Caritasverband - Im Mehrgenerationenhaus in Bensheim wird der Jahresbericht 2019 vorgestellt / Durch Corona-Pandemie keine Gruppenangebote „Bei der Pflege gibt es kein Homeoffice“

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Jeanette Spielmann
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Im Caritaszentrum in Bensheim stellten (v.l.) Ansgar Funcke, Stefanie Rhein und Aufsichtsratsvorsitzender Pfarrer Harald Poggel den Jahresbericht 2019 vor. © Funck

Bensheim. Für das alljährliche Pressegespräch zur Vorstellung des Jahresberichts des Caritasverbandes Darmstadt waren die Rahmenbedingungen zu Coronazeiten ideal. Das Café Klostergarten im Franziskushaus war leer und überhaupt zeigte sich das Mehrgenerationenhaus in der Klostergasse ungewöhnlich still. Denn auch hier ist das alltägliche rege Treiben aufgrund der Pandemie-Einschränkungen quasi auf Null runtergefahren.

Caritasverband Darmstadt – Zahlen, Daten, Fakten

Der Caritasverband ist der soziale Dachverband der Hilfsorganisation der römisch-katholischen Kirche. Mit rund 25.000 Diensten und Einrichtungen ist der der größte Wohlfahrtsverband in Deutschland.

Der Caritasverband Darmstadt ist in der Stadt Darmstadt, im Landkreis Darmstadt-Dieburg, im Odenwaldkreis und im Kreis Bergstraße aktiv.

Von den 1557 Mitarbeitern ist der größte Teil (1000) im Kreis Bergstraße an elf Standorten beschäftigt.

Franziskushaus Bensheim: Bürgertreffpunkt und Familienzentrum mit rund 230 Personen am Tag, 52 Gruppierungen, 54 ehrenamtlich Tätigen, 48 familienbezogenen Angeboten mit insgesamt 1000 Teilnehmern. Die Finanzierung durch das Bundesfamilienministerium ist mit der Co-Finanzierung der Stadt Bensheim für die nächsten acht Jahre gesichert.

Caritaszentrum Heppenheim: 6335 Menschen wurden beraten und betreut. Unter anderem von der Lebens-/Sozialberatung (1120), Eheberatung (385), Schwangerschaftsberatung (787), Seniorenberatung (3314), Selbsthilfestelle (2056) und Schuldnerberatung (258).

Hotel Karolinger Hof: In die Einrichtung in Lorsch haben im vergangenen Jahr 3100 Personen eingecheckt. Täglich wurden 130 Mittagessen gekocht. 130 Veranstaltungen für über 3500 Gäste wurden organisiert.

Pflegedienst: In Bensheim, Bürstadt, Einhausen und Lampertheim werden 377 stationäre Heimplätze und 73 Wohnungen angeboten. 4576 Klienten wurden durch den ambulanten Pflegedienst versorgt.

Die Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche wurde von rund 1500 Personen aufgesucht.

Der Krisendienst Südhessen versorgte rund 500 Menschen. js

Ab Montag wieder Mittagstisch

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In der Küche des Cafés wird zwar nach wie vor gekocht, doch bisher konnte der leckere und preisgünstige Mittagstisch nur abgeholt werden, was auch gut genutzt wurde. Ab Montag, 18. Mai, kann aber auch wieder vor Ort gegessen werden – wenn auch mit den vorgeschriebenen Hygienevorschriften und reduzierter Gästeanzahl. Beim Pressetermin waren die Vorbereitungen dafür schon getroffen, so dass das Gespräch mit den beiden Caritasdirektoren Stefanie Rhein und Ansgar Funcke sowie dem Aufsichtsratsvorsitzenden Pfarrer Harald Poggel mit genügend Abstand und ohne Mund-Nasen-Schutz möglich war.

Bis aus dem Franziskushaus wieder die gewohnt lebendige Begegnungsstätte für alle Generationen wird, wird es noch eine Weile dauern. „Im Moment liegen alle Veranstaltungen und Gruppenangebote brach“, sagt Stefanie Rhein. Seien es die vielfältigen Angebote der offenen Begegnung, Beratungen, Mittagstisch oder der Sport – inzwischen sind es täglich rund 230 Personen, die das Mehrgenerationenhaus aufsuchen. Die persönlichen Kontakte mussten auf ein Mindestmaß heruntergefahren werden oder gänzlich wegfallen. Das machte einmal mehr deutlich, „dass die Caritas-Mitarbeiter nicht zufällig hier arbeiten“, verweist Ansgar Funcke auf das große Engagement aller. „Es wurde nach Lösungen gesucht und nicht über Probleme geklagt“, so der Caritasdirektor.

Dabei wurde der Verband von dem Slogan eingeholt, den er über die Arbeit des vergangenen Jahres gestellt hatte. Wie immer hatte man sich bei der Festlegung des Jahresmottos an der aktuellen gesellschaftlichen Diskussion orientiert, die sich schon 2018 um die Veränderungen durch die Digitalisierung drehte. „Sozial braucht digital und digital braucht sozial“ ist der Jahresbericht 2019 überschrieben und hat mit „großer Wucht“ eine damals ungeahnte Aktualität erhalten.

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Zwar sei man auch schon vor Corona digital unterwegs gewesen und Homeoffice sei bekannt, aber kein Alltagsgeschäft gewesen, macht Stefanie Rhein deutlich. „Wir haben Riesenschritte gemacht, viel gelernt, aber auch Grenzen erfahren“, weist die Caritasdirektorin auf den sozialen Aspekt der Arbeit hin. Nicht jeder ist in der Lage oder hat die Möglichkeit, sich auf digitale Kommunikation umzustellen. Wenn Sprachbarrieren vorhanden sind, wie beim Migrationsdienst, ist der persönliche Kontakt unumgänglich. Dann müssen Einzelgespräche organisiert werden, entweder im Mehrgenerationenhaus oder vor Ort. Auch Menschen mit psychischen Erkrankungen geraten in solchen Ausnahmesituationen unter großen Druck und benötigen Hilfe, die über das Telefon nicht möglich ist.

Diese Erfahrung macht auch Pfarrer Poggel tagtäglich. „Für viele Menschen wurde das Leben auf den Kopf gestellt“, stellt der Seelsorger fest, dass es in diesen Zeiten keine pauschalen Lösungen gibt. Kontakt- und Besuchsverbote in den Heimen hätten aber auch erfinderisch gemacht, ist von den Caritasdirektoren zu hören. Innerhalb kürzester Zeit hätten Messenger-Dienste und Videokonferenzen Einzug gehalten und die oft hochbetagten Bewohner hätten sich mit Hilfe der Pflegekräfte diesen neuen Techniken zugewendet.

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Generell zeigt sich Pfarrer Poggel vom Engagement der haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter beeindruckt. Besonders erwähnt er die Pflegekräfte, die an „vorderster Front“ ihre Arbeit tun – denn „bei der Pflege gibt es kein Homeoffice“.

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Die Coronakrise habe auch positive Effekte mit sich gebracht, weist Ansgar Funcke auf ein Umdenken hin. So hat man erkannt, dass durch die digitale Kommunikation ein Großteil der bisher geleisteten Fahrten nicht unbedingt erforderlich ist.

Bis allerdings die gewohnte Normalität wieder einzieht, ist noch ein „Stück Aufbauarbeit“ erforderlich, weist Stefanie Rhein darauf hin, dass Gruppenangebote noch in der Planung sind. Auch müsse man bei weiteren Lockerungen sehr vorsichtig sein, denn keiner wolle, „dass eine Einrichtung zum Hotspot einer Virusinfektion werde“, so Poggel.

Für alle Einrichtungen wurde ein Schutzkonzept erarbeitet, offene Sprechstunden gibt es noch nicht. Bei Bedarf muss ein Termin vereinbart werden. „Es geht darum, sowohl für unser Klientel als auch für die Mitarbeiter größtmögliche Sicherheit zu gewährleisten“, betonen die beiden Caritasdirektoren. Auch deswegen wurden bis zur Sommermitte alle Veranstaltungen abgesagt, auch das Sommerfest im Caritasheim. „Normalität wird nicht so schnell zurückkommen“, so Stefanie Rhein.

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