Stadtverwaltung Warum werden bei Problemen immer Externe angefragt?

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Die Zukunft der MEGB als politisches Streitthema“, BA vom 12. Februar

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Eigentlich hatte ich ja die Absicht, keinen Leserbrief mehr zu schreiben, weil ich aufgrund meiner 91-jährigen und dadurch nicht gerade geringen Lebenserfahrung der Meinung bin, dass außer einem zustimmenden Schulterklopfen einiger Freunde und Bekannten die Leserbriefe keine Reaktion bei den Betroffenen auslösen. Heute muss ich diesem Vorsatz untreu werden, weil sich mir schon lange eine Frage aufdrängt, die allerdings nur von der Stadt Bensheim zu beantworten ist.

Frage: Warum werden fast bei jedem etwas umfangreicheren Problem in den städtischen Gremien, mit der Vorstellung des Sachverhaltes in aller Regel zeitgleich, die angeblich erforderlichen, externen Personen und Einrichtungen mit dem meist erheblichen Kostenaufwand für die Überprüfung und die Erstellung von Gutachten genannt?

Im eigenen Haus lösbar

Das klassische Beispiel ist jetzt die notfalls erforderliche Auflösung oder gegebenenfalls Umstrukturierung des Aufgabenbereiches der Marketing- und Entwicklungsgesellschaft (MEGB) wegen Wegfall der ursprünglichen Hauptaufgabe, nämlich der angemessenen Vermarktung des Stubenwaldgeländes.

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Hier wird sogar wegen der sehr hohen Kosten für diese Fremdleistungen – laut O-Ton von Bürgermeisterin Klein „mehrere zehntausend Euro“ – die Erledigung dieser Aufgabe zumindest zeitlich erheblich gebremst. Bei der sehr guten qualitativen Ausstattung des städtischen Personals müsste meines Erachtens diese Aufgabe im eigenen Haus lösbar sein. Mir fällt auf, dass bei der Betrachtung der Lösungsvorschläge für das jeweilige Problem besonders dann Fremdhilfe zwingend erforderlich ist, wenn die Lösungsvorschläge „politischen Ärger“ auslösen könnten.

Während meiner Zeit der Ausbildung und beruflichen Tätigkeit bei der Stadt Bensheim von 1943 bis 1990 kann ich mich nur an wenige Aufgaben erinnern, die mit fremder und Kosten auslösender Hilfe bewältigt wurden. Sicher waren die Sorgen der Verwaltung durch die erheblich kleinere Einwohnerzahl weitaus geringer als heute, aber durchaus nicht in dem Schwierigkeitsgrad jedes einzelnen Problems.

Schwere Zeit nach dem Krieg

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Es ist doch heute schier unglaublich, dass vor der Währungsreform der erste demokratisch gewählte Bürgermeister der Stadt Bensheim, Josef Treffert mit dem alten städtischen Mercedes und dem städtischen Fahrer, vollgeladen mit städtischem Flaschenwein in das Ruhrgebiet fuhr, um auf dem dortigen „black market“ (der auch von Firmen betrieben wurde) alle möglichen Bedarfsartikel für die Stadt zu tauschen.

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Der Zweite Weltkrieg mit all seinen Einschränkungen war nicht, wie viele heute glauben, nach dem Einmarsch der Amerikaner Ende März 1945 zu Ende, sondern hat sich bis zur Währungsreform und den sich wieder füllenden Schaufenstern der einzelnen Geschäfte ausgedehnt. Der Winter 1945/46 war mit seiner strengen Kälte und dem allzeitigen Hunger eine sehr schwere Zeit.

Wenn heute mehr als 20 000 Bürger unseres Staates sich zu Protestbewegungen gegen die sinnvollen staatlichen Anordnungen zur Bekämpfung der schrecklichen Corona-Pandemie treffen und oft vor erheblichen Personen- und Sachschäden nicht zurückschrecken, denke ich oft, hätten diese Banausen den Zweiten Weltkrieg und die Jahre nach 1945 erlebt, wäre jede Beschränkung ihrer „demokratisch garantierten Freiheit“ vertretbar, um endlich wieder Normalität in unsrem Alltag zu erreichen.

Otto Schambach

Bensheim