Klimawandel Wir müssen anfangen, wirksam zu handeln

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Die vom Bundeskanzler ausgerufene Zeitenwende hat begonnen. Das ist mittlerweile unübersehbar. Mitten in Europa ist Krieg, wer es Zuhause warm und hell haben möchte, muss dafür ein vielfaches vom letztjährigen Betrag zahlen, und gerade ist auch an der Bergstraße einer der heißesten und trockensten Sommer seit Menschengedenken zu Ende gegangen.

Neue Antworten sind nötig. Ein „Weiter so“ wird nicht funktionieren. Während bei unserer Unterstützung der Ukraine Vieles, was lange undenkbar war, möglich gemacht wird und der Finanzminister für die Deckelung der Energiekosten tief in die Staatskasse fasst, ist der Kampf gegen den Klimawandel nach meiner Beobachtung erkennbar ins Hintertreffen geraden.

Unter der Federführung der Grünen in der Bundesregierung werden fossile Brennstoffe wieder salonfähig und ein zweiter Ampelpartner, die FDP, arbeitet unermüdlich daran, Atomkraft wieder ins Werk zu setzen und außerdem lange gültige politische Entscheidungen gegen umweltfeindliches Fracking bei der Gasförderung zu revidieren.

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Alles nicht gut. Und auch auf der kommunalen Ebene wird der Klimaschutz nicht so ernst genommen, wie es nach meiner Überzeugung nottut.

Beispiele gefällig: Lampertheim wehrt sich gegen Stromtrassen, die Ökostrom transportieren sollen, Lorsch verweigert sich mit dem Hinweis auf eine mögliche Gefährdung des Welterbes schon der bloßen Prüfung von Geothermie. Einhausen stellt ein Konzept für die Erreichung der Klimaneutralität erstmal zurück und erklärt im Maßnahmenpaket für Klimaschutzkommunen den Abriss und den Neubau des Wechnitzstegs mit all seinen Umweltauswirkungen kurzerhand zum Klimaschutzprojekt. Die Reaktion der Mitgliederversammlung der Bensheimer SPD auf ein durchaus beachtliches Positionspapier zum Klimaschutz reicht meines Erachtens von „Wird bereits gemacht“ über „Ist zu teuer, zu ungenau und zu ambitioniert“ bis zu „Sollen doch erstmal andere was tun“. Dass es am Ende als „politisches Ziel“ definiert und mit drei Gegenstimmen und einer Enthaltung angenommen wurde, erschreckt mich eher als das es beruhigt. Sind es nicht gerade diese Argumente und diese Abwiegelungsrhetorik, die dazu geführt haben, dass wir beim Kampf gegen den Klimawandel bisher weit hinter unseren Möglichkeiten geblieben sind?

Ich denke, diese Politik ist ohne Ambition, ohne Ideen und viel zu passiv. Sie wird in dieser Form wenig dazu beitragen, unseren Kindern und Enkelkindern eine lebenswerte Welt zu hinterlassen.

Der Kampf gegen den Klimawandel ist längst zu einer Überlebensfrage für uns alle geworden. Das hat der UN-Generalsekretär António Guterres gerade noch einmal unmissverständlich deutlich gemacht. Wir müssen, auch auf der kommunalen Ebene, dringend damit aufhören, immer nur zu reden oder unsere Ressourcen mit Schaufenstermaßnahmen zu vergeuden, sondern endlich anfangen, ernsthaft und wirksam zu handeln.

Joachim Wiegand

Einhausen

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