Corona-Pandemie Probleme mit Zahlen oder mit der Kommunikation?

Lesedauer: 

„Weniger neue Corona-Patienten in der Kreisklinik“, BA vom Freitag, 15. Januar

AdUnit urban-intext1

In diesem Artikel wird zum wiederholten Male auf die „angespannte Situation“ in den Intensivstationen hingewiesen. Als täglicher Beobachter von www.intensivregister.de, der vom Robert-Koch-Institut referenzierten Internet-Seite über die Auslastung genau dieses Bereichs, kann ich nur feststellen, dass dies nichts mit den Covid-19-Patienten zu tun hat.

Seit Wochen wird für den Kreis Bergstraße dokumentiert, dass die Quote von Covid-19-Patienten zur Gesamtanzahl von Intensivbetten bei circa 15 Prozent liegt – mal ein bisschen mehr, mal ein bisschen weniger. Das heißt, dass 85 Prozent der Patienten mit anderen Schwersterkrankungen oder -verletzungen dort auf intensiv sind und nicht wegen des Virus.

Zwei andere Aspekte sind noch auffallend:

AdUnit urban-intext2

1. Die Gesamtanzahl der Intensivbetten in Deutschland ist seit Mitte 2020 trotz Pandemie um mehrere tausend Betten geschrumpft, dazu sind circa 20 Krankenhäuser geschlossen worden. Die Liste liegt mir vor. Wie passt das trotz monatelang währendem Katastrophenzustands zusammen?

2. Der benachbarte Odenwaldkreis ist gemessen an der Einwohnerzahl nur halb so groß, verfügt aber um mehr als die dreifache Anzahl von Intensivbetten. Das heißt: Wenn hier das Kreiskrankenhaus Bergstraße am Anschlag ist, muß der Krankenwagen in den Odenwaldkreis düsen – und zwar so schnell, dass der Patient die rettende Fahrt noch überlebt.

AdUnit urban-intext3

Anscheinend liegt ein riesiges strukturelles Problem des angeblich „besten Gesundheitssystems“ der Welt vor, das durch fehlende Kittel, Desinfektionsgeräte, Masken und so weiter zu Beginn der Krise bereits offenbar wurde.

AdUnit urban-intext4

Das sollte man bitteschön dem Bürger gegenüber auch so kommunizieren und nicht den Eindruck erwecken, als ob das Virus damit zu tun habe. Es hat den Mangel eher schonungslos offengelegt.

Gerd Rudolf

Lindenfels

Leserbrief-Richtlinien online: www.bergstraesser-anzeiger.de/leserforum