Innenstadt Händler müssten zu Teilangestellten der Stadt werden

Lesedauer: 

CDU will Pakt für die Innenstadt, BA vom 29. März, und Marktplatz nicht als Einzellösung sehen, BA vom 30. März

AdUnit urban-intext1

Wesentliches Merkmal einer gesunden Innenstadt ist es, dass sie zum Flanieren einlädt. „Flanieren“ heißt, mit Behagen, mit Neugier und „Seh-Freude“ einherzugehen. Das kann aber in einer Innenstadt ohne naturgegebene Reize nur eintreten, wenn eine Vielfalt von Geschäften besteht, mit einer Vielfalt von Branchen.

Die hiesige Häufung von Optiker-sowie Telefon- und Allerleiläden leistet das nicht. Es müsste sozusagen ein Großkaufhaus in der Fläche angestrebt werden, wobei die Einzelhandelsläden – im Unterschied zum Kaufhaus – eben auch ein individuelles Warenangebot mit Pfiff machen müssen.

Als solche Fläche bietet sich ja vor Ort der Streifen der Hauptstraße vom Ritterplatz bis zum Hospitalhof an. Indes, die Bestückung eines solchen (zu vereinbarenden) bunten Geschäftsangebotes von einer gewissen qualitativen Klasse wird dort gar nicht mehr von selbst erfolgen.

AdUnit urban-intext2

Denn wer vom Nachwuchs im Einzelhandel – wenn es diesen angesichts der Corona-Erfahrungen überhaupt noch geben wird – wird ein solches Wagnis eingehen? Die Bestückung muss vielmehr von der Stadtverwaltung und von dem Wollen der Bürger gezielt und künstlich herbeigeführt werden.

Mein Vorschlag: Diejenigen erwünschten Branchen, die sich nicht von selbst ansiedeln, sollen dadurch angelockt werden, dass die Betreiber zu Teilangestellten der Stadt werden.

AdUnit urban-intext3

Damit wird ihnen ein Mindesteinkommen garantiert. Das wird die Stadt ordentlich Geld kosten. Es könnte teilweise über die Grundsteuer hereingeholt werden. Damit würde die Anteilnahme einer breiten Bevölkerungsgruppe dokumentiert oder eingefordert werden.

AdUnit urban-intext4

Es muss jedenfalls ein Ende haben mit dem bloßen Austausch von Sprechblasen (CDU: „Wir brauchen einen Pakt für die Innenstadt’“; Bürgermeisterin: „Ein fertiges Konzept für die Innenstadt liegt auf dem Tisch“, usw.). Ansonsten wird das Vordringen von Kramläden in die Leerstände der Bensheimer Innenstadt weitergehen.

Volker Scherf

Bensheim