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Tierschutz Seit 35 Jahren im Einsatz gegen das Katzenelend

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Leserforum "Vereine sollten nicht gegeneinander arbeiten" und "Äußerungen sind unsachlich und brutal", BA vom 13. Februar

Als ich vor 35 Jahren für eine kurze Zeit in einen Bensheimer Vorort zog, hatte ich das pure Katzenelend vor meiner Haustür. Hier gab es zehn Katzen, um die sich keiner kümmerte, um die Ecke waren es noch mal 20, die meisten waren handscheu. Ich war arm wie eine Kirchenmaus, trotzdem fütterte ich sie alle, weil sie total ausgehungert waren und ich Mitleid mit ihnen hatte.

Als eine Katze mit Jungen ankam, tat ich das vermeintlich Naheliegende. Ich rief im Tierheim an, es ging um die Kastration der Mutterkatze. Was ich damals erlebt habe, hat mich für immer geprägt. Man war einfach nur patzig zu mir, die katzenabwertenden Worte möchte ich hier nicht wiederholen.

Auf eigene Kosten

Also mussten wir zur Selbsthilfe greifen, bauten uns Fanghilfen und bestellten hochwertige Transportboxen. Mit diesem guten Zubehör konnten wir dann alle Katzen einfangen und kastrieren lassen, auf unsere eigenen Kosten natürlich. So fing meine "Karriere" an, und heute helfen wir den Leuten, die in Not sind, so wie ich es damals war - und das sind sehr, sehr viele.

Es ist so einfach, den armen, geplagten Katzen nachhaltig zu helfen. Nach einer kurzen Zeit gründeten wir den Verein Katzenhilfe Bensheim. Doch da wir ganz schnell Ansprechpartner in allen Tierangelegenheiten wurden, benannten wir unseren Verein passenderweise in Tierschutzverein Bensheim um.

Als mich mein damaliger Chef ansprach, ob wir mit unserer Vereinsgründung dem Tierheim Konkurrenz machen wollten, sagte ich nur: Für uns gibt es keine Konkurrenz, und wenn das Tierheim gut wäre, bräuchte es uns nicht zu geben.

Schlimme Berichte

Immer wieder hörte ich schlimme Berichte über gequälte Katzen. Es war also höchste Zeit, dass sich endlich jemand der vielen Tiere angenommen hat. Wir fuhren über die Lande und boten überall das Kastrieren an. Nicht immer waren die Leute freundlich. Sogar Gewalttätigkeiten wurden uns angedroht.

Auf Bauernhöfen im Odenwald konnte es schon mal passieren, dass der Bauer mit der Mistgabel auf uns losgegangen ist. Zu der Erklärung, dass fünf kastrierte, gesunde Katzen besser sind als 35 kranke, unkastrierte, kamen wir dann nicht mehr.

Auch bei den Behörden wurden wir schlecht behandelt. Dabei muss das Ordnungsamt die Erstbehandlung einer jeden Katze plus die Aufbewahrung bis zu einem halben Jahr bezahlen. Aber dort hat man mich mit Häme überschüttet und abwertend "Katzenmama" genannt.

Das Unerträglichste aber war, dass das Tierheim uns mit ungeheurer Skrupellosigkeit jede Katze schickte - außer den Kleinen natürlich. Es gab die Order, Leuten, die ihre Katze los werden wollten, zu sagen: Bringen Sie sie der Frau Neuhauser. Jahre, jahrzehntelang ging das so.

Aus dem Auto geworfen

Es tut mir leid, dass unsere Nachbarschaft in diesen Jahren unter den Katzen litt, die eigentlich dem Tierheim galten, aber völlig schamlos zu uns geschickt oder sogar in unserer Straße aus dem fahrenden Auto rausgeworfen wurden. Auf einen finanziellen Ausgleich für die Versorgung all dieser vielen Katzen warte ich noch heute.

Und wie oft ist es uns passiert, dass wir jemandem geholfen haben, Tierelend human zu lösen. Doch dann sahen wir, dass diese Bausteine für das Tierheim gekauft und uns keinen Pfennig gegeben haben, obwohl sie wussten, dass wir unser eigenes Geld für die von ihnen in Auftrag gegebenen Tierarztkosten geopfert haben. Das tut weh, richtig weh.

Formfehler bei Erbschaften

Es gab auch Erbschaften, die eigentlich uns zugedacht waren, aber wegen eines Formfehlers dann ans Tierheim gingen. Das ist so ähnlich, wie wenn jemand zehn Jahre intensiv und unter größten Opfern seine Mutter pflegt und dann die Schwester das Haus und das Bargeld erbt.

Wer einmal das gesehen hat, was wir jeden Tag verkraften müssen - nämlich die unzähligen aufgespießten, abgefackelten, zerstückelten Katzen, der wird bald begreifen, warum wir bei lustiger Katzenvermehrung rot sehen.

Wenn jemand was von Raumfahrt, Heizungsbau oder von Mode erzählt, halte ich mich grundsätzlich zurück, weil ich davon nicht das Geringste verstehe. Deshalb erwarte ich auch, dass jemand, der vom Katzenelend nichts weiß, genau dasselbe macht. Die meisten Menschen ahnen scheinbar nicht, dass das Jungemachenlassen von Katzen in direktem Zusammenhang mit deren Quälerei zu tun hat.

Man nenne mir das Tier, dem ich nicht geholfen habe!

Lisa Neuhauser

Tierschutzverein Bensheim

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