Corona-Pandemie Landesregierung mit eigenartigem Impf-Konzept

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„Landräte machen Druck ...“ und „Keine Hürden für Impfwillige“, BA vom Freitag, 15. Januar

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In dem Bericht und dem Kommentar ist nur ein Aspekt der verfehlten Impfzentrum-„Strategie“ des Landes Hessen erwähnt, nämlich die Frage der mangelnden Wohnort-Nähe des Darmstädter Impfzentrums für Hochbetagte aus den südhessischen Landkreisen.

Bisher wurde aber in den Medien ein zweiter, verblüffender Aspekt nicht erwähnt, der einem wirklich sozusagen die Klappe herunterfallen lässt: Ich habe am Abend des 14. Januar in einem offenen Telefonat mit einem Mitarbeiter des hessischen Impfterminservices erfahren, dass sehr viele Zweitimpfungen, die bisher noch ausschließlich im Darmstädter Impfzentrum geplant werden mussten, wegen Terminknapppheit (also nicht wegen fehlenden Impfstoffs, wie man hätte vermuten können) erst circa vier bis sechs Wochen nach der Erstimpfung terminiert werden konnten, so wie auch bei meiner Mutter geschehen.

Der Engpass für zeitnahen ausreichenden Immunitätsschutz der relativ wenigen Hochbetagten, also Angehörigen der höchsten Prioritätsgruppe, denen bisher überhaupt Impftermine angeboten werden konnten, ist also erstaunlicherweise nicht dem Lieferengpass der Impfstoffe, sondern dem Unvermögen und Unwillen der hessischen Landesregierung geschuldet, zeitnah alle 28 Kreis-Impfzentren statt erst am 19. Januar nur sechs regionale Impfzentren in den Großstädten zu eröffnen. Denn zumindest das für die südhessischen Landkreise zuständige Darmstädter Impfzentrum kann schon jetzt die aus der Erstimpfung resultierende Anzahl zeitnaher Zweit-Impftermine aufgrund der Begrenzung der maximal möglichen Öffnungszeiten gar nicht anbieten.

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Hessen als einziges Bundesland, in dem auf unabsehbare Zeit nicht alle Impfzentren eröffnet werden, schafft damit eine zusätzliche Gefahr für noch nicht ausreichend immunisierte Hochbetagte, indem diese länger als nötig auf die zweite Impfung warten müssen.

Begründet wird das mit „noch nicht möglichem gleichmäßigen und planbarem Zufluss von Impfstoffen“. Entweder sind die hessische Landesregierung und die beteiligten Ministerien und Behörden (anders als die anderen Bundesländer) unfähig, Impfstoff zielgerichtet auf 28 Impfzentren zu verteilen, oder sie machen es sich einfach zu leicht und gefährden damit grob fahrlässig die schnelle Durchimpfung der besonders gefährdeten Alten.

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Klar ist, dass es nicht in Ordnung ist, ausgerechnet die am wenigsten mobilen Personen aus der ersten Prioritätsgruppe im „einzig- oder eigenartigen Konzept“ der hessischen Landesregierung zu zwingen, eine längere Reise mit etwa drei- bis fünfstündiger Abwesenheit von ihrer Wohnung in Kauf zu nehmen, um ihren Wunsch nach schneller Impfung realisieren zu können. Was das für pflegebedürftige Hochbetagte – zum Beispiel Inkontinenz- oder Dialysepatienten – bedeutet, kann sich jeder leicht vorstellen. Nicht so die hessische Landesregierung, der man an dieser Stelle den Vorwurf der Inkompetenz, Arroganz und Sturheit leider nicht ersparen kann.

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Thomas Desaga

Bensheim