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50 Jahre Gemeinde Lautertal Feierlaune wird nur schwerlich aufkommen

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„Jubiläum soll das Wir-Gefühl in Lautertal stärken“, BA vom 1. Juni:

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Mit dem Grenzänderungsvertrag vom 31. Dezember 1971 kam es im Rahmen der landesweit durchgeführten Gebietsreform zu einer Teilung der eigenständigen Gemeinde Elmshausen-Wilmshausen. Wilmshausen wurde ein Stadtteil von Bensheim, Elmshausen gehörte fortan der neuen Großgemeinde Lautertal an. Die Trennung erfolgte entlang der Gemarkungsgrenze, so dass die Häuser westlich der Straße Im Freiacker zu Bensheim, die östlichen Hauser zu Lautertal kamen.

Die Gemeinde Lautertal besteht heute aus elf Ortsteilen und dem Weiler Breitenwiesen. Die größeren liegen in West-Ost-Richtung entlang der B 47 von Elmshausen bis Gadernheim, die anderen, oft nur eine Ansammlung von wenigen Häusern, weit verstreut in Süd-Nord-Richtung von Schannenbach bis Staffel.

Allein diese unglückliche Konstellation und der ungünstige Zuschnitt dieser flächenmäßig zwar großen, aber einwohnermäßig eher kleineren Kommune erschwerte von Anfang an die Akzeptanz der Existenz der neuen politischen Großgemeinde. Auch die bei der Diskussion um die Gebietsreform von den damaligen Lokalpolitikern „Pro Lautertal“ gemachten Versprechungen, dass bei der kleineren Gemeinde Lautertal die Steuern und Abgaben niedriger als in der Nachbarstadt Bensheim ausfallen, wurden nie eingehalten.

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Belastung ist deutlich höher

Ganz im Gegenteil: Von Anfang an lagen die Steuern und Abgaben höher als in Bensheim. Obwohl sie kontinuierlich weiter nach oben gingen, kam es in den Jahren von 2010 bis 2017 zu einer gewaltigen Verschuldung und Finanzkrise, da in Lautertal die Ausgaben nicht an den Einnahmen ausgerichtet waren und Fehler in der Haushaltsführung gemacht wurden.

Das führte letztlich dazu, dass sich nach der Teilentschuldung durch das Land Hessen im Jahre 2013 bis 2017 wieder über zwölf Millionen Euro neue Schulden anhäuften, die schließlich zu einer signifikanten Erhöhung des Hebesatzes der Grundsteuer B (bebaute und bebaubare Grundstücke) führten. In der Zeitspanne vom 31. Dezember 2013 bis zum 1. Januar 2018 stieg der Grundsteuerhebesatz von 270 auf 1050 Prozent, dem höchsten Hebesatz in ganz Deutschland.

Eine Gegenüberstellung der aktuellen Kommunalabgaben von Lautertal und Bensheim ergibt, dass die Lautertaler Bürger gegenüber den Bensheimern jährlich mehr als das Doppelte aufbringen müssen. So beträgt zum Beispiel bei einer Annahme von 140 Kubikmeter für Frischwasser und Kanal, einer versiegelten Fläche von 180 Kubikmeter für das Niederschlagswasser und eines vom Finanzamt festgelegten Grundsteuermessbetrags von 100 Euro die Mehrbelastung in Lautertal 1132,80 Euro im Jahr. In den vergangenen zehn Jahren waren das zirka 10 000 Euro.

Bei dieser gravierenden Steuerbelastung und einer realistischen Perspektiveinschätzung ist es schwer vorstellbar, dass die Mehrheit der Lautertaler Bevölkerung bei dem im nächsten Jahr anstehenden 50. Gründungstag Feierlaune verspürt. Die Gemeinde Lautertal wird auch zukünftig ihre strukturellen, Finanz- und sonstigen Probleme nicht lösen können. Einen Weg aus der Dauerkrise erscheint mir nur mit Hilfe von grundlegenden Reformen möglich, die aber wegen den schlechten Erfahrungen um die Gebietsreform der 70er Jahre derzeit bei Politikern auf allen Verwaltungsebenen leider noch kein Thema sind.

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Adam Kaffenberger

Elmshausen

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