilungen und jeweils hochdotierte Führungspositionen geben müsse oder ob das Geld nicht besser in die Kundenbetreuung investiert werden sollte. Deutlich machte Apfel in diesem Zusammenhang, dass die BfB keine betriebsbedingten Kündigungen wolle und verwies auf 52 Stellen, die bei der Sparkasse auch ohne Fusion abgebaut würden. Es sei wichtig, dass die Sparkasse in Zeiten von Homeoffice ihre Raumkapazitäten kläre.

Bedarf im Bestand decken

Dass es die BfB für denkbar hält, den Raumbedarf im bestehenden Gebäude zu decken, machte auch der Stadtverordnete Norbert Koller deutlich. Er erinnerte daran, dass das aus den 70er Jahren stammende Ursprungsgebäude um das Jahr 2000 für 14,2 Millionen Euro grundlegend saniert und modernisiert worden sei.

AdUnit urban-intext3

Auch wenn auf den geschlossenen Zugangstüren des Kundenberatungszentrums zu lesen sei „Wir bauen für Sie um“, sei jedoch davon auszugehen, dass abgerissen werden soll, plädiert die BfB für den Erhalt des Hauptgebäudes, das „seinen architektonischen Reiz“ habe. Da der Antrag der BfB in der Stadtverordnetenversammlung auf ernsthafte Prüfung vor einem Neubau aber durch CDU, SPD und AfD abgelehnt worden sei, könne jetzt nur noch durch andere Mehrheiten nach der Kommunalwahl für eine Änderung und mehr Transparenz gesorgt werden, warb Apfel für „eine hohe Wahlbeteiligung und vernünftige und selbstbewusste Mehrheiten“. Unterstützt wurde er dabei von dem früheren SPD-Stadtverordneten Dieter Emrich, der es begrüßte, dass es in Bensheim Parteien gibt, die sich der Thematik annehmen. Er verwies auf die Sparkassenstruktur, die noch aus der Postkutschenzeit stamme, bezweifelte ebenfalls die Sinnhaftigkeit von zwei Institutionen in unmittelbarer Nachbarschaft und kritisierte das „typische Besitzstandsdenken“.

AdUnit urban-intext4

Wie Franz Apfel abschließend feststellte, hätten die Fehlentscheidungen im Zusammenhang mit der Sparkasse viele Menschen in der Stadt bewegt. Sicher sei das Thema auch einer der beiden großen Stolpersteine bei der vergangenen Bürgermeisterwahl gewesen. Von der neuen Bürgermeisterin Christine Klein erwarte man nun einen Kulturwechsel in Richtung mehr Transparenz. Auf keinen Fall wolle die BfB, dass jetzt der Neubau umgesetzt und dann in drei bis vier Jahren eine Zwangsfusion notwendig werde. Das wäre die nächste Klatsche, die aber leider in das Bild der Handelnden passe, so Franz Apfel.

Freie Autorenschaft