AdUnit Billboard

Corona Triage: Es darf nicht soweit kommen

Lesedauer

Vor exakt einem Jahr forderte der Lindenfelser Bürgermeister Michael Helbig im BA vom 31. Dezember 2020 angesichts der Corona-Pandemie und den damit verbundenen drastischen finanziellen Ausfällen durch Verschiebung planbarer Behandlungen und Operationen in den Krankenhäusern eine Änderung des Finanzierungssystems, insbesondere die Abschaffung der 2003 eingeführten Fallpauschalen, weil es ein Fehler gewesen sei, „das Gesundheitswesen dem freien Spiel des Marktes zu überlassen“, wie es im BA hieß.

Helbig damals: „Medizinische Versorgung ist nach meiner Auffassung ein Grundrecht und gehört in staatliche Hände.“ Ich habe Michael Helbigs Ausführungen seinerzeit in einem Leserbrief am 5. Januar 2021 im BA uneingeschränkt zugestimmt und schrieb: „Die Pandemie zeigt uns deutlich, wie schnell dieses ökonomisierte System an seine Grenzen stößt.“

Ein Jahr später werden die Probleme und Folgen des Finanzierungssystems aus meiner Sicht wie unter einem Brennglas unter dem Eindruck von Omikron noch deutlicher und haben mit der Debatte um die pandemiebedingte Triage, also die Auswahl der zu behandelnden Patientinnen und Patienten in pandemiebedingter Notlage, einen traurigen Höhepunkt erreicht.

Urteil aus Karlsruhe

Das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) hat Ende Dezember meiner Ansicht nach insofern für Klarheit gesorgt, dass es im Falle einer Triage nur zulässig sei, auf die hohe Wahrscheinlichkeit des Überlebens bei der jeweils gegenwärtigen Krankheit auf der Intensivstation abzustellen, nicht aber auf Kriterien wie die mögliche Lebenserwartung oder die künftige Lebensqualität und Ähnliches.

Auslöser für die Verfassungsbeschwerde vor dem BVerfG vor einem Jahr war die Befürchtung von Menschen mit Behinderung, im Falle einer pandemiebedingten Triage aufgrund schlechterer Gesundungsprognosen benachteiligt zu werden. Jetzt muss der Gesetzgeber „unverzüglich“ (BVerfG) Regelungen zum Schutz der Menschen treffen. Man darf auf die Debatte im Bundestag gespannt sein.

Mit Stand 28. Dezember 2021 waren nach meinen Informationen durchschnittlich noch 2,4 Intensivbetten pro Standort frei. Sinkt der Wert unter 2, können nicht mehr alle Notfälle behandelt werden. Bisher konnten bei Engpässen Patienten noch in andere Bundesländer verlegt werden.

Allerdings ist die Situation heute in den Kliniken völlig anders als vor einem Jahr: Die zur Normalität gewordene Notlage hat sich aufgrund von Fachkräftemangel und dem Rückzug vieler Beschäftigter wegen der enormen Belastung verschärft. Ergebnisse konkreter Politik.

Rainer Scheffler

Lautertal

Leserbrief-Richtlinien online: www.bergstraesser-anzeiger.de/leserforum

AdUnit Footer_1
AdUnit Mobile_Footer_1