Corona-Pandemie Schützen OP-Masken vor Aerosolen?

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OP-Masken werden eingesetzt bei Operationen (daher der Name!). Sie sollen den OP-Bereich des Patienten vor Speicheltropfen des OP-Teams schützen, das natürlich während des Eingriffs kommunizieren muss. Für diesen Zweck sind sie nach vorn geschlossen; nach den Seiten und nach oben und unten bedürfen sie keiner Abdichtung: Sie sollen ja nur die Tröpfchen zurückhalten (auch Aerosole einzufangen, war nicht das Ziel, wenn die überhaupt als relevant betrachtet wurden…).

Tröpfchenflug verhindern

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Als vor knapp einem Jahr das Wüten von Corona nicht mehr wegdiskutiert werden konnte, bequemte sich der Präsident des Robert-Koch-Instituts Prof. Dr. Lothar H. Wieler – der griesgrämige Veterinär (so die FAZ am 22.12.20) – endlich, Masken zu empfehlen, um Tröpfchen am weiteren Wegfliegen zu hindern; daher kommt die Regel, nach vorn (aber nicht zur Seite!) Abstand zu halten.

Nun wusste man zwar aus Influenzazeiten, dass die Übertragung überwiegend über Tröpfchen verläuft; wie aber Ansteckung und Ausbreitung genau funktioniert, kümmerte niemand.

Und Maskentragen wie Asiaten – das macht doch kein weißer Mitteleuropäer! (Wie hat man sich amüsiert über die in Frankfurt messereinkaufenden Scharen von maskierten Japanern.)

Staatliches Versagen kaschiert

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Folglich gab es auch keine Masken, aber Appelle an alle, die des Nähens kundig seien, die sicher vorhandenen häuslichen Stoffreste in Masken umzuwandeln. Es war eine großartige Leistung (nahezu erinnernd ans Winterhilfswerk weit vergangener Jahre), wie diese Menschen (überwiegend natürlich Frauen) eklatant staatliches Versagen zunächst einmal kaschierten.

Die Mitwirkung von Aerosolen wurde von Virologen und Epidemiologen in Abrede gestellt.

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Als dann im Sommer die Zahlen der Infizierten und Opfer stark zurückgingen (nur wenige Hotspots in Großbetrieben der Fleischverarbeitung, wo winterliche Bedingungen die Viren erfreuten, irritierten), legte man weiter die Hände in den Schoß, anstatt alle Betreiber von Kühlräumen zu deren Desinfizierung zu verpflichten.

Prozesse mit Hobby-Importeuren

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Mit zig Milliarden wurden in Schwierigkeiten geratene Klein- und Großunternehmer unterstützt; aber in Deutschland eine Produktion von FFP2–Masken aufzubauen, die die Bevölkerung kurzfristig, ausreichend und vielleicht sogar kostenlos auch mit Kindergrößen versorgen könnte – wie kann man darauf kommen?

Lieber prozessiert man mit Hobby-Importeuren wegen derer nicht zertifizierter Ware. Und weil dem so ist, empfiehlt man wider besseres Wissen neben den für Träger und seine Umgebung recht wirksamen FFP2-Masken die Verwendung von zum Einfangen der Aerosole absolut untauglichen OP-Masken.

Verantwortungslose Ignoranten

Es ist menschlich, Fehler nicht zuzugeben. Jetzt aber überbieten sich alle Beteiligten mit Eingeständnissen: die einen, weil sie es nicht besser wussten, und die anderen, weil sie sich auf die Nichtwissenden verlassen haben – eine Gemeinschaft von verantwortungslosen Ignoranten, die sich nun auch beim Besorgen von Impfstoffen hinten angestellt haben.

Ein Hinweis sei zum Schluss noch angebracht: Die bekannten AHA-Regeln sollte man weiterhin konsequent befolgen.

Dr.-Ing. Jochen Henke

Bensheim

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