Pandemie

Geflüchtete besser über Corona-Risiken aufklären

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Leserbrief zum „Treibt Migration die Infektionen?“, BA vom Montag, 29. März

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Mit Interesse habe ich den Artikel gelesen. Seit etwa sechs Jahren versuche ich als ehrenamtliche Integrationsbegleiterin in Bensheim Geflüchteten bei der Integration zur Seite zu stehen. Sehr viele Menschen aus sehr vielen Ländern habe ich in dieser Zeit kennengelernt. Und natürlich wird auch in diesen Kreisen über Corona gesprochen. Teilweise überängstlich, teilweise auch ohne jede Einsicht.

Die Muttersprache ist egal

Seit über einem Jahr höre ich die Fragen aus diesem Personenkreis und bin manchmal sehr erstaunt über das vermeintliche Wissen über die Pandemie. Auch sehe ich, dass zum Teil eine große Informationslosigkeit herrscht. Und wie oft habe ich dann schon gehört „das sind doch Freunde“ oder „das ist doch meine Familie“. Das kann man meines Erachtens nicht bestimmten Volksgruppen zuschreiben. Egal, welche Sprache die Muttersprache ist, es gibt hier wie dort Menschen mit einem hohen Bildungsgrad und es gibt solche, die wir eher als „bildungsfern“ einordnen würden. Und genau die letzte Gruppe gilt es zu erreichen. Und zwar mit einfachen Mitteln. Mit Informationen, die über die einschlägigen Kanäle verbreitet werden. Und mit Texten, die genau diese Menschen verstehen.

Ich kenne die vielfältigen Merkblätter, die in den verschiedensten Sprachen aufgelegt wurden. Diese sind jedoch so lang und ausschweifend, dass sie nicht von Menschen gelesen werden (können), für die Lesen echte Arbeit ist.

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Man kann nicht erwarten, dass sich jeder die entsprechenden Informationen selbstständig aus dem Internet zusammensucht. Weiterhin kann man nicht erwarten, dass dann auch noch erkannt wird, welche Nachrichten seriös sind.

Wenn wir wollen, dass so viele Menschen wie möglich gut und zielführend informiert sind, müssen wir Ideen entwickeln, um die Informationen, Bestimmungen und Regeln zu diesen Menschen hin zu transportieren. Es geht um die Gesundheit von uns allen. Da reicht es nicht, wenn wir sagen, das kann doch jeder selbst nachschauen – das kann eben nicht jeder! Und es reicht auch nicht, wenn wir sehen, dass zum Beispiel große Familienfeste gefeiert werden, den Kopf zu schütteln und es mit „die Ausländer halt“ abzutun.

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Wenn wir, die wir Zeitungsleser und Nachrichtenhörer sind, das erkannt haben, dann gibt es auch Mittel und Wege, aus diesem Dilemma herauszukommen.

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Karin Bormann

Ehrenamtliche

Integrationsbegleiterin

Bensheim