Weihnachtsbeleuchtung Lichterglanz mit Rattenschwanz

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Erst eins, dann zwei, dann drei, dann … viel zu viele. Verzeihung. Ich entschuldige mich im Voraus, weil ich eventuell bisherige einleuchtende Erklärungen zum unbeirrt strahlenden adventlichen Lichterschmuck nicht wahrgenommen habe. Und weil mir, wie wohl vielen, alle Jahre wieder die brillante luminöse Inszenierung unseres heimeligen Städtchens vorweihnachtlichen Glanz in die Augen treibt.

Aber in einer der letzten Nächte rieb ich mir von hellem Schein geweckt verschlafen eben diese, um verwundert festzustellen, dass die vielen Lichtlein an den Dächern um kurz vor drei Uhr morgens noch immer hartnäckig weihnachtliche Vorfreude verbreiteten. Dies war sicher nur eine einmalige Fehlschaltung, denn seither scheinen sie wieder nur adrett zu den üblichen Zeiten, nämlich nach meiner Beobachtung meist von drei Uhr nachmittags bis elf Uhr abends.

Aber durch diese einmalige frühmorgendliche Erleuchtung (ich möchte nicht das Wort Epiphanie benutzen) wurde mir blitzartig eines klar: Zu viel des Guten ist nicht mehr gut. Und schon gar nicht in diesen Zeiten.

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Im Licht der Laterne

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Von
red
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Natürlich sollte uns etwas adventliches Licht Trost und Hoffnung schenken. Vielleicht sogar im weltlichen Sinne durch Verzaubern zur Belebung unserer schönen Innenstadt beitragen. Aber in Zeiten, in denen Familien überlegen müssen, welche Lampe im Haus sie noch einschalten (von Heizkörpern ganz zu schweigen), kommt die Entscheidung, ungeachtet jeglicher Umstände hunderte bis (wer weiß es?) tausende von Glühbirnen über Wochen hinweg acht Stunden täglich brennen zu lassen, der eines Sonnenkönigs gleich.

Stadt könnte ein Zeichen setzen

Energiesparen wäre angemessen (Flashback: hatte nicht der deutsche Städtebund etwas Ähnliches sogar eingefordert …?). Mein unmaßgeblicher Vorschlag wäre, vielleicht die Beleuchtung halbierend auf die Zeit von fünf Uhr nachmittags bis neun Uhr abends zu beschränken und auf jede eventuell noch weitere geplante Lichtinstallation zu verzichten. Auch, wenn dafür vielleicht manch einer das eigene Licht unter den Scheffel stellen muss.

Ja, Licht vertreibt zeitweilig das Gefühl der zunehmenden Dunkelheit, das sich in unsere Gesellschaft geschlichen hat. Aber es kann auch verblenden.

Liebe Verantwortlichen, bekämpft die Dunkelheit doch lieber durch echte Solidarität mit euren Bürgern. Die Stadt könnte zumindest als leuchtendes Beispiel ein Zeichen setzen. Vielleicht könnten sogar Ersparnisse durch reduzierte Beleuchtung den zunehmend in persönlicher Dunkelheit stolpernden Menschen zugutekommen. Im Wort Solidarität steckt übrigens, soweit ich weiß, nicht das lateinische Wort solis für Sonne. Sollte es aber.

Gina Meyer

Bensheim