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 Kirchengemeinde - Lukas von Nordheim wurde am Sonntag als neuer Pfarrer in Auerbach eingeführt / Arbeitsteilung mit Ehefrau Mareike geplant Bald familiäre Teamarbeit im Pfarramt

Von 
Thomas Tritsch
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Lukas von Nordheim wurde am Sonntag in der Bergkirche als neuer Pfarrer der evangelischen Gemeinde eingeführt. Unser Bild zeigt ihn mit seiner Frau Mareike, ebenfalls Pfarrerin, und den beiden Söhnen Philipp und Johannes. Links der Auerbacher Pfarrer Christof Achenbach, rechts Dekan Arno Kreh. © Zelinger

Auerbach. Lukas von Nordheim ist neuer Pfarrer in Auerbach. Der Vorstand der Evangelischen Kirchengemeinde hatte ihn in seiner Sitzung Ende August zum Inhaber der Pfarrstelle II für den Bezirk westlich der Darmstädter Straße gewählt. Am Montag trat der gebürtige Niedersachse seinen Dienst an. Er wird Nachfolger von Karl Michael Engelbrecht, der in Auerbach 38 Jahre lang Pfarrer war und vor einem halben Jahr in den Ruhestand verabschiedet wurde.

Die Kirche in Zeiten der Pandemie

Angesichts der besonderen Situation wurde die Einführung von Pfarrer Lukas von Nordheim am Sonntag in der Bergkirche etwas knapper gehalten als dies normalerweise üblich ist. Das betraf auch die Dramaturgie der Grußworte.

Kirchenvorstandsmitglied Sibylle Becker verlas eine Botschaft von Bürgermeisterin Christine Klein, Pfarrer Achenbach ein Grußwort seines katholischen Kollegen Harald Poggel für die Gemeinde Heilig Kreuz. Auch die Leitungsteams der Auerbacher Kitas begrüßten den neuen Pfarrer.

Ältere unterstützen

Mit Blick auf die Corona-Krise sagte Ortsvorsteher Robert Schlappner, dass sich Gemeinde und Pfarrer auch unter ungünstigen Umständen aufeinander zu bewegen sollten, um gegenseitiges Vertrauen aufbauen zu können. In Zeiten der Pandemie komme Kirche eine wichtige Bedeutung zu.

Dazu gehöre auch die Unterstützung von älteren Menschen, von denen viele Begleitung und Orientierung benötigten. Sein Hochstädter Amtskollege Bernd Rettig übermittelte die Grüße aus dem kleinen Stadtteil.

Man freue sich darauf, sich möglichst bald unter hoffentlich erleichterten Rahmenbedingungen näher kennen zu lernen. tr

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Die Einführung fand am Sonntag in der Bergkirche statt. Die Gästezahlen waren aufgrund der Corona-Pandemie und der damit einhergehenden Abstands- und Hygieneregeln streng limitiert. Auf gemeinsames Singen wurde verzichtet. Aufgrund der begrenzten Plätze – nur rund 40 Personen waren vor Ort dabei – wurde der Gottesdienst aufgezeichnet. Das Video ist auf der Homepage der Evangelischen Gemeinde Auerbach zu sehen.

Die zweite Frau seit 1529

Für Pfarrer Christof Achenbach (Pfarrbezirk I) ist der junge Kollege auch eine Chance für die Kirchengemeinde, um mittel- bis langfristig wieder mehr jüngere Menschen für Kirche zu interessieren. Er hoffe darauf, dass es dem 35-Jährigen gelingen möge, eine Brücke zu den Generationen der Zukunft zu bauen. Achenbach sieht insgesamt gute Perspektiven für die evangelische Gemeinde, zumal auch Pfarrerin Mareike von Nordheim im Laufe des Jahres aktiv einsteigen wird. Das Ehepaar möchte sich ab August den Pfarrdienst im monatlichen Wechsel teilen, so wie sie es auch bereits zuvor in Grünberg praktiziert haben.

Dieses Lebens- und Arbeitsmodell wollen sie in Auerbach und Hochstädten fortsetzen. „Damit wären Sie seit 1529 die zweite Frau, die in Auerbach Pfarrerin wird“, so Christoph Achenbach augenzwinkernd über ein bemerkenswertes historisches Detail.

Rückkehr in die alte Heimat

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Mareike von Nordheim ist die Tochter von Janny Oosterink-Kunz und Stefan Kunz, dem Pfarrer der Bensheimer Michaelsgemeinde. Für sie ist der Wechsel aus dem Landkreis Gießen Richtung Süden auch eine Rückkehr in die alte Heimat. Mit den beiden Söhnen Johannes (16 Monate) und Philipp (4) zieht das Paar noch im Laufe des Monats an die Bergstraße um. Neues Domizil ist das Pfarrhaus Philippshöhe. Lukas von Nordheim wurde im Juni 2016 zum Pfarrer ordiniert, seine Ehefrau Mareike im Jahr darauf.

Der Sohn einer Pfarrersfamilie hat Evangelische Theologie in Göttingen und Marburg studiert. Während dieser Zeit absolvierte er ein ökumenisches Studienjahr in Jerusalem. Als Vikar war Lukas von Nordheim in Wiesbaden-Bierstadt und beim ständigen Vertreter der hessischen Kirchen am Landtag tätig. Dies hatte ihn unter anderem auch nach Brüssel geführt. Seinen ersten Pfarrdienst auf Probe übernahm er 2016 in Grünberg. Bereits sein Bewerbungsgottesdienst für Auerbach fand im August in der Bergkirche statt.

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Dort hat der neue Pfarrer am Sonntag den Blick auf die Corona-Situation gelenkt, in der die Menschen – vielleicht noch mehr als sonst – Halt und Hoffnung in der Kirche suchen. Die Krise verdeutliche die „Berg- und Talfahrt des Lebens“, der christliche Glaube könne in dieser Phase ein Stück Zuversicht vermitteln: „Dieses Licht soll uns Orientierung geben.“

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Die Dynamik der letzten Monate habe viele verunsichert. Durch Falschmeldungen und Verschwörungstheorien verlören manche Menschen den Boden der Tatsachen unter den Füßen. Hinzu komme die Ungewissheit, wie es mit der Krise weitergehen werde. Lukas von Nordheim riss aber auch globale Herausforderungen wie die Klimakrise und das Artensterben sowie die weltpolitischen Veränderungen beispielsweise in den Vereinigten Staaten an.

In Kitaarbeit einsteigen

Neben der ökumenischen Netzwerkarbeit gehört der interreligiöse Diskurs zum theologischen Spektrum des Pfarrers. Ab 2016 hatte er in Grünberg geflüchtete Menschen aus Äthiopien, Iran und Afghanistan begleitet. Einige wurden als Gemeindemitglieder aufgenommen. Auch in der Tafel und dem Familienzentrum hatte er sich engagiert. In Auerbach, wo die Trägerschaftaufgaben der Kindertagesstätten und der Kirchenvorstandsvorsitz zunächst bei Christof Achenbach verbleiben werden, will er unter anderem in die religionspädagogische Arbeit an den Kitas einsteigen. Es gehe jetzt darum, sich soweit das unter den Corona-Auflagen möglich ist, über das Leben in der Gemeinde zu informieren und die Menschen vor Ort kennenzulernen.

Vakanz zügig beendet

Dekan Arno Kreh vom Evangelischen Dekanat Bergstraße dankte der Auerbacher Kirchengemeinde für die gelungene Überbrückung der Vakanz, die dann nach einem halben Jahr relativ zügig beendet werden konnte. Kreh forderte die Mitglieder dazu auf, offen und vertrauensvoll auf „den Neuen“ zuzugehen. „Ein Pfarrer muss von seiner Gemeinde getragen werden.“ Auch im Dekanat selbst, in dem derzeit 60 Pfarrerinnen und Pfarrer eine Dienstgemeinschaft bilden, freue man sich auf die Ankunft des jungen Kollegen. Am nächsten Sonntag um 10 Uhr wird Lukas von Nordheim seinen ersten offiziellen Gottesdienst im Auerbacher Gemeindezentrum an der Bachgasse feiern.

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