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Atomenergie „Technisches Versagen“

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Habeck-Plan funktioniert nicht“, BA vom Donnerstag, 8. September

AKW-Reserve für den Worst Case – dies schien für den Bundeswirtschaftsminister ein Kompromiss zu sein, mit dem er offenbar zumindest jene zufriedenstellen wollte, die auf das im Atomgesetz festgeschriebene Aus der AKWs Emsland, Isar 2 und Neckarwestheim Ende 2022 pochen beziehungsweise einen „Streckbetrieb“ bis Ende April 2023 für Isar 2 und Neckarwestheim befürworten.

Dass Union und der Koalitionspartner FDP dies nicht ausreichend finden, war klar: Sie fordern eine Laufzeitverlängerung – auch mit neuen Brennstäben. Inzwischen hat jener „Stresstest“, der vom Bundeswirtschaftsministerium bei den vier deutschen Fernnetzbetreibern in Auftrag gegeben wurde, zu dem Ergebnis geführt, dass unter extremen Umständen zwei AKWs – Isar 2 und Neckarwestheim – gebraucht werden könnten, um die Stromversorgung im Winter in Süddeutschland zu gewährleisten.

Jetzt hat Isar 2-Betreiber Preußen Elektra dem Bundeswirtschaftsminister mitgeteilt, dass es „technisch nicht machbar“ sei, die Anlage aus der Kaltreserve bei Bedarf schnell hochzufahren, um das Stromnetz zu stabilisieren. Aus meiner Sicht hat der Betreiber recht und mir ist schleierhaft, wie Habeck einen Plan präsentieren kann, ohne sich zuvor mit dem AKW-Betreiber über die technische Machbarkeit zu verständigen.

Zeitaufwendiger Austausch

Es ist nichts Neues und man muss auch kein Atomkraftgegner sein, um zu wissen, dass Atomkraftwerke viel zu träge sind, sich also nicht schnell hochfahren und wieder abregeln lassen, um schnellen Verbrauchsänderungen zu folgen. Nur so würde das Konzept der „Notfallreserve“ aus meiner Sicht Sinn machen.

Insofern ist auch der Einwand Habecks nicht schlüssig, sein Konzept sehe vor, „einmal zu entscheiden, ob man die Kraftwerke braucht oder nicht“ (Zitat aus dem im Betreff genannten Artikel). Und: „Dies könne im Dezember, Januar oder Februar geschehen.“ Es könnte allerdings auch mehrfach in unterschiedlichen Zeitabständen geschehen, dies weiß niemand vorher.

Insofern wären – anders, als vom Bundeswirtschaftsminister verlautbart – doch sogenannte „Lastwechsel“ nötig. Das zentrale Problem dabei ist der zeitaufwendige Austausch des Kühlwassers mit seinem Bor-Anteil. Insofern ist es aus meiner Sicht etwas billig, den Technikern von Preußen Elektra vorzuhalten, sie hätten „das Konzept des Reservebetriebs nicht verstanden“.

Bei aller Sympathie für Habeck und Verständnis für seine zugegeben schwierige Aufgabe: Sein Spagat zwischen Notfallreserve und streng befristeter Laufzeitverlängerung („Streckbetrieb“) ist für mich eher eine Form von „technischem Versagen“.

Rainer Scheffler

Lautertal

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