Atomkraft Viele Fragen zum AKW-Rückbau bleiben offen

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„Auf die Atomenergie folgt 2022 in Biblis ein großes Gaskraftwerk“, BA vom Donnerstag, 21. Januar

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Der Großteil des anfallenden Materials wie Bauschutt und Metalle sollen nach der Freimessung recycelt werden“, fasst der BA Teile des Vortrags von Kraftwerksleiter Röhrborn über den laufenden Rückbau des Atomkraftwerks Biblis anlässlich der letzten Online-Konferenz des Info-Forums zusammen. Und weiter: „Das heißt, für diese Wertstoffe erfolgt die Freigabe, wenn bei der Messung die radioaktive Energie so gering ist, dass sie nicht überwacht werden muss.“

Tatsächlich ist juristisch gesehen freigegebenes Material nicht radioaktiv – selbst wenn es strahlt. Denn seit dem Jahr 2001 bestimmt aufgrund einer Strahlenschutznovelle laut Atomgesetz der Gesetzgeber, ob ein Stoff radioaktiv ist oder nicht und somit aus der atomrechtlichen Zuständigkeit fällt.

Diese „Freigabe“ erfolgt, wenn sich die Strahlenbelastung im Bereich von zehn Mikrosievert bewegt, das Material also – physikalisch betrachtet – nicht frei von Radioaktivität ist.

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Inzwischen ist wissenschaftlich international unumstritten, dass ein Schwellenwert, unterhalb dessen Radioaktivität für den menschlichen Organismus unschädlich ist, nicht existiert. Insofern ist der vermeintliche „Wertstoff“ aus meiner Sicht weiterhin Atommüll.

Thema beim Infoforum war laut BA auch das von RWE geplante Gasturbinenkraftwerk in unmittelbarer Nachbarschaft des stillgelegten AKWs, über das das Unternehmen bereits Anfang Dezember 2019 informierte. Es mag noch einleuchten, dass das Werk zum Ausgleich flukturierender Einspeisung erneuerbarer Energie notwendig ist.

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In Zeiten des Klimawandels muss jedoch meiner Meinung nach sowohl die geringe Effizienz von etwa 40 Prozent wie die erhebliche CO2-Emission besonders auch deshalb Fragen aufwerfen, weil die Bundesregierung bei der Festlegung des Gasbedarfs und der Klimaauswirkungen auf Zahlen und Angaben des russischen Staatskonzerns Gazprom vertraut, dem Hauptlieferanten von Erdgas nach Deutschland. Das jedenfalls geht aus einer Antwort des Bundeswirtschaftsministeriums auf eine Anfrage des grünen Bundestagsabgeordneten Oliver Krischer vom September vergangenen Jahres hervor.

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Genauso verheerend wäre das Betreiben der geplanten Anlage mit Frackinggas aus den USA, für dessen Import an der Nordsee (Brunsbüttel, Wilhelmshaven, Stade) Terminals errichtet werden sollen. Die massiv umweltschädlichen Förderbedingungen in Russland und den USA sind inzwischen hinlänglich bekannt.

Rainer Scheffler

Lautertal

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