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Umwelt Den Wald darf man nicht sich selbst überlassen

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„Lampertheimer Stadtwald: In Teilen zurück zum Urwald“, BA vom 2. Juni

Es klingt erstmal paradiesisch: Man braucht nur mal den Wald sich selbst zu überlassen, schon wird sich automatisch ein Gleichgewicht in der Natur einstellen und der Klimaschutz stellt sich quasi von selbst ein. Das möchte ich erheblich bezweifeln. Wenn Borkenkäfer die Stämme schädigen, Maikäfer die notwendigen Wurzeln vernichten und an feuchten Stellen Biber die Fällung der Bäume übernehmen, stellt sich mitnichten ein Gleichgewicht ein. Im Gegenteil – die Schädlinge übernehmen die Herrschaft und es wird ihnen gelingen, in diesem Schonraum sich noch intensiver zu vermehren und sich von dort aus auch noch auf verbleibenden gesunden Wald auszudehnen.

Mir ist der Schutz heranwachsender Bäume als Holzlieferanten und Sauerstoffspender wichtiger als die Ausbreitung von zweifelhaft nützlichem Urwald vor der Haustür, wo sich bekanntermaßen hauptsächlich die amerikanische Traubenkirsche und andere nicht einheimische Baumarten durchsetzen werden. Dabei wird der Holzwirtschaft gerade in der Zukunft eine viel größere Bedeutung zukommen durch steigenden Bedarf bei Pelletsheizungen, beim Hausausbau etc.

Holz ist ein allseits gefragter Rohstoff, der zudem CO2 speichert. Seit wann gibt es eigentlich die Vorstellung, dass man ernten kann, wo man nichts gesät hat? In meinem Naturverständnis muss man einen Eichenbaum erst einmal pflanzen, bevor man nach vielen Jahrzehnten Eichenholz „ernten“ kann. Für Früchte gilt das doch genauso, oder werden nicht Äpfel von Apfelbäumen geerntet, die man erstmal pflanzen muss, bevor man im besten Fall im Herbst reife Früchte ernten kann? Unser sogenannter Fortschritt im kapitalistischen System predigt uns, dass alles doch einfacherweise aus China eingeflogen werden kann, und bei uns vor Ort keinerlei Bemühungen notwendig sind.

Das ist das genaue Gegenteil der europäischen (christlichen) Kultur, in der der Mensch laut Bibel den Auftrag hat, die Schöpfung Gottes und somit die Erde zu bebauen und zu bewahren. Das heißt nicht, den Wald sich selbst zu überlassen, dafür ist er schon viel zu sehr ausgedünnt, das Grundwasser zurückgegangen und von Schadstoffen vergiftet. Hält man sich nicht an diese Ordnung, wird Raubbau an der Natur betrieben.

In einer dermaßen vom Menschen überzivilisierten Welt stellt sich nicht von alleine wieder ein Gleichgewicht ein, dafür hat der Mensch zu sehr eingegriffen. Die Pflanzung von mehr Bäumen sollte endlich Priorität bekommen, egal ob im Wald oder auf Privatgrundstücken. Die Forstwirtschaft müsste mit ihren Fachleuten eine größere Priorität eingeräumt bekommen, die kommenden Generationen sind auf uns angewiesen. Ob wir das hinbekommen? Es wäre zu wünschen.

Monika Ofenloch

Lorsch

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