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Bildung und Digitalisierung Ein Schelm, wer Böses dabei denkt

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Lehrer werden oft allein gelassen“, BA vom Freitag, 7. Januar

Wenn die Geschäftsführerin einer Software-Schmiede Empathie mit Lehrern bekundet, darf man skeptisch sein. Und um es gleich zu sagen: Nein, ich fühle mich von Microsoft nicht alleine gelassen. Eher fühle ich mich alleine gelassen, wenn mein Ruf nach weniger Digitalisierung ungehört verhallt.

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Von
Walter Serif
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Frau Janik hatte gehofft, dass der Umgang mit digitalen Mitteln in der Schule selbstverständlicher wird. Schulen haben Geldmittel erhalten, um digitale Geräte anzuschaffen, dass einem schwindelig wird. Diese Beträge in soziale Projekte und wir hätten sehr viel glücklichere Kinder.

Eine sprachlose Zeit

Wann werden wir verstehen, dass Kopf, Herz und Hand ausgebildet werden müssen. Erst danach kommt die digitale Welt. Nur so werden die Schüler später eine Wahlmöglichkeit haben.

Ist uns bewusst, dass die Medienzeit eine sprachlose Zeit ist? Für die Entwicklung eines Menschenkindes braucht es Diversität, künstlerische, handwerkliche, motorische Angebote. Dazu zähle ich zu Beginn der Schulzeit auch das Erlernen der Handschrift, meine sehr persönliche und individuell erlernte Schrift. Um Rechenoperationen zu begreifen brauche ich Menschen, Lehrer und Eltern, die mir geduldig helfen. Was ich nicht brauche, still vor irgendwelchen Geräten zu sitzen und mich darin zu verlieren.

Diversität ist auch in der Bildung das beste Mittel der Wahl und nicht die chaotisierende Vielfalt des Internets. Diversität bedeutet nicht nur Vielfalt, sondern auch den Bezug zueinander.

In Pandemiezeiten wird immer die Wissenschaftlichkeit gefordert. So viele wissenschaftliche Erkenntnisse, die mit der Bildung und deren Konsequenzen zu tun haben, werden nicht beachtet. Man nehme nur Eric Hattie, dessen umfangreiche Studien eines ganz bestimmt bewiesen haben, dass der Bezug zum Lehrer die beste Voraussetzung ist, um gut zu lernen.

Lehrer haben die Verpflichtung, die Potenziale der Schüler zu fördern und ihnen eine größtmögliche Palette von Grundlagen in Kulturtechniken, Sachwissen und Allgemeinbildung zu vermitteln, so dass der Schüler ein gutes Handwerkszeug bekommt, um über seine eigenen Fähigkeiten urteilen und sich für seine Berufswahl entscheiden zu können. Und eben auch die bereits oben erwähnten handwerklichen, künstlerischen und motorischen Fächer.

Die besten Babysitter und Altensitter und inzwischen auch Jugendlichensitter sind Geräte wie Fernseher, Tablet, Smartphone. Es bewegt sich etwas, es wird gesprochen, gesungen und was nicht alles. Die Botschaft: Du bist nicht allein. Wie traurig, dass solche Ersatzeltern, Ersatzerwachsenen inzwischen eine Normalität darstellen.

Was erwartet Frau Janik von Lehrern eigentlich? Soll ich die Programme von Microsoft den Schüler erklären? Wenn alle Schulen die Programme kaufen, dann ist der Nettogewinn von 54,35 Milliarden Euro Nettogewinn natürlich noch zu toppen.

Ein Tsunami an Eindrücken

Nein, den Lehrauftrag sehe ich immer noch darin, den einzelnen Schüler zu sehen und zu versuchen, den Lernstoff so zu bearbeiten, dass die Schüler die Zusammenhänge begreifen, denn nur dann können sie eigene Schlüsse ziehen, selbst weiterdenken und kreativ werden. Und zu einem geeigneten Zeitpunkt ist der Einsatz von technischen Medien inzwischen unerlässlich. Aber nur dann, wenn der Aufbau und die Wege des Internets verstanden werden, können sie auch benutzt werden. Ein zu früher Zeitpunkt lässt die Schüler mit einem Tsunami an Eindrücken und Informationen zurück, der nicht zu bewältigen ist, nicht sortiert und bearbeitet werden kann.

Marion Dingeldey

Bensheim

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