Stadtentwicklung - Vorstand begründet erneut die Entscheidung für einen Neubau am alten Standort / Sanierung wirtschaftlich nicht sinnvoll Abriss der Sparkassen-Zentrale im Herbst

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Dirk Rosenberger
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Bensheim. Der Abrissantrag ist gestellt. Die Verantwortlichen der Sparkasse Bensheim gehen momentan davon aus, dass im September die Genehmigung für den Neubau des Geldinstituts an der Bahnhofstraße vorliegt – und dann das Kundenberatungszentrum von der Bildfläche verschwindet.

Die Tage des Kundenberatungszentrums der Sparkasse sind gezählt. Im September könnte der Abriss beginnen. © Neu
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„Wenn alles gut geht, müssten wir Ende 2023, spätestens zu Ende des ersten Halbjahrs 2024 einziehen können“, betonte Vorstandsmitglied Manfred Vögtlin, der seit dem Ausscheiden des Vorstandsvorsitzenden Eric Tjarks im Sommer 2020 die Geschicke des Hauses übergangsweise leitet. Ab 1. Juli wird – wie berichtet – Johannes Schulz das Ruder übernehmen. Der Zeitplan hänge auch davon ab, mit welchen Generalunternehmer das Großprojekt umgesetzt wird, erklärte Vögtlin im Gespräch mit dieser Zeitung. Im Frühjahr sollen Gespräche mit potenziellen Kandidaten geführt werden.

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Auf 35 Millionen Euro gedeckelt

Im Vorstand ist man sich ebenso wie im Verwaltungsrat einig, dass an Abriss und Neubau kein Weg vorbei führt. Gedeckelt ist das Vorhaben laut Beschluss auf 35 Millionen Euro, belastbare Zahlen liegen zurzeit nach Auskunft von Vögtlin nicht vor. Dafür seien die Planungen noch nicht so weit fortgeschritten. „Ganz klares Ziel ist es, dass die vom Verwaltungsrat gedeckelten Kosten nicht überschritten werden.“ Wie man mit der denkmalgeschützten Villa (ehemals Mohr & Fasser) verfahren wird, muss noch abschließend geklärt werden. Die Prüfung laufe mit Blick auf die möglichen Investitionen, im zweiten Quartal soll eine Entscheidung gefällt werden. Denkbar wäre eine Eigennutzung ebenso wie ein Verkauf. Interessenten seien vorhanden.

Manfred Vögtlin und seine Kollegin Birgit Kissel verdeutlichten, dass eine Sanierung, wie sie von Teilen der Kommunalpolitik nach wie vor ins Spiel gebracht und in der Stadtgesellschaft diskutiert wird, keine wirtschaftlich vertretbare Option darstellt. Wobei nicht nur die Wirtschaftlichkeit eine Rolle spielt. Man verbaue sich auf der zentrumsnahen Fläche vieles, wenn man den Bestand erhalten wolle, spielte Vögtlin auf die geplante Wohnbebauung auf einem Teil des Grundstücks an. „Jeder, der in der Stadt an so einer zentralen Stelle Wohnraum schafft, sollte doch eigentlich willkommen sein“, bemerkte der Vorstand.

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Zumal mindestens 20 Millionen Euro fällig werden würden, sollte man den Bau, der aus den 70er Jahren stammt und Anfang der 2000er erweitert und umgebaut wurde, anpacken. „Man sieht immer nur den neuen verglasten Teil, aber das ursprüngliche Gebäude ist mehr als 40 Jahre alt. Das wird oft nicht gesehen. Wir würden praktisch Geld in eine Immobilie investieren, ohne perspektivisch dadurch ein gutes Investment zu haben“, erläuterte Kissel.

Hinzu komme die lange Mängelliste des Beratungszentrums, aus dem die Mitarbeiter vor mehr als zwei Jahren ausgezogen sind und das seitdem leer steht. „Der Altbau bringt Herausforderungen mit sich, vieles hat sich erst im Lauf der Planung ergeben“, so Vögtlin. Im Vorfeld seien diese so nicht erkennbar gewesen. Im Gebäude könne man nach einer Sanierung beispielsweise den Arbeitsplatzbedarf, den man trotz weniger Mitarbeiter habe, nicht decken. Die technische Ausstattung sei veraltet, die Mängel beim Brandschutz ein großes Problem, der Flächenbedarf des Komplexes auf dem Grundstück enorm. „Quartiersentwicklungen sind so gut wie nicht möglich“, so der Vorstand.

Thema Brandschutz

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Stichwort Brandschutz: In den 70er Jahren habe man kein Konzept für die Genehmigung gebraucht, so bilde das Gebäude nur einen einzigen Brandabschnitt, in Summe mehr als 4000 Quadratmeter ohne Unterteilung, führte Vögtlin exemplarisch aus. „Ein Mangel lässt sich nicht isoliert betrachten“, fasste er zusammen. Und vor Überraschungen während der Sanierung sei man nicht geschützt.

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Die Historie der Bauabsichten des Geldinstituts ist hinlänglich bekannt. Die Umsetzung des Siegerentwurfs aus dem Architektenwettbewerb 2017 wurde im August 2019 gestoppt, nachdem die Kosten aus unterschiedlichen Gründen aus dem Ruder gelaufen waren – mindestens 42 Millionen Euro hätte man investieren müssen, vermutlich wäre die Summe am Ende um einiges höher ausgefallen.

Alternativen wurden geprüft, darunter eine Auslagerung von Teilen der Mitarbeiter in einen Neubau außerhalb der Innenstadt an den Berliner Ring. Diese Gedankenspiele kamen erwartungsgemäß nicht besonders gut an. Ein Einzug mit einem Beratungszentrum in die Markthalle des Neumarkt-Centers wurde ebenfalls geprüft, hätte aber nach Auskunft von Vögtlin zu hohe Kosten nach sich gezogen. Am Ende stand der Entschluss für die im Sommer 2020 öffentlich gemachte Variante: Ein kleinerer Neubau für bis zu 200 Mitarbeiter am alten Standort, der flexibel nutzbar ist und, sollte dies ein Thema werden, auch die Vermietung von Flächen an Dritte ermöglicht, sofern die Sparkasse eines Tages weniger Platz benötigt.

Für die Verantwortlichen sind Abriss und Neubau „die Zukunftslösung“: Man habe die Möglichkeit der Quartiersentwicklung durch Wohnbebauung auf einem Teil des Grundstücks, und durch ein energieeffizienteres Gebäude gebe es Einsparpotenziale. Die Sparkasse bekenne sich damit zu Bensheim und besonders zum Zentrum. „Durch die Konzentration von 200 Arbeitsplätzen gehen wir von einer sehr positiven Sogwirkung für die Innenstadt aus. Unsere Mitarbeiter und deren Kaufkraft werden dem Einzelhandel, Geschäften, Gastronomie gut tun – in der aktuellen Corona-Zeit sicher ein positives Zeichen“, führte Manfred Vögtlin aus.

Unterm Strich ist für den Vorstand auch der Kostenrahmen vertretbar, vor allem mit Blick auf die Folgekosten. Man habe die Kunden im Blick und könne schnellere Abläufe bieten und sei vor Ort erreichbar.

Dass es in den vergangenen Monaten Diskussionen in der Stadt gab, ob der Abriss sein müsse und warum man nicht einfach umbaue, dafür habe man Verständnis, betonte Birgt Kissel. Die Entscheidung habe man sich deshalb nicht leicht gemacht. Die Verantwortlichen sind aber der Überzeugung, alle Varianten detailliert geprüft und die Gründe umfangreich dargelegt zu haben. „Es ist unsere klare Leitmaxime: Wir wollen keinen Prunkbau, sondern ein Zweckgebäude, das die Anforderungen erfüllt“, versicherte Kissel.

Redaktion