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Ukraine Trittbrettfahrer braucht die Ukraine nicht zu hofieren

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Ein Schlag ins Gesicht aller Deutschen“, BA-Leserforum vom Mittwoch, 20. April

Der Leserbriefschreiber darf gerne für sich sprechen, aber es steht ihm nicht zu, seine Gemütsverfassung auf „alle Deutschen“ zu übertragen. Ich für meinen Teil fühle mich mehr durch das zaudernde und schmallippige Verhalten unserer politisch Verantwortlichen beschämt als durch um Unterstützung ringende, ums Überleben ihres Landes kämpfende Politiker.

Die Ukrainer haben zur Zeit sicher Wichtigeres zu tun, als auf deutsche Befindlichkeiten Rücksicht zu nehmen. Uns kommt es in keiner Weise zu, ihnen deshalb Vorhaltungen zu machen beziehungsweise den „Affront“ als Vorwand zu nehmen, unsere unzureichende Unterstützung im Nachhinein zu rechtfertigen.

Ich habe großes Verständnis für einen ukrainischen Präsidenten oder Botschafter, den nicht nur der Mut, sondern mittlerweile auch die Wut der Verzweiflung dazu bringt, diplomatische Gepflogenheiten hinter sich zu lassen.

Wir müssen uns schon den Vorwurf gefallen lassen, dass unsere Appeasement-Politik der letzten Jahre gegenüber Putin in der Hauptsache unserem Eigennutz diente und wir alle Warnungen vor allem osteuropäischer Staaten in den Wind geschlagen haben. Die Verbrüderungsbilder Putin umarmender deutscher Politiker können uns in der Rückschau nur noch peinlich sein.

Und was den Besuch unseres Bundespräsidenten betrifft, habe ich eine andere Wahrnehmung. Das Bundespräsidialamt hat niemals die Aussage von Präsident Selenskyj dementiert, dass es keine offizielle Anfrage von deutscher Seite zum Besuch Steinmeiers in Kiew gab. Ich habe der Tagesschau vom 12. April vielmehr entnommen, dass Steinmeier auf Einladung des polnischen Präsidenten Duda, „dazu bereit gewesen war“ mit ihm und den drei baltischen Amtskollegen nach Kiew zu fahren. Eigeninitiative sieht meiner Meinung nach anders aus. Trittbrettfahrer, die ihr eigenes Image aufpolieren wollen, würde ich aus ukrainischer Sicht auch nicht hofieren. Charkiw, Mariupol und andere ukrainische Städte werden durch ein verbrecherisches, menschenverachtendes Regime vernichtet. Putins Russland bringt Tod und Verwüstung in diese Städte, denen eine vergleichbare Zerstörung zuletzt zwischen 1941 und 1944 durch Nazideutschland widerfahren ist.

Doris Tiemann

Bensheim

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