Öffentlicher Nahverkehr VRN hat die Chance vertan, die das 9-Euro-Ticket bot

Lesedauer

„Schlechte Noten fürs 9-Euro-Ticket“, Bergsträßer Anzeiger vom Samstag, 15. Oktober

Als langjähriger Kunde des VRN habe ich mich über den Artikel und die sehr negativen Äußerungen des VRN-Geschäftsführers, Herrn Malik, und des Ersten Bürgermeisters der Stadt Mannheim, Herrn Specht, zum 9-Euro-Ticket maßlos geärgert.

Mehr zum Thema

Busse und Bahnen

Schlechte Noten fürs 9-Euro-Ticket

Veröffentlicht
Von
Stephan Alfter
Mehr erfahren

Ja, auch ich und viele meiner Bekannten, haben uns über das Ticket gefreut und es rege genutzt. Aber ausschlaggebend war nicht der sehr niedrige Preis von 9 Euro, wir hätten auch mehr dafür gezahlt. Aber es war toll, einmal den öffentlichen Nahverkehr zu nutzen, ohne „Waben“ zu zählen und ungeachtet der Verbund- und Ländergrenzen überall hin fahren zu können. Das begeistert und macht den ÖPNV attraktiv.

Für den VRN war es eine Chance, seine Leistungsfähigkeit zu demonstrieren, auch wenn er Verlust eingefahren hat, für den er übrigens nicht selbst aufkommen muss. Aber genau diese Leistungsfähigkeit war nicht zu erkennen. Stattdessen waren endlose Verspätungen, verpasste Anschlüsse und Zugausfälle die Regel. Da konnte auch das „Schnell mal nach Worms fahren“ rasch mal zur Odyssee werden, der BA berichtete darüber.

Und wie geht es jetzt, nach dem Ende des 9-Euro-Tickets weiter? Offensichtlich will der VRN an seinem Tarifsystem nichts ändern. Das bedeutete für den Kunden weiterhin Waben zählen, die komplizierten Übergänge zu anderen Verkehrsverbünden – und das ganz besonders zum RMV – bleiben schwammig. Mit etwas Glück kann man manchmal über Umwege sein gewünschtes Ziel dann doch noch erreichen, ohne das VRN Gebiet zu verlassen.

Schwierig wird es, wenn man mit einem Länderticket ins VRN Gebiet einreist und der Zielbahnhof gerade mal wenige Meter neben der Landesgrenze liegt (zum Beispiel Heppenheim/Laudenbach). Da braucht man ein Anschluss-Ticket, was man aber nur am entsprechenden Bahnhof kaufen kann. In der Praxis bedeutet das, die Fahrt zu unterbrechen, sich ein Ticket zu kaufen und mit der nächsten Bahn weiterzufahren.

Fazit aus den genannten Beispielen ist: Der ÖPNV-Kunde braucht kein Ticket zum Schleuderpreis, aber er braucht klare Tarife, die Verbund- und Länder- übergreifend sind. Wobei man für Kurzstrecken- und Gelegenheits-Fahrer selbstverständlich auch noch vereinfachte Tages- und Einzel-Tickets anbieten muss. So kann man neue Kunden gewinnen und die Bestandskunden auf Dauer halten.

Darüber sollten die Verantwortlichen des VRN einmal nachdenken, anstatt ihre Kunden mit Äußerungen wie Verriss und Strohfeuer zu verprellen.

Roland Ofenloch

Lorsch

Leserbrief-Richtlinien online: www.bergstraesser-anzeiger.de/leserforum