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Stadtentwicklung Was ist nur aus Bensheim geworden?

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Leserbriefe zur Marktplatzgestaltung, zur Bahndammbebauung an der Dammstraße und zum Baugebiet am Seegenberg in Schönberg mit seiner immensen Natur- und Landschaftszerstörung stimmen sehr nachdenklich und werfen mehr als eine Frage auf, was aus dieser einst so lebens- und liebenswerten Stadt Bensheim geworden ist.

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Marktplatzbebauung oder Nichtbebauung. Nun eine neue Runde, mit schönem Namen, wie es Mode ist in dieser Zeit, in der man glaubt, schöne Worte für immer neue Arbeitskreise seien bereits die Problemlösung. Viel Glück dabei. Zeit genug wurde ja investiert.

Dammstraße, alte Leute auf den Bahndamm, gibt sinngemäß die Leserbriefschreiberin die neue Stadtbaurätin wieder und ist entsetzt. Und sie erwähnt, dass angenehmere Baugebiete an Investoren gehen, die ihre Vorstellungen auf einfachem Weg umsetzen können. Richtig, auf sehr einfachem Weg sogar, missachtend die Regeln der Vernunft, des Natur- und Landschaftsschutzes, der Nachhaltigkeit und des Gemeinwohls.

So jedenfalls am Seegenberg in Schönberg. 2015 wurde für das laut Regierungspräsidium Darmstadt ökologisch wertvolle, parkähnliche Gebiet unter Einbeziehung von erheblichen Flächen bisherigen Außenbereichs ein Bebauungsplan erstellt. Dieser sah eine lockere Bebauung mit 41 bis 80 Wohneinheiten vor, wobei für die erforderlichen Prüfungen 60 Einheiten zugrundegelegt wurden.

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Fünf Jahre geschah nichts, 2020 verlangt nun der Investor eine Änderung des Bebauungsplanes mit der fadenscheinigen Begründung, die Topografie erfordere eine andere Straßenführung. Fadenscheinig, die Topografie, eine extrem steile Hanglage, war natürlich schon 2015 bekannt und bereits damals wurde sowohl von RP als auch Kreis eindringlich darauf hingewiesen.

Überdimensionierte Wohntürme

Was der Investor jetzt vorlegt, ist keine Änderung, es ist de facto ein komplett neuer Bebauungsplan, alle Gebäude, deren Positionierung und Gestaltung sind völlig andere. In überdimensionierten fünfgeschossigen Wohntürmen hoch über der B 47 und zu großen Teilen in noch mit Wald bestandenem Bereich sollen jetzt 170 Wohneinheiten entstehen. Eine nahezu Verdreifachung des Volumens von 2015. Hier geht es nicht um Topografie, sondern um Gewinnmaximierung.

Der Investor spricht hier von einer „verstädterten Besiedlung“, um diese Verdichtung zu begründen. Unfassbar, jedem Entscheidungsträger sei dringend geraten, sich vor Ort ein eigenes Bild zu machen.

Das Ganze soll nun in Coronazeiten, in denen die Beteiligung der Bürger ohnehin auf erhebliche Hindernisse stößt, auch noch im vereinfachten Verfahren nach Paragraf 13a BauGB durchgedrückt werden. Das würde bedeuten, weitere Verkürzung der Beteiligungsrechte und vor allem den Ausschluss der Umweltverträglichkeitsprüfung. Fatal für Natur und Landschaftsbild.

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Auch würde das in unmittelbarer Nachbarschaft unter Denkmalschutz stehende historische Ensemble, bestehend aus dem Schönberger Schloss sowie mehreren auf den Ort verteilten geschützten Gebäuden, für alle Zeit verdorben. Banausentum der gehobenen Art.

Und die Verantwortlichen der Stadt Bensheim? Gehör gefunden wurde bisher nur bei einzelnen Ortsbeiräten. Ansonsten überwiegend Desinteresse, teilnahmsloses Zuschauen und Abnicken der Zerstörung des Schönberger Tales. Angebotene Mitwirkung über eine Arbeitsgruppe seitens ortskundiger Anlieger, Vertreter von BUND, Nabu wurde seitens der Koalition pauschal abgelehnt.

Probleme werden kleingeredet

Die Stadtbaurätin vertritt bisher bemerkenswert unbeeindruckt das alleinige Interesse des Investors, die Wünsche desselben. Die neben der immensen Natur- und Landschaftszerstörung provozierten Probleme, unter anderem Sicherheit von Fußgängern, Radfahrern, Verkehr, Schall, Oberflächen- und Abwasser, Hangrutschungen, werden beiseitegeschoben und kleingeredet. Auch die drohenden, kaum abschätzbaren Folgekosten zulasten der Stadt.

Fazit: Eine großflächige Betonwüste von 170 Wohneinheiten mittels überwiegend fünfgeschossiger Wohntürme in einer alten Parklandschaft mal ebenso durchwinken, auf billigstem Niveau. Soll es das wirklich sein?

Verlieren wir nicht den Glauben an die Entscheidungsträger der Stadt. Eins sollte aber klar sein, im Schweinsgalopp wie bisher und in der vom Investor gewünschten Form kann dieses Großvorhaben nicht abgenickt werden. Verglichen mit dem Gerangel um den Marktplatz würde das zudem jede Verhältnismäßigkeit sprengen.

Die Stadtverordneten sollten sich ihrer Verantwortung für das Tal bewusst sein, sich persönlich ein umfassendes eigenes Bild vor Ort machen, um nicht den Fabulierungskünsten des Investors und Planerstellers in Wort und Bild auf den Leim zu gehen.

Hans Josef Becker

Schönberg

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