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Umwelt Vom Menschen überzivilisierte Welt?

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„Den Wald darf man nicht sich selbst überlassen“, BA-Leserbrief vom Samstag, 11. Juni

Das von der Leserbriefschreiberin angebrachte Argument, die „überzivilisierte Welt“ sei durch den Menschen aus dem Gleichgewicht geraten, ist einer jener regelmäßig auftauchenden dramatischen Appelle, die man in aller Ruhe untersuchen sollte.

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Dafür hilft wie so oft die Mathematik, die dann bei genauerer Betrachtung der sogenannten „Sachlage“ zumindest ein Stirnrunzeln hervorrufen könnte.

Als gutes Beispiel nehmen wir den größten Staat der USA, Alaska, der eine Gesamtfläche von circa 1,7 Millionen Quadratkilometern besitzt. Um einen Bezug und besseres Verständnis zu den Maßeinheiten unserer Wohnungen zu erhalten, wandeln wir diese Landfläche in Quadratmeter um: Ein Quadratkilometer entspricht einer Million Quadratmetern. Das heißt: Aus den 1,7 Millionen Quadratkilometern Alaskas werden 1,7 Billionen Quadratmeter – eine wahrhaft imponierende Zahl mit zwölf Nullen.

Teilen wir diese Zahl nun durch die geschätzten acht Milliarden Menschen, die auf dem Planeten leben sollen, dann erhalten wir etwas mehr als 200 Quadratmeter. Das bedeutet nichts anderes, als dass für jeden Menschen – egal ob Baby oder Uropa, ob Chinese, Inder oder Europäer – mehr als 200 Quadratmeter Wohnfläche alleine auf dem Gebiet nur von der Größe Alaskas zur Verfügung stehen. Sofern in den Privat-Haushalten noch Atlanten, Weltkarten oder Globen zur Verfügung stehen, sieht man sofort, wie klein Alaska im Vergleich zur gesamten Landfläche der Erde ist.

Der Laie wundert sich, der Fachmann hat so etwas schon länger geahnt. Denn wie vielen Erdbewohnern ist es überhaupt vergönnt, auf mehr als 200 Quadratmetern zu leben? Darauf ließen sich ohne Probleme zum Beispiel ein Haus von 100 Quadratmetern Grundfläche (zehn mal zehn Meter) und eine Parzelle gleicher Größe zur Selbstversorgung einrichten.

Es ist unbestritten, dass Metropolen teilweise völlig überzivilisiert sind, aber kann man daraus umgehend ableiten, dass dies für den gesamten Planeten gilt? Sollte man die Äußerungen sogenannter – oft genug selbst ernannter – „Experten“, einfach eins zu eins übernehmen, oder doch – auch wenn es vielen schwerfällt – nicht besser eigene Nachforschungen anstellen?

Gerd Rudolf

Lindenfels

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