Pandemie

Impfungen beim Hausarzt: Nicht drängeln, bitte!

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Ich richte diesen Leserbrief aus gegebenem Anlass vor allem an die Patientinnen und Patienten, die ich hausärztlich betreue – aber auch an alle anderen, die sich für eine „Corona-Impfung“ entschieden haben, um sich an der Eindämmung der Corona-Pandemie zu beteiligen. Vielleicht spreche ich auch der/dem einen oder anderen Hausärztin oder Hausarzt aus der Seele.

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Wir Hausärzte können Ihnen seit 7. April neben den Impfzentren ein Impfangebot machen. Die Teilnahme an der Impfkampagne ist für uns Hausärzte freiwillig, wir wurden nicht vom Gesetzgeber dazu verpflichtet.

Diese Impfkampagne ist anders

Wir Ärzte fühlen uns ethisch dazu verpflichtet, weshalb wir diese Leistung neben unserer üblichen hausärztlichen Tätigkeit zusätzlich erbringen. Neben der reinen Impfleistung müssen wir dabei einen sehr hohen logistischen und bürokratischen Aufwand betreiben, der überwiegend von unseren Medizinischen Fachangestellten in zahlreichen Überstunden geleistet wird. Ich möchte unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bei dieser Gelegenheit meine höchste Anerkennung und Dankbarkeit zum Ausdruck bringen.

Ja, Impfen ist unser Geschäft, wie es immer wieder in den Medien verbreitet wird. Wir schaffen in der Grippeimpfperiode mehrere Hundert Impfungen. Von daher sind Sie gewöhnt, dass Sie bei einem Praxisbesuch, praktisch „by the way“ Ihre Grippeimpfung gleich mitnehmen können.

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Aber diese Impfkampagne ist anders: Wir haben nicht wie bei der Grippeimpfung „Fertigspritzen“, die fertig für den einzelnen Gebrauch im Kühlschrank liegen. Bei den Corona-Impfstoffen haben wir sogenannte Vials, Fläschchen mit Impfstoff, der erst zubereitet und aufgezogen werden muss, der dann nur sehr begrenzt haltbar ist und innerhalb kürzester Zeit geimpft werden muss. Das bedeutet, dass wir immer nur Gruppen von sechs oder zehn Patienten hintereinander impfen können. Diese Patienten können wir aufgrund unserer räumlichen Gegebenheiten nur außerhalb der Sprechstunde einbestellen, um das Menschenaufkommen in der Praxis möglichst gering zu halten. Deshalb müssen wir in dieser Zeit nicht wirklich dringend notwendige Kontakte auf ein Minimum reduzieren.

Vertrauen Sie auf unsere Informationen und Erklärungen. Wir investieren sehr viel Zeit und Anstrengung darin, immer auf dem Laufenden zu sein. Was heute noch gilt, kann morgen schon überholt sein. Insofern können auch unsere Informationen nur unter Vorbehalt erteilt werden.

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Den gesetzlichen Rahmen für unsere Impftätigkeit bildet die Hessische Corona-Impfverordnung (CoronaImpfV), die jedem öffentlich zur Verfügung steht. Hier ist aufgelistet, welche Personen zu welcher Priorisierungsgruppe gehören, und welche Nachweise sie erbringen müssen, um ihren Impfanspruch geltend zu machen. Hier ist zum Beispiel auch geregelt, wer einen Anspruch auf eine Corona-Impfung hat und dass Sie sich den Impfstoff aber nicht frei aussuchen können.

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Übrigens sind alle Impfstoffe besser als eine Corona-Infektion.

Auch wir Hausärzte konnten den Impfstoff – entgegen anders lautender Meinung in der Bevölkerung – bisher nicht namentlich bestellen. Wir erhielten auch nicht immer die bestellte Menge an Impfstoff. Wie das künftig gehandhabt werden kann, ist noch nicht abschließend geregelt.

Stellen Sie keine Vergleiche an

Sie haben uns Hausarztpraxen Ihr Vertrauen geschenkt. Sie können auch weiterhin darauf vertrauen, dass wir Hausärzte bei der Impfpriorisierung und Durchführung der Impfungen sehr gewissenhaft und verantwortungsvoll unter Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben vorgehen.

Dies mag für den Einzelnen unter Umständen nur sehr schwer nachvollziehbar sein. Es gibt auch junge Patienten, die aufgrund von schweren Vorerkrankungen Risikopatienten sind, die der jeweiligen Person nicht unbedingt anzusehen sind.

Stellen Sie bitte keine Vergleiche an, warum der eine oder andere bereits geimpft wurde und Sie vielleicht noch vertröstet wurden. Mit Sicherheit gibt es dafür schwerwiegende Gründe. Gerne beraten wir Sie, aber sinnlose Diskussionen über unsere Rahmenbedingungen sind Zeitverschwendung.

Es ist absolut sinnvoll, dass Sie Ihre Registrierung im Impfzentrum beibehalten, weil da unter Umständen früher ein Termin frei ist, den Sie dann gegebenenfalls natürlich rechtzeitig absagen, um Anderen Platz zu machen.

Uns standen in unserer Praxis in den ersten drei Wochen 80 Corona-Impfdosen zur Verfügung, die wir komplett geimpft haben. Das schafft das Impfzentrum in drei Stunden. Auch wenn wir zukünftig mehr Dosen bekommen werden, macht es ganz sicher keinen Sinn, einen Termin im Impfzentrum abzusagen in der Hoffnung, in der Hausarztpraxis einen früheren Termin oder gar einen Impfstoff Ihrer Wahl zu erhalten. Bitte helfen Sie mit, die Pandemie zu bekämpfen, und lassen Sie sich impfen.

Öffentlich zugängig sind folgende Quellen, wo Sie sich seriös und unabhängig informieren können:

corona-impfung.hessen.de

www.kbv.de/html/coronavirus

www.rki.de

www.zusammengegencorona.de

Unterstützen Sie uns bei unserer Arbeit, indem Sie uns Hausarztpraxen weiterhin Ihr Vertrauen während dieser Impfkampagne schenken. Ich danke allen Patientinnen und Patienten, die uns dieses Vertrauen bereits bewiesen haben und die Geduld aufbringen, auf ihren Impftermin zu warten.

Andrea Joerg

Hausärztin

Bensheim

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