Tönnies Rassismus-Vorwurf erstickt viel zu oft sachliche Debatte

Lesedauer: 

„Rassismus-Eklat um Tönnies“, BA vom Samstag, 3. August

AdUnit urban-intext1

Leider gibt es zu den Vorwürfen „rassistisch“ und „rassistische Ressentiments“ keine näheren Erklärungen. Dagegen urteilte Dagmar Freitag, SPD-Politikerin und Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag, in der FAZ präziser. „Wenn ich einen ganzen Kontinent und seine Bevölkerung in eine Ecke stelle, dann erfüllt das für mich schon eher den Tatbestand des Rassismus ...“ Nach dieser harten Kritik an Herrn Tönnies stellt sich die Frage: Gehören die Vereinten Nationen mit ihren Aussagen über den ganzen afrikanischen Kontinent und seine Bevölkerungsentwicklung nun ebenfalls an den Pranger für Rassisten?

In prominenter Gesellschaft

Nicht selten werden die Rassismus-Etiketten zur Entwertung missliebiger Meinungen. Zur Diskriminierung oder für den Rufmord an Konkurrenten verwendet.

So geschehen, als der hessische Integrationsminister Jörg Uwe Hahn (FDP) das „asiatische Aussehen“ des Wirtschaftsministers Philipp Rösler erwähnte, dessen Eltern Vietnamesen waren. Obwohl er nicht ein einziges abfälliges Wort über Philipp Rösler gesagt hatte, wurde ihm von der politischen Konkurrenz Rassismus vorgeworfen.

AdUnit urban-intext2

Der stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende Carsten Linnemann, so war im Rundfunk zu hören, bediene „rassistisches Denken“. Sein „Vergehen“: Als Sprachtests in Duisburg ergaben, dass mehr als 16 Prozent der künftigen Erstklässler kein Deutsch können, schlug er vor, diese Kinder ein Jahr zurückzustellen und sprachlich zu fördern. Wie dieser Fall zeigt, genügt allein schon das kritische Benennen einer Tatsache und ihrer Folgen, um als Rassist abgestempelt zu werden.

Inflationäre Verwendung

Der „Rassist“ Tönnies befindet sich in prominenter Gesellschaft, denn auch für Heinz Buschkowsky, den ehemaligen Bürgermeister von Berlin-Neukölln, gab es kein Entkommen vor der Rassismuskeule. Buschkowsky ist (TV-)bekannt wegen seiner reichen Erfahrungen im Umgang mit Ausländern. Mit seinem Buch „Neukölln ist überall“ wollte er bewusst jeden Anstoß vermeiden, indem er weder Gruppen noch Ethnien benannte. Auch er wurde als Rassist beschimpft.

AdUnit urban-intext3

Für die missbräuchliche, inflationäre Verwendung des Rassismus-Begriffs — wie im Falle von Herrn Tönnies — gäbe es noch viele Beispiele.

AdUnit urban-intext4

Die Soziologin Necla Kelec urteilte, dass man Begriffe wie Rassismus oder Populismus einsetzt, um überfällige Diskussionen zu verhindern. So werden für die Durchsetzung der „politischen Korrektheit“ die Begriffe Rassismus, Rassist oder rassistisch leider oft missbräuchlich und inflationär verwendet, um die vom Mainstream abweichenden Meinungen ohne Sachdiskussion einer „rechten“ Gesinnung zuzuordnen.

Dieter Stephan

Bensheim