Vom Formularkrieg überfordert

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Leserbrief zu „Warum bei der Grundsteuer das große Chaos herrscht“ (FN, 20. August).

Viele der 36 Millionen Eigentümer von Grundstücken, Häusern und Wohnungen haben sich sicher gefragt, warum die Finanzämter die nötigen Daten zur Grundsteuerreform ab 2025 nicht direkt von den Grundbuchämtern der Kommunen holen. Sie haben die Arbeit auf die späteren Steuerzahler abgewälzt. Und dies mit einem nicht nur schwerfälligen, sondern auch äußerst bürokratischen „Elster-Programm“ im Internet.

Hat man erstmal ein Benutzerkonto und ein Zertifikat, welches einem per Post zugeschickt wird, muss man sich durch eine benutzerunfreundliche Software durcharbeiten, wobei immer wieder Fehlermeldungen angezeigt werden. Fragt man beim Grundbuchamt nach, was beim Flurstück unter „Zähler“ und „Nenner“ gemeint ist, dann erhält man bereitwillig Auskunft: hat das Flurstück die Nummer 4000, ohne eine Schrägstrichnummer dahinter, so ist der Zähler diese 4000 und der Nenner eine 0.

Auch die Fragen, die das Finanzamt am besten beantworten kann, um im „Elster“ weiterzukommen, werden von dort freundlich beantwortet. Den Bodenrichtwert musste ich nicht eintragen, da er vom Amt selbst ermittelt wird. So kam ich nach einiger Zeit zur erlösenden Elster-Anzeige „Absenden“. Wenn das Modell Baden-Württembergs noch das einfachste aller Bundesländer sein soll, dann kann ich die Mitglieder anderer Bundesländer nur bemitleiden. Viele Bundesbürger werden von dem Formularkrieg überfordert sein und am Ende die Kosten für einen Steuerberater akzeptieren müssen. Ob der Steuerzahler ab 2025 mehr oder weniger berappen muss, hängt am Ende auch von den Kommunen ab, welche die Hebesätze festsetzen dürfen.

Gerd Hofmann, Unterbalbach