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Wasserversorgung Stoff für Bollywood

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ZZu einem sorgsameren Umgang mit unserem Wasser ermahnt die Riedgruppe Ost im BA-Artikel vom 22.März die Verbraucher, der BUND fordert eine Erweiterung der „Kapazität zur Grundwasseranreicherung“.

Und was macht Lautertal? Dort will man mit 33 Häusern des in Elmshausen geplanten Neubaugebietes „Im Schmelzig“ die Wasserschutzzone III auf einer Fläche von etwa 8400 Quadratmetern versiegeln. Die untere Wasserbehörde beim Kreis Bergstraße hat in ihrer Stellungnahme vor einer geringeren Bildung von Grundwassser und somit einer geringeren Versorgung des direkt am Baugebiet befindlichen Tiefbrunnens gewarnt. Der Tiefbrunnen ist Teil der Wasserversorgung für Elmshausen und der sogenannten Tiefzone Reichenbach und somit für rund 3000 Bürger.

Weniger Wasser für die Bürger

Erschwerend ist einem hydrologischen Gutachten zu entnehmen, dass eine Gefährdung des Tiefbrunnens durch verunreinigtes Grundwasser bei der geplanten Entwässerung in die Lauter ebenfalls nicht auszuschließen ist. Dieses Problem löst man unter anderem damit, dass dem Tiefbrunnen weniger Wasser entnommen werden darf, um eine zu starke Sogwirkung im Grundwasser in Richtung des Brunnens zu vermeiden. Es steht also dann für mehr Bürger weniger Wasser zur Verfügung, obwohl der Brunnen jüngst für über 100 000 Euro saniert wurde. Stoff für Bollywood.

Aber für die sichere Versorgung gibt es ja die Riedgruppe Ost, an die Lautertal ungefähr die doppelte Menge an Trinkwasser bezahlen muss, wie sie tatsächlich bezieht. Die beiden zusätzlichen Brunnen, die im Ried jetzt in Betrieb genommen werden sollen, dienten keineswegs einer Erhöhung der Fördermenge für das Rhein-Main- Gebiet. Eine solche sei „weitgehend ausgeschlossen“, so der Verband.

Älteren, einschlägigen Presseberichten zufolge hat die Arbeitsgemeinschaft „Wasserversorgung Rhein-Main“, zu der auch die Riedgruppe gehört, aber bereits vor über sechs Jahren beim Regierungspräsidium Anträge zur Erhöhung der Förderrate aus dem Ried auf 30 Millionen Kubikmeter gestellt. Für die Probleme im Ried gibt es aber auch eine Lösung, nämlich die Infiltration von Rheinwasser. Wie unerschöpflich der Rhein ist, haben wir in den letzten Jahren erlebt.

Auch ökonomisch völlig sinnlos

Wie die Politik mit unserem Trinkwasser umgeht, erleben wir aktuell mit Tesla in Brandenburg und mit Coca-Cola in Lüneburg.

In Lautertal ist es verantwortungsvollen Kommunalpolitikern tatsächlich gelungen, sich mehr als zwei Jahre lang über das Baugebiet „Destag“ zu streiten, bis es ad acta gelegt werden musste, obwohl die angestrebte Nutzung des Geländes mehr als Sinn machen würde.

Beim Baugebiet „Schmelzig“, das verkehrstechnisch, ökologisch und auch ökonomisch völlig sinnlos ist, bei dem die Gemeinde das Normenkontrollverfahren mit Pauken und Trompeten gegen die Bürgerinitiative verloren hat und dem zum zweiten Mal ein Desaster droht, haben die Kommunalpolitiker bis jetzt alles einstimmig abgenickt und nicht einmal kritische Fragen gestellt. Ein Schelm, der Böses denkt.

Vielleicht ist der Sachverhalt für die Kommunalpolitik doch zu komplex, ein Blick auf alle Dokumente des Planverfahrens auf der Homepage der Gemeinde könnte weiterhelfen, doch das überlässt man lieber den fachkundigen Bürgern.

Wolfgang Vetter

Elmshausen

Info: Leserbrief-Richtlinien unter bergstraesser-anzeiger.de/ leserbriefe

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