Klimawandel Die Mittel der „letzten Generation“ sind kontraproduktiv

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Die „Letzte Generation“ – empfinden die jungen, überaus besorgten Menschen zu Unrecht, dass ihre Zukunft den Bach runtergeht? Sie sehen in aller Schärfe, dass die Lebensgrundlagen in aller Welt von unserer Lebens- und Wirtschaftsweise immer rasanter zerstört werden.

Die politischen Kräfte – sei es in den Demokratien, seien es die autoritären, totalitären Regimes – sind offensichtlich nicht willens und in der Lage, die sich anbahnende Katastrophe an den Wurzeln, also radikal, zu bekämpfen. Ja, auch wir alle tragen mit unserer Behäbigkeit, unserer moderaten Empörung, die immer wieder vor der bestehenden Realität kapituliert, dazu bei, dass unser wunderbarer Planet zerstört wird.

Ich verstehe das Anliegen der jungen Frauen und Männer nur zu gut, die mit spektakulären, teils vielleicht auch gefährlichen Aktionen versuchen, Einhalt zu gebieten.

Leider sind die angewandten Mittel eher kontraproduktiv. Sie verschrecken oder empören sogar viele gutgewillte Bürger, die sich darüber im Klaren sind, dass die Zivilisation gegen die Wand fährt, wenn nicht grundlegend gegengesteuert wird.

Es nützt der Sache nicht, jetzt nur das Strafrecht in aller Schärfe anzuwenden – ja, sich sogar zu versteigen, eine Analogie zur RAF herzustellen. Standen in den Anfängen jener Bewegung nicht auch moralisch-ethische Beweggründe im Blickpunkt von Ulrike Meinhof und anderen, bevor die „bleierne Zeit“ mit ihren Morden heraufzog und der Staat zum Todfeind erklärt wurde? Hingegen stellen die Aktivisten der „Letzten Generation“ unsere „freiheitlich-demokratische Grundordnung“ offensichtlich nicht in Frage.

Spektakuläre Aktionen

Als die grüne und die Friedensbewegung sich entwickelten, gab es auch Blockaden, Whyl („Wenn Recht zu Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht“...), Brokdorf, Wackersdorf, Mutlangen etc., etc. Der Schutz von Leben und Gesundheit, die Bewahrung des Friedens waren Herzensanliegen einer ganzen Generation. Wie ist „Greenpeace“ mit seinen spektakulären Aktionen, sicher nicht immer mit rechtlich einwandfreien Mitteln, groß und anerkannt geworden? Viele Protestierer von damals sitzen und saßen nun in Positionen in Bund, Ländern und Gemeinden, demokratisch legitimiert, und fühlen sich (hoffentlich) unbequem angesichts der „Letzten Generation“, die ihnen den Spiegel vorhält.

Waren die Millionen Schüler von „Fridays for Future“ nicht ein ernsthaftes Anzeichen, dass die Parlamente offensichtlich zu wenig Tatkraft haben, dem Unheil der im Gange befindlichen Klima-Katastrophe entschieden entgegenzutreten?

Lassen wir hinsichtlich der Aktionen der „Letzten Generation“ die Kirche im Dorf. Bemühen wir uns um Dialog mit ihnen. Weisen wir sie darauf hin, dass sie nicht die richtigen Mittel einsetzen. Raten wir ihnen, zusammen mit den „Fridays“ und anderen, Umweltverbänden, Gewerkschaften, Parteien, den Protest zu einer Massenbewegung zu machen und damit „die Politik“ und andere (auch uns selbst!) zum entschiedenen Handeln zu veranlassen.

Thomas Dilo

Lautertal

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