Steinbruch-Erweiterung

Die Zeichen der Zeit werden nicht erkannt

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Als in China eine ganze Millionenstadt für unbestimmte Zeit in Quarantäne ging, hat man in Europa gedacht: „Große Epidemien gibt es nur in Afrika und Asien – und dann werden sie dort erfolgreich bekämpft und haben mit uns nichts zu tun.“ Und so hat man die Mühe gescheut, Reisende aus China vorsichtshalber 14 Tage in Quarantäne zu schicken. So kam das Virus nach Europa.

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Als es sich dann in Italien und nach Ischgl in Deutschland rasant verbreitete, entschloss man sich zum Lockdown. Als der zusammen mit der sommerlichen Witterung schon nach relativ kurzer Zeit zu einem starken Rückgang der Verbreitung führte, war man stolz auf den Erfolg.

Exponentielles Wachstum

Warnungen vor der gefährlichen zweiten Welle nahm man nicht ernst genug und nutzte den Sommer nicht, um die Nachverfolgung durchzusetzen, ging zu spät in den zweiten Lockdown und war erstaunt, dass der bei Beginn der kalten Jahreszeit nicht so gut wirkte wie der im Frühjahr.

Die zweite Welle kostete dann – wie vorhergesagt – weit mehr Menschenleben als die erste. Europa musste lernen, was man in China und Korea gelernt hatte: rechtzeitig reagieren.

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Diese Lektion über die Wirkung exponentiellen Wachstums hat aber leider nicht klug genug gemacht. Auch beim Klimawandel geht es um exponentielles Wachstum. Der Anstieg ist freilich zunächst viel langsamer. So brauchte es Jahrzehnte, bis die Menschheit im Zuge der Weltklimakonferenzen seit Anfang der Neunzigerjahre des vorigen Jahrhunderts endlich im Jahr 2015 in Paris angemessene Beschlüsse fasste. Doch die wurden nicht umgesetzt.

Ich verzichte darauf, die Geschichte des Dieselskandals noch einmal zu erzählen. Jetzt aber hat sich herumgesprochen: Wissenschaftliche Ergebnisse sind ernstzunehmen. Mehrere Jahre mit Hitze- und Trockenheitsrekorden führten selbst bei VW zum Umdenken.

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Sieben lange Jahre

Freilich nicht überall. Beraten von hiesigen Naturschützern hat die Röhrig AG in sieben langen Jahren einen Plan entwickelt, wie sie „naturgerecht“ 6,2 Hektar Wald abholzen könnte. Stolz auf diesen Plan hat sie beschlossen, ein künstliches „Naturdenkmal“ zu schaffen. In tragischer Blindheit hat sie nicht erkannt, dass sie damit ein Denkmal für ihre katastrophale Vernichtung von Natur setzen würde, von Wald, dem einzigen effektiven Mittel zur langfristigen Bindung von CO2, das der Menschheit schon heute zur Verfügung steht.

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Sieben lange Jahre, über 1000 Seiten für einen Plan, der jetzt, da er umgesetzt werden soll, zum dauerhaften Denkmal der schlimmsten Naturvernichtung an der Bergstraße werden würde. Sieben sinnlose Jahre. Den Planern gilt mein Mitgefühl. Aber einer Behörde, die dieses Denkmal tragischer Blindheit genehmigen würde, gilt es nicht.

Wenn der Klimawandel in den kommenden Jahren noch deutlicher als in den vergangenen zeigt, was es bedeutet, wenn man wissenschaftliche Ergebnisse in den Wind schlägt, dann werden kommende Generationen dafür kein Verständnis haben.

Walter Böhme

Bensheim